Alle Artikel in: Mein Leben mit dem Besonderen

Mein Leben mit dem Besonderen #122 Geburt nach sexuellem Missbrauch – heilsam oder traumatisierend?

Ich bin als Jugendliche sexuell missbraucht worden und das über einen längeren Zeitraum. Diese viele Frauen betreffende „Besonderheit“ in meinem Leben wirkt sich in viele Bereiche meines Lebens aus. Ich könnte also gleich mehrere Berichte schreiben. Wie sich mein sexueller Missbrauch auf meine Gesundheit ausgewirkt hat, auf meinen Beruf, meine Beziehung, mein Sozialverhalten, meine eigene Sexualität, mein Umgang mit meinen Kindern, meine Ängste…. Ich möchte aber gern über die Geburt meiner Kinder berichten. Denn ich finde immer wieder, dass dieses Thema viel zu wenig in den Köpfen der Menschen präsent ist: was passiert eigentlich mit einer Frau, die sich traut, trotz Gewalterfahrungen, Kinder zu bekommen. Ich habe mal gelesen, die wenigsten Frauen sprechen diese Erlebnisse bei einer Vorsorge oder in der Klinik bei der Geburtsplanung an. Werden sie aber gefragt, berichten erstaunlich viele Frauen von ihren Erlebnissen. Und dies ist so wichtig – denn eine Geburt ist etwas Sexuelles. Als solche sollte sie wahrgenommen werden und die mit ihr einhergehenden Ängste – getriggert aus schlimmen Erfahrungen, sollten wahr und ernstgenommen werden. Aber nun zu meiner …

Mein Leben mit dem Besonderen #121 Mein Leben mit chronischer verlaufender postpartaler Depression

Hallo, ich heiße A und bin seit 2003 mit meinem Mann B verheiratet. Als wir uns im Jahr 2012 für Kinder entschieden haben, nachdem wir zuvor in ein schönes Haus gezogen waren, ging alles ganz schnell. Im Januar war nach einer problemlosen Schwangerschaft unser Sohn C Anfang 2013 auf die Welt. Er wurde groß, machte uns viel Freude und wir beschlossen, dass er kein Einzelkind bleiben sollte. Ich wurde in der Folgezeit sehr schnell wieder schwanger. Leider sollte uns dieses Wunder in der 9. Schwangerschaftswoche verlassen. Das nächste Wunder verließ uns dann in der 17. Schwangerschaftswoche und das darauf in der 7.. Als ich einige Zeit später wieder schwanger wurde, war von Anbeginn diese mir unbekannte Furcht im Spiel: wird uns dieses Kind wieder verlassen? Wird es gesund sein? Jeder Tag drehte sich für mich um diese Gedanken, zumal ich wegen Blutungen viel Liegen musste. Wir entschieden uns dann letztlich auch eine Nackenfaltenmessung machen zu lassen. Das Ergebnis war auffällig aber wir beschlossen, das Kind so zu nehmen, wie es ist und dem nicht mehr …

Mein Leben mit dem Besonderen #120 Mein Leben mit mir (nach einer Hirnblutung)

Ich bin Jeannette, 38 Jahre , Mutter von Emilie 7 und Elvis 1 Jahr. Ende Juli letzten Jahres erlitt ich eine Hirnblutung, aufgrund einer Anomalie. Nach langen Aufenthalten im Krankenhaus und in der REHA durfte ich im Dezember 2017 wieder nach Hause. Seitdem ist unser Leben immer noch sehr eingeschränkt. Ich bin ungeduldiger, vergesslicher, unfreundlicher – würde mein Mann jetzt sagen. Habe ständig Therapien – Physiotherapie, Ergotherapie, habe einen tollen Neuropsychologen, der mir hoffentlich weiter helfen wird, wieder ins Berufsleben zurück zu kehren und ich durch ihn irgendwann wieder Auto fahren kann bzw. darf. Mittlerweile reguliert sich alles. Mein Mann geht zum Glück wieder Vollzeit arbeiten. Ich habe am Nachmittag die Kinder und bereite das Essen vor. Ihr denkt sicher, das macht die ein oder andere Mutter auch. Aber all das musste ich erst wieder erlernen. In der REHA gab es Anziehtraining oder Kochgruppe. Lange habe ich meinem Sohn die Schuhe verkehrt herum angezogen, stand im Bad und konnte meine Unterhose nicht richtig herum anziehen, weil es einfach nicht passte. Mein Mann hat in einige …

Mein Leben mit dem Besonderen #119 Skoliose oder – meine Narbe zur Freiheit

Als ich 3 Jahre alt war, begann mein persönliches Leben mit dem Besonderen. Klingt irgendwie dramatischer, als ich mein gesundheitliches Schicksal beschreiben würde, aber es hat eben von da an mein Leben stark geprägt. Also, mit 3 Jahren stellte man fest, dass ich eine angeborene Skoliose habe. Warum das erst meiner Mutter auffallen musste, als ich bei einem Keuchhusten den Rücken wölbte, hat sie sich immer gefragt. Jedenfalls hatte es bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand festgestellt. Eine Skoliose ist eine Wirbelsäulenverkrümmung, bei der die Wirbelsäule, meist mit einem Beckenschiefstand einhergehend, in einer S-Form steht. Da an der Wirbelsäule nun mal irgendwie der ganze Körper hängt, könnt Ihr Euch sicher vorstellen, was eine starke Verkrümmung im schlimmsten Fall bedeutet… genau: eine körperliche Beeinträchtigung, Querschnittslähmung, Organleiden und noch so einiges mehr. Meine Mutter machte natürlich alle nötigen Schritte, um mich davor zu bewahren. Neben Krankengymnastik gehörte auch ein Korsett dazu. Lange Jahre lag mein erstes Korsett noch als Andenken im Keller, so mini-klein war das! Irgendwie süß… Diesen Plastikpanzer musste ich im Idealfall 24 Stunden tragen. …

Mein Leben mit dem Besonderen #118 Man sieht nur mit dem Herzen gut

Schon sooo lange wollte ich über unsere Erfahrungen mit der Einschränkung unseres Sohnes schreiben. Schon so lange lese ich Katharinas Blog und das hat mir in schlimmen Zeiten sehr sehr geholfen, denn dann fühlt es sich am einsamsten an und dann ist es auch am einsamsten. Mein Name ist Ina. Ich bin die Mutter von Jakob, der vier Jahre alt geworden ist. Mein Leben und das meines Mannes veränderte sich stark mit der freudigen Nachricht, dass ich schwanger bin. Zu dem Zeitpunkt war ich 38 Jahre alt und schon aus diesem Grund ängstlich, weil ich ein Jahr zuvor eine Fehlgeburt hatte. Auf Grund dessen und weil mein Mann und ich schon ältere Semester waren, empfahl mir meine Ärztin eine Fruchtwasseruntersuchung. Davor hatte ich totale Panik, aber es hieß, eine Fehlgeburt sei evtl. das Zeichen, dass es sich um ein wiederkehrendes Problem handeln könne und wir auf der sicheren Seite seien, wenn einige Genetische Tests durchgeführt werden würden. Alles klappte gut und wir gingen nach dem Eingriff erleichtert nach Hause. Als wir dann das Ergebnis des …

Mein Leben mit dem Besonderen #117 Der Beginn unseres Lebens mit dem Besonderen

Der Beginn unseres „Lebens mit dem Besonderen“ war geprägt durch unendliche Trauer und Entsetzen darüber, dass man uns überhaupt als etwas Besonderes einstuft. Einen guten Monat ist es jetzt her, da wurde im 7. Schwangerschaftsmonat bei unserem kleinen Mädchen ein Herzfehler (AVSD) erkannt. Dieser Herzfehler ist ganz typisch für Kinder mit Down Syndrom. Da Baby außerdem auch noch eine etwas „platte“ Nase zu haben schien, lag die Diagnose „Trisomie 21“ sehr, sehr nah. Wir haben uns noch am gleichen Tag zu einer Fruchtwasseruntersuchung entschieden, die den Verdacht dank Schnelltest nach 2 Tagen bestätigt hat. Für uns war schon zu Beginn der Schwangerschaft klar, dass wir unser Kind lieben und annehmen werden, egal ob mit Behinderung oder ohne. Wir haben deswegen auch kein Ersttrimester-Screening gemacht. Ich hatte eine wundervolle, unkomplizierte Schwangerschaft mit dem Gefühl, dass es meinem Baby ganz hervorragend geht. Die Diagnose AVSD und Down Syndrom hat uns völlig den Boden unter den Füßen weg gezogen. Alles schien plötzlich unsicher, alle Erwartungen zerschmettert, alle Bilder zerschlagen. Wir waren voller Sorge, Trauer und Liebe gleichzeitig und …

Mein Leben mit dem Besonderen #116 „Wenn ein Kind so komisch aussieht macht uns das immer stutzig“

Unsere kleine Knödel nach ihrer Geburt in meinen Händen zu halten, sie zu streicheln, ihren wunderbaren Duft einzuatmen und sie ganz dicht an mir zu fühlen war wieder so ein wunderbar großartiges Ereignis, das man am liebsten für immer festhalten möchte. Sie war so wunderschön mit ihrem kleinen Mund und den ebenmäßigen Gesichtszügen. So schön wie es nur ein Baby sein konnte. Alles war gut – so schien es. Keine Auffälligkeiten. Gesundes Kind, glückliche Eltern, alles prima. Zu diesem Zeitpunkt war es nicht auszudenken, dass jemand mal einen solchen Satz über sie sagen würde. Über unser Wunder. 11 Stunden später finden wir uns im Gang der kardiologischen Kinderintensivstation wieder. Drinnen wird gerade unsere Tochter an Kabel und Monitore angeschlossen und mit für sie lebenswichtigen Medikamenten versorgt. Ein Albtraum für alle Eltern. Sie lag doch gerade noch bei mir im Bett und ich versuchte sie zu stillen. Jetzt liegt sie in diesem sterilen Babybett ohne ihre Mama und ich sitze draußen auf dem Flur – ohne sie. Getrennt was doch eigentlich zusammen gehört. Ich weiß noch, …

Mein Leben mit dem Besonderen #115 Besonders?

Seit Jahren tummle ich mich auf dem Blog bei Sonea herum. Ich verschlinge die Beiträge und auch „Das Leben mit dem Besonderen“. Ich zögerte lange, was soll ich schreiben, wie soll ich es schreiben, so wie uns, geht es vielen und und und… Nun ist dieses Jahr, ganz unverhofft, mit mir etwas passiert, was mich total überraschte und mich positiv ausfüllt… Doch von vorn: Vor 5 Jahren wurden wir nach intensivster Schwangerschaftsbetreuung (aufgrund 5 Fehlgeburten) unverhofft mit unserem kleinen Wunder überrascht – groß, schwer, gesund und termingerecht – mit einer kleinen Besonderheit, die nur ich als Mutter sofort sah, als sie mir nach der Entbindung meine Tochter in den Arm legten. Die Ärzte bezweifelten es, als ich sagte, dass das Kind Trisomie 21 hätte, holten Geräte heran, um sie zu untersuchen und sahen keine Auffälligkeiten. Aufgrund der leicht marmorierten Haut  wurde sie auf die Neontologie gebracht. Für mich brach in dem Moment alles zusammen, mein Mann wiederum war Optimist der ersten Stunde. Nun lag unser kleines Wunder da, verkabelt aufgrund der mangelnden Sauerstoffsättigung, zwischen all …

Mein Leben mit dem Besonderen #114 Mein Leben als Tochter von Hauseltern

DAS DORF, IN DEM MEINE ELTERN ALS HAUSELTERN LEBEN… Um die Privatsphäre zu schützen sind alle Namen geändert Was hab ich mich gefreut den Bericht über Hohenroth zu lesen! Es ist toll, dass es solche Orte gibt! Ich kenne Hohenroth. Ich würde sogar sagen: Ich kenne es gut! Meine Eltern waren dort viele Jahre Hauseltern von acht Betreuten im Alter von 21 bis 56 Jahren. Ganz klassisch wie die meisten (nicht alle) Hauseltern: Der männliche Hauselternteil ist Hausvater und geht tagsüber im Dorf arbeiten – mein Papa als Schreiner – und der weibliche Teil ist „nur“ Hausmutter. Letzteres bedeutet einen Haushalt zu führen mit acht Bewohnern, einer Haushaltshilfe, zeitweise einer Praktikantin und der eigenen Familie. Es bedeutet viel Wäsche zu haben, jeden Tag drei volle Mahlzeiten pünktlich auf dem Tisch zu haben, zu putzen, einzukaufen und die tausend Termine zu koordinieren. Glaubt mir, es sind eigentlich noch mehr als tausend! Und dazwischen meine Schwester und ich. Meine Oma wohnt ebenfalls in Hohenroth und wird ungeachtet der verwandschaftlichen Verhältnisse von allen „Oma“ gerufen. Dorf-Oma zuzusagen.   …

Mein Leben mit dem Besonderen #113 Kinderarmut

Armut ist dann besonders schlimm, wenn sie Kinder trifft. Vor einer Woche bin ich aus Kambodscha zurückgekehrt. Zehn Tage war ich dort, davon eine Woche auf Projektarbeit im Kinderdorf „Light Of Hope“. Diese Reise war eine Grenzerfahrung in allen Belangen. Eine Reise in eines der ärmsten Länder der Welt. Katharina fragte mich, ob ich mir vorstellen kann, einen Beitrag für ihre Reihe „Mein Leben mit dem Besonderen“ zu schreiben. Genau genommen betrifft dies nicht mein Leben. Es betrifft das Leben dieser Kinder in Kambodscha. Ihre traurige Besonderheit ist: Sie leben in Armut. Kinder werden auf der ganzen Welt geboren. Sie alle eint, dass sie sich nicht aussuchen können, wo und in welche Verhältnisse sie geboren werden. Wir gehen davon aus, dass sich Eltern kümmern, ihren Kindern Liebe und Vertrauen schenken. Sie nach bestem Wissen und Gewissen groß ziehen, sie akzeptieren, wie sie sind und stärken. Für die CFI Kinderhilfe war ich eine Woche im Kinderdorf „Light Of Hope“. Auf meinem Blog habe ich regelmäßig darüber berichtet, viele Geschichten sind noch nicht geschrieben, wabern aber in …