Alle Artikel in: Lillestoff

Die Meinung der anderen

Ich diskutiere nicht gerne. Für gewöhnlich habe ich meine Meinung und respektiere die Meinung anderer, denke gerne auch über die verschiedenen Sichtweisen nach und wäge ab, ob meine Meinung die einzig richtige für mich ist. Obwohl ich polarisierende Themen lieber vermeide und es eher nach dem Prinzip „Leben und Leben lassen“ handhabe, konnte ich zum Thema Bluttest nicht ganz schweigen. Diese ganze Diskussion fiel mir sehr schwer. Ich habe lange an einem Blogbeitrag geschrieben und meine Argumente für und gegen diesen Test erläutert und dann wieder den ganzen Beitrag verworfen. Niemanden würde ich meine Meinung aufzwängen und niemanden „belehren“ wollen, welche Entscheidung im Falle einer gestellten Diagnose in der Schwangerschaft die Richtige ist. Wer hier schon lange mitliest, weiß das sicherlich. Es gibt einfach kein pauschales richtig oder falsch. Als Mutter eines Kindes mit Behinderung und eines ohne Behinderung kann ich nur sagen, dass die Erzieherischen Herausforderungen woanders liegen, dass es nicht unbedingt das Kind mit Behinderung sein muss, das einem schlaflose Nächte bereitet und einen manchmal in die Verzweiflung treibt. Die ganzen Diskussionen in …

Rush Hour im Kopf

Oh Junge! Die letzten Monate waren sehr nervenaufreibend. Leider stimmt das Timing von Deiner Schwester und Dir nicht ganz so gut. Immer beide gleichzeitig. Jeder die ungeteilte Aufmerksamkeit. Beide das volle Programm. Viele Sorgen habt Ihr uns auf unterschiedliche Art und Weise gemacht. Eine Menge schlafloser Nächte beschert, obwohl Ihr selbst seelenruhig geschlafen habt. Du gehst sehr gerne in die Schule, auch wenn Dir die Umstellung nicht leicht gefallen ist. Obwohl Du sehr aufgeschlossen bist, hast Du Dich schwer getan neue Freundschaften zuzulassen. Mittlerweile hast Du ein paar echt sympathische neue Freude dazu gewonnen. Das Schulleben ist nicht so plüschig wie die Kindergartenzeit. Und es hat eine Weile gedauert bis ich Deine Bauchschmerzen und Dein „komisches Gefühl“, wie Du es immer nennst, richtig deuten konnte. Manchmal fällt es mir gar nicht so leicht mich in Dich und Deine Gefühlswelt hinein zu denken. Es ist gerade ein bisschen als hättest Du eine permanente Rush Hour im Kopf. Als würden Deine Gedanken wild hupend und gehetzt, mal rasend, mal stockend durch Deinen Kopf fahren. Über Nacht machst …

Welt Down-Syndrom Tag und graue Haare

Es gibt so Phasen, in denen habe ich das Gefühl meinen grauen Haaren wachsen graue Haare. Und wenn ich dann in den Spiegel schaue, weiß ich auch wieso. Der letzte Friseurbesuch ist schon wieder drei Monate her. Nicht, weil ich mich gehen lasse, sondern weil ich der Zeit hinterher renne und so viele Dinge IM Kopf habe, dass ich mir nicht auch noch Gedanken um das Gestrüpp AUF dem Kopf machen kann. Gestern war ich endlich wieder beim Friseur. Alleine… mit beiden Kindern im Schlepptau. Es dauerte eine ganze Weile bis die ganze Anspannung ein bisschen abfiel. Zumindest waren die Kinder total entspannt und alleine das war dieser Friseurbesuch schon wert. Zu Hause habe ich nämlich gerade das Gefühl, dass nur noch die Fetzen fliegen. Wegen Nichtigkeiten. Aber das ist das, was ich denke. Für die Kinder ist es jedes Mal ein „ICH. RASTE. GLEICH. AUUUUUS!“ und die oder der hat aber angefangen. In den letzten Wochen war es sehr, sehr still auf dem Blog. Das hatte Gründe. Keine (un)erfreulichen, keine dramatischen und doch uns …

Sonnenschein 10.0

Liebe Sonea, am Freitag gingst Du gut gelaunt aus dem Haus und verabschiedetest Dich mit den Worten „Montag hab ich Geburtstag!“. Nicht dass ich diesen Tag jemals vergessen würde, aber Deine Vorfreude ist einfach jedes Mal so groß. Es ist DEIN TAG. Etwas später klingelte das Telefon und Deine Lehrerin teilte mir mit, dass das Taxi wieder auf dem Weg zu uns zurück sei, mit Dir, denn Du hast Dich geweigert aus dem Taxi auszusteigen. Manchmal ist es schwer Dich und Deine Gedanken zu verstehen, aber zu Hause angekommen sagtest Du mir, dass Du einfach so aufgeregt wegen Deinem Geburtstag am Montag bist. Zum Glück hast Du Dich dann von Papa doch noch in die Schule bringen lassen, denn eigentlich hattest Du Dich auf die Bürgermeisterin von Köln gefreut, die sich für einen Besuch in der Schule angekündigt hatte. Früher gab es so eine Serie „X-Factor – das Unfassbare“, in der man als Zuschauer raten musste, ob eine Geschichte wahr oder falsch ist. Mit Dir könnte man die Serie glatt neu auflegen. Ich weiß bis …

Später werde ich mal Zezieherin!

Die Tante meines Vaters sagte immer, dass ich mal Autorin werde. Geschrieben habe ich zumindest schon immer gerne. Ich hatte während meiner Kindheit so viele Berufswünsche. Hebamme wollte ich werden, später doch lieber Polizistin. Und dann hatte ich sogar schon eine Zusage für eine Ausbildung zur Ergotherapeutin, allerdings an einer sehr teuren Privatschule. Designerin wollte ich insgeheim werden, hatte aber nicht den Mut diesen Schritt zu gehen. Und wenn ich mir die Entwürfe unserer Designer heute anschaue, dann schlackern mir vor Ehrfurcht die Ohren. Niemals hätte ich da mithalten können. Inzwischen habe ich einen Beruf, der meine Interessen und Fähigkeiten optimal vereint. Und das wünsche ich mir für meine Kinder natürlich auch. Dass sie nicht nur einen Job haben, sondern eine Berufung. Einen Beruf, den sie gerne machen. Tatsächlich mache ich mir um die Zukunft von Sonea nicht so viele Gedanken, wie um die ihres Bruders. Ganz einfach aus dem Grund, dass ihr Weg in gewisser Weise vorgegeben ist. Und die Ansprüche an sie von der Außenwelt niemals ihre Kompetenzen übersteigen werden. Sie wird immer …

Hurra, die Ferien sind da!

Endlich gehen auch die Herbstferien in NRW los. Die ersten für Soneas kleinen Bruder. Seine ersten Wochen als Schulkind hat er mit sehr viel Begeisterung gemeistern. Unser neuer Alltag hat sich inzwischen gut eingespielt und wie neulich erst eine Mutter zu mir am Schultor meinte „Der ist aber gut angekommen!“. Recht hat sie! Woran es manchmal noch ein wenig fehlt, ist Tempo. Bei den Hausaufgaben, beim Mittagessen in der Schule… aber drei Seiten lang immer nur Zahlen schreiben, kann auch sehr anstrengend sein… und laaaaaaang…weilig. Neuerdings bekomme ich nachmittag selbstgemalte Bilder und erste selbst geschriebene Wörter mit nach Hause gebracht. Und Lesen lernen wird hier auch auf eigenen Wunsch geübt. Das bleibt bei einer Familie voller Leseratten nicht aus. Die ersten Freundschaften sind geschlossen, die ersten nachmittäglichen Verabredungen liegen hinter uns und mit einem seiner neuen Freunde geht Vincent nun neuerdings zum Taekwondo. Mal sehen, ob er sich langfristig dafür begeistern kann. Auch Soneas Begeisterung für die Schule ist nach den Sommerferien zurück. Vielleicht liegt es daran, dass sie als Drittklässlerin nun offiziell zu den …

Not in the mood to wear heels

Dieser Beitrag enthält Werbung für wirklich coole Schuhe von Sacha und absolut coole Schnittmuster von dp Studio. Ach ja und für lillestoff sowieso. Also auch für richtig coole Stoffe. Im Moment werde ich ja mit dieser Werbung für die unsichtbaren Zahnspangen-Schienen zugespamt und wer mich etwas genauer kennt, weiß wie sehr ich meine schiefen Zähne hasse und wie gerne ich sie gerade hätte. Das perfekte Werbeopfer also. Ich glaube, wir haben alle etwas an uns, das wir gerne anders hätten. Aber ich merke auch, dass ich mit Ende Dreißig irgendwie auch angekommen und im Reinen bin mit meinem wahren ICH. Und im Großen und Ganzen ist das dann auch okay so. Die Zähne sind schief, aber 5000 Euro investiere ich dann doch lieber in eine neue Küche als in eine erneute Kieferothopädie-Behandlung. Und ich habe ja nicht nur Zähne, sondern auch noch Augen. Schöne Augen, finde ich eigentlich. Obwohl mich die Falten drum herum dann manchmal doch etwas stören. Und letzte Woche war ich dann tatsächlich in so einem Studio, um mich einmal zu erkundigen …

Dein Glück ist mein ganzes Unglück

Dieser Beitrag enthält Werbung für lillestoff. Gerade renne ich mal wieder allem hinterher. Vor allem der Zeit. Wie das Kaninchen in Alice im Wunderland. Nur mit weniger Fell und kürzeren Ohren. Die so genannte Wackelzahnpubertät hatte ich gar nicht mehr so anstrengend in Erinnerung. Ich weiß nur noch vage, dass es eine sehr herausfordernde Zeit war, als Soneas Einschulung anstand. Nich nur wegen des ganzen Aufwands, der mit der inklusiven Beschulung verbunden war, sondern auch und vor allem wegen Soneas kreativen Verhaltens. Ich erinnere mich noch an die Heimwege von der Kita nach Hause… eine dreiviertel Stunde für 300 Meter. Seit einigen Wochen erwarten mich zwar auch schon mal kleine temperamentvolle Überraschungen von meinem Fünfjährigen auf diesen 300 Metern. Aber ich bin diesmal deutlich gelassener als beim ersten Kind. Trotzdem ist dieses aufbrausende, wütende Kind manchmal ziemlich anstrengend und ermüdend. Mir rauscht abends der Kopf und es bleibt einfach keine Zeit und vor allem kein Kopf mehr für gehaltvolle Dinge. Es sind oft die kleinsten Dinge und man ist meistens selbst zu verblüfft darüber, als …

Rote Karte, Du Kxxxaloch!

Vor ein paar Jahren hab ich diesen Starke Eltern – starke Kinder Kurs mitgemacht, der vom Kinderschutzbund initiiert und in diversen Kindergärten angeboten wird. Manch einer von Euch sicherlich auch. Erziehung ist ja so ein Ding. Jeder macht es anders und andere machen es grundsätzlich besser. Ich mach das meistens aus dem Bauch heraus, sicherlich nicht immer richtig und wahrscheinlich auch optimierungsbedürftig. Aber der Starke Eltern – starke Kinder Kurs hat mir immer wieder geholfen mich zu reflektieren und in manchen Situationen mit entsprechendem „Erziehungs-Werkzeug“ souverän zu reagieren. Nun haben wir auch eine phänomenale Kursleiterin. Andrea Lück, Erziehungsberaterin und lösungsorientierter Coach. Ich liebe diese Frau! Und wie gerne würde ich sie einfach nach so einem Kursabend in meine Handtasche packen, um sie in brenzligen Alltagssituationen aus der Tasche zu kramen und die Lösung parat zu haben. Insgesamt habe ich damals in diesem Kurs viel gelernt. Leider vergisst man nur vieles, was nicht gerade für einen relevant ist. Und natürlich geht es mir nicht alleine so. Wenn man so einen Kurs einmal gemacht hat, geht man …

Bodybashing – muss das sein?!

Eine liebe Freundin von mir ist gerade im Urlaub. Eine quirlige, sehr toughe Frau, die absolut nicht auf den Mund gefallen ist. Und möglicherweise hat sie vielleicht 1-2 Kilo mehr auf den Rippen. Aber was spielt das schon für eine Rolle. Glückliche Urlaubsbilder postete sie in der vergangenen Woche auf ihrem Insta-Account und dann plötzlich ganz viele Tränen und Traurigkeit. Sie erfuhr Diskriminierung und Beleidigungen anderer Urlauber aufgrund ihrer Figur. Hotelgäste, die sich von ihr wegsetzten oder die Speisen auf ihrem Teller kommentierten, sie mit abwertenden Blicken taxierten. Da war selbst meine Freundin sprachlos. Und verletzt. Verständlich. Aber kein Einzelfall. Leider. Bodybashing ist ein gesellschaftliches Problem. Studien zufolge findet sich jedes zweite 15 Jährige Mädchen (und jeder dritte 15 Jähriger Junge) zu dick. Selbstakzeptanz ist in unserer Gesellschaft Mangelware und die Medien sorgen dafür, dass bei ganz jungen Menschen kein gesundes Selbstbild entstehen kann. Ich muss mir selbst zwar nicht über zu viele Kilos Gedanken machen, aber ein bisschen mehr Sport würde meinem Körper und meiner Gesundheit nicht schaden. Meine Selbstakzeptanz schwankt irgendwo zwischen „So …