Alle Artikel in: Mein Leben mit dem Besonderen

Mein Leben mit… #126 Pflegekinder

Das Telefon klingelt. Oh, die Nummer des Jugendamtes….die Frage, wie es uns geht nehme ich kaum wahr, denn die nächste Frage ist wesentlich interessanter. Haben wir Zeit ein Kind aufzunehmen? Die Informationen sind noch spärlich. Soweit unsere zuständige Sachbearbeiterin weiß, ist es dieses Mal ein Mädchen, vier Wochen alt. Wann und ob sie kommt, kann sie nicht sagen, der Allgemeine Soziale Dienst setzt sich in den nächsten Tagen mit uns in Verbindung. Jetzt heißt es erstmal ruhig bleiben. Es ist nur eine Anfrage. Wer weiß, ob es überhaupt klappt. Trotzdem überlegt ein Teil meines Gehirns schon, ob wir genug Windeln haben, oder ob ich nicht ganz zufällig ohnehin in die Drogerie muss. Wieder klingelt das Telefon. Diesmal der ASD. Kind – ja ein Mädchen und vier Wochen alt – ist zur Zeit wegen Mangelernährung in der Klinik und soll morgen in Obhut genommen und zu uns gebracht werden. Klappt das? Ich sage zu. Kaum aufgelegt rufe ich meinen Mann an. Vorsichtig erzähle ich ihm von der jungen Dame. Auch er ist der Meinung, unseren Kindern …

Mein Leben mit dem Besonderen #125 Plötzlicher Kindstod

Der Tod des eigenen Kindes ist für Eltern mit Sicherheit eines der schlimmsten Erlebnisse, die passieren können. Und so ist die Gefahr eines „plötzlichen Kindstodes“ für viele Eltern ein absoluter Albtraum. Die Vorstellung, eines Tages das eigene Kind einfach tot vorzufinden, ohne ersichtlichen Grund. „Der plötzliche Kindstod, plötzliche Säuglingstod oder Krippentod (lateinisch: mors subita infantium) ist das unerwartete und nicht erklärliche Versterben eines Säuglings oder Kleinkindes, das zumeist in der (vermuteten) Schlafenszeit des Säuglings auftritt.“ Quelle: Wiklipedia Für mich ist dieses Thema gerade wieder präsent geworden, nachdem ich von einer Mutter erfahren habe, welche tragischerweise vor ein paar Wochen ihr Kind auf diese Art verloren hat. Das bewegt mich sehr und bringt mich in Kontakt mit meiner eigenen Geschichte dazu. So wäre – wie einige vielleicht wissen – mein Sohnemann im Alter von drei Monaten fast am „plötzlichen Kindstod“ gestorben. Aber erstmal von Vorne. Meine Sohn kam Mitte Oktober 2014, drei Wochen vor dem errechnetet Termin, zur Welt. Er entwickelte sich von Anfang an prächtig und war ein richtiger Brocken. Im Gegensatz zu unserer Tochter war er absolut „pflegeleicht“ und schlief in den Nächten sehr gut. Da in unserem Freundeskreis vor einigen Jahren ein Kind am plötzlichen Kindstod gestorben war, kontrollierte ich (bis …

Mein Leben mit dem Besonderen #124 Heute vor 7 Jahren…

Achtung Triggerwarnung. Auf Wunsch einer Leserin füge ich diesen Hinweis in dieser Reihe bei Bedarf hinzu. Es folgt ein sehr bewegender Beitrag einer Leserin, die ihren Sohn vor ziemlich genau 7 Jahren verloren hat. Vielen Dank an dieser Stelle für Deinen Mut und Dein Vertrauen hier Deine Geschichte zu erzählen.  „Heute vor 7 Jahren…“ oder „Heute vor 7 Jahren um x Uhr“… heute, in diesem Jahr, ist es irgendwie einfacher. Leichter. Weniger heftig. Weniger luftabschnürend. Es tut verdammt weh. Aber jedes Jahr ist es ein wenig leichter durchzustehen. Ich habe gelernt, damit umzugehen, den Schmerz nur in kleinen Portionen an mich zu lassen. Tag für Tag. Es war der 19.10.2011, und ich hatte meinen üblichen und normalen Frauenartzttermin der 24. Woche um 8:00 Uhr damit mein, damals noch Freund, nun Mann dabei sein konnte. Irgendwann um 9 Uhr was auch immer wurden wir ziemlich wortlos in die Klinik geschickt, für weitere Diagnostik, da irgendwie was nicht ganz stimmen würde. Um 11 Uhr was auch immer war klar, dass eine Plazentainsuffizienz vorlag. Um 13 Uhr was …

Mein Leben mit dem Besonderen #123 Mein Leben als Pechvogel

[Triggerwarnung] „Glück ist eine Sache der Einstellung!“ Jaja, wie oft habe ich das schon gehört, genau wie „sei nicht so pessimistisch!“. Eines stelle ich immer wieder vergeblich klar: ich bin kein Pessimist, ich bin Realist. Leider bin ich Realist mit Hang zum Unglück, ein realistischer Pechvogel halt. Mein Leben hat mich nur zu oft gelehrt, je mehr ich mich auf etwas freue, je mehr ich mich auf etwas Gutes einstelle, desto härter ist der Aufprall in der Realität. Wenn ich so überlege, ging das schon mit 3 Jahren los: „Ich werde große Schwester, juhuuu!“ Und kaum ist der kleine Bruder auf der Welt, habe ich das Gefühl, meine Mutter verloren zu haben. Mein Bruder hat eine Behinderung. Nach der Geburt wurde er direkt mit dem Hubschrauber in ein 2 Autostunden entferntes Krankenhaus gebracht, in dem er die nächsten Jahre viel Zeit verbringt, weil er immer wieder operiert wird. Und natürlich verbringt meine Mutter die Zeit dort mit ihm. Selbst wenn die Beiden nicht weit weit weg sind, ist Mama berufstätig in 2 Schichten und ich sehe …

Mein Leben mit dem Besonderen #122 Geburt nach sexuellem Missbrauch – heilsam oder traumatisierend?

Ich bin als Jugendliche sexuell missbraucht worden und das über einen längeren Zeitraum. Diese viele Frauen betreffende „Besonderheit“ in meinem Leben wirkt sich in viele Bereiche meines Lebens aus. Ich könnte also gleich mehrere Berichte schreiben. Wie sich mein sexueller Missbrauch auf meine Gesundheit ausgewirkt hat, auf meinen Beruf, meine Beziehung, mein Sozialverhalten, meine eigene Sexualität, mein Umgang mit meinen Kindern, meine Ängste…. Ich möchte aber gern über die Geburt meiner Kinder berichten. Denn ich finde immer wieder, dass dieses Thema viel zu wenig in den Köpfen der Menschen präsent ist: was passiert eigentlich mit einer Frau, die sich traut, trotz Gewalterfahrungen, Kinder zu bekommen. Ich habe mal gelesen, die wenigsten Frauen sprechen diese Erlebnisse bei einer Vorsorge oder in der Klinik bei der Geburtsplanung an. Werden sie aber gefragt, berichten erstaunlich viele Frauen von ihren Erlebnissen. Und dies ist so wichtig – denn eine Geburt ist etwas Sexuelles. Als solche sollte sie wahrgenommen werden und die mit ihr einhergehenden Ängste – getriggert aus schlimmen Erfahrungen, sollten wahr und ernstgenommen werden. Aber nun zu meiner …

Mein Leben mit dem Besonderen #121 Mein Leben mit chronischer verlaufender postpartaler Depression

Hallo, ich heiße A und bin seit 2003 mit meinem Mann B verheiratet. Als wir uns im Jahr 2012 für Kinder entschieden haben, nachdem wir zuvor in ein schönes Haus gezogen waren, ging alles ganz schnell. Im Januar war nach einer problemlosen Schwangerschaft unser Sohn C Anfang 2013 auf die Welt. Er wurde groß, machte uns viel Freude und wir beschlossen, dass er kein Einzelkind bleiben sollte. Ich wurde in der Folgezeit sehr schnell wieder schwanger. Leider sollte uns dieses Wunder in der 9. Schwangerschaftswoche verlassen. Das nächste Wunder verließ uns dann in der 17. Schwangerschaftswoche und das darauf in der 7.. Als ich einige Zeit später wieder schwanger wurde, war von Anbeginn diese mir unbekannte Furcht im Spiel: wird uns dieses Kind wieder verlassen? Wird es gesund sein? Jeder Tag drehte sich für mich um diese Gedanken, zumal ich wegen Blutungen viel Liegen musste. Wir entschieden uns dann letztlich auch eine Nackenfaltenmessung machen zu lassen. Das Ergebnis war auffällig aber wir beschlossen, das Kind so zu nehmen, wie es ist und dem nicht mehr …

Mein Leben mit dem Besonderen #120 Mein Leben mit mir (nach einer Hirnblutung)

Ich bin Jeannette, 38 Jahre , Mutter von Emilie 7 und Elvis 1 Jahr. Ende Juli letzten Jahres erlitt ich eine Hirnblutung, aufgrund einer Anomalie. Nach langen Aufenthalten im Krankenhaus und in der REHA durfte ich im Dezember 2017 wieder nach Hause. Seitdem ist unser Leben immer noch sehr eingeschränkt. Ich bin ungeduldiger, vergesslicher, unfreundlicher – würde mein Mann jetzt sagen. Habe ständig Therapien – Physiotherapie, Ergotherapie, habe einen tollen Neuropsychologen, der mir hoffentlich weiter helfen wird, wieder ins Berufsleben zurück zu kehren und ich durch ihn irgendwann wieder Auto fahren kann bzw. darf. Mittlerweile reguliert sich alles. Mein Mann geht zum Glück wieder Vollzeit arbeiten. Ich habe am Nachmittag die Kinder und bereite das Essen vor. Ihr denkt sicher, das macht die ein oder andere Mutter auch. Aber all das musste ich erst wieder erlernen. In der REHA gab es Anziehtraining oder Kochgruppe. Lange habe ich meinem Sohn die Schuhe verkehrt herum angezogen, stand im Bad und konnte meine Unterhose nicht richtig herum anziehen, weil es einfach nicht passte. Mein Mann hat in einige …

Mein Leben mit dem Besonderen #119 Skoliose oder – meine Narbe zur Freiheit

Als ich 3 Jahre alt war, begann mein persönliches Leben mit dem Besonderen. Klingt irgendwie dramatischer, als ich mein gesundheitliches Schicksal beschreiben würde, aber es hat eben von da an mein Leben stark geprägt. Also, mit 3 Jahren stellte man fest, dass ich eine angeborene Skoliose habe. Warum das erst meiner Mutter auffallen musste, als ich bei einem Keuchhusten den Rücken wölbte, hat sie sich immer gefragt. Jedenfalls hatte es bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand festgestellt. Eine Skoliose ist eine Wirbelsäulenverkrümmung, bei der die Wirbelsäule, meist mit einem Beckenschiefstand einhergehend, in einer S-Form steht. Da an der Wirbelsäule nun mal irgendwie der ganze Körper hängt, könnt Ihr Euch sicher vorstellen, was eine starke Verkrümmung im schlimmsten Fall bedeutet… genau: eine körperliche Beeinträchtigung, Querschnittslähmung, Organleiden und noch so einiges mehr. Meine Mutter machte natürlich alle nötigen Schritte, um mich davor zu bewahren. Neben Krankengymnastik gehörte auch ein Korsett dazu. Lange Jahre lag mein erstes Korsett noch als Andenken im Keller, so mini-klein war das! Irgendwie süß… Diesen Plastikpanzer musste ich im Idealfall 24 Stunden tragen. …

Mein Leben mit dem Besonderen #118 Man sieht nur mit dem Herzen gut

Schon sooo lange wollte ich über unsere Erfahrungen mit der Einschränkung unseres Sohnes schreiben. Schon so lange lese ich Katharinas Blog und das hat mir in schlimmen Zeiten sehr sehr geholfen, denn dann fühlt es sich am einsamsten an und dann ist es auch am einsamsten. Mein Name ist Ina. Ich bin die Mutter von Jakob, der vier Jahre alt geworden ist. Mein Leben und das meines Mannes veränderte sich stark mit der freudigen Nachricht, dass ich schwanger bin. Zu dem Zeitpunkt war ich 38 Jahre alt und schon aus diesem Grund ängstlich, weil ich ein Jahr zuvor eine Fehlgeburt hatte. Auf Grund dessen und weil mein Mann und ich schon ältere Semester waren, empfahl mir meine Ärztin eine Fruchtwasseruntersuchung. Davor hatte ich totale Panik, aber es hieß, eine Fehlgeburt sei evtl. das Zeichen, dass es sich um ein wiederkehrendes Problem handeln könne und wir auf der sicheren Seite seien, wenn einige Genetische Tests durchgeführt werden würden. Alles klappte gut und wir gingen nach dem Eingriff erleichtert nach Hause. Als wir dann das Ergebnis des …

Mein Leben mit dem Besonderen #117 Der Beginn unseres Lebens mit dem Besonderen

Der Beginn unseres „Lebens mit dem Besonderen“ war geprägt durch unendliche Trauer und Entsetzen darüber, dass man uns überhaupt als etwas Besonderes einstuft. Einen guten Monat ist es jetzt her, da wurde im 7. Schwangerschaftsmonat bei unserem kleinen Mädchen ein Herzfehler (AVSD) erkannt. Dieser Herzfehler ist ganz typisch für Kinder mit Down Syndrom. Da Baby außerdem auch noch eine etwas „platte“ Nase zu haben schien, lag die Diagnose „Trisomie 21“ sehr, sehr nah. Wir haben uns noch am gleichen Tag zu einer Fruchtwasseruntersuchung entschieden, die den Verdacht dank Schnelltest nach 2 Tagen bestätigt hat. Für uns war schon zu Beginn der Schwangerschaft klar, dass wir unser Kind lieben und annehmen werden, egal ob mit Behinderung oder ohne. Wir haben deswegen auch kein Ersttrimester-Screening gemacht. Ich hatte eine wundervolle, unkomplizierte Schwangerschaft mit dem Gefühl, dass es meinem Baby ganz hervorragend geht. Die Diagnose AVSD und Down Syndrom hat uns völlig den Boden unter den Füßen weg gezogen. Alles schien plötzlich unsicher, alle Erwartungen zerschmettert, alle Bilder zerschlagen. Wir waren voller Sorge, Trauer und Liebe gleichzeitig und …