Alle Artikel in: Mein Leben mit dem Besonderen

Mein Leben mit dem Besonderen #114 Mein Leben als Tochter von Hauseltern

DAS DORF, IN DEM MEINE ELTERN ALS HAUSELTERN LEBEN… Um die Privatsphäre zu schützen sind alle Namen geändert Was hab ich mich gefreut den Bericht über Hohenroth zu lesen! Es ist toll, dass es solche Orte gibt! Ich kenne Hohenroth. Ich würde sogar sagen: Ich kenne es gut! Meine Eltern waren dort viele Jahre Hauseltern von acht Betreuten im Alter von 21 bis 56 Jahren. Ganz klassisch wie die meisten (nicht alle) Hauseltern: Der männliche Hauselternteil ist Hausvater und geht tagsüber im Dorf arbeiten – mein Papa als Schreiner – und der weibliche Teil ist „nur“ Hausmutter. Letzteres bedeutet einen Haushalt zu führen mit acht Bewohnern, einer Haushaltshilfe, zeitweise einer Praktikantin und der eigenen Familie. Es bedeutet viel Wäsche zu haben, jeden Tag drei volle Mahlzeiten pünktlich auf dem Tisch zu haben, zu putzen, einzukaufen und die tausend Termine zu koordinieren. Glaubt mir, es sind eigentlich noch mehr als tausend! Und dazwischen meine Schwester und ich. Meine Oma wohnt ebenfalls in Hohenroth und wird ungeachtet der verwandschaftlichen Verhältnisse von allen „Oma“ gerufen. Dorf-Oma zuzusagen.   …

Mein Leben mit dem Besonderen #113 Kinderarmut

Armut ist dann besonders schlimm, wenn sie Kinder trifft. Vor einer Woche bin ich aus Kambodscha zurückgekehrt. Zehn Tage war ich dort, davon eine Woche auf Projektarbeit im Kinderdorf „Light Of Hope“. Diese Reise war eine Grenzerfahrung in allen Belangen. Eine Reise in eines der ärmsten Länder der Welt. Katharina fragte mich, ob ich mir vorstellen kann, einen Beitrag für ihre Reihe „Mein Leben mit dem Besonderen“ zu schreiben. Genau genommen betrifft dies nicht mein Leben. Es betrifft das Leben dieser Kinder in Kambodscha. Ihre traurige Besonderheit ist: Sie leben in Armut. Kinder werden auf der ganzen Welt geboren. Sie alle eint, dass sie sich nicht aussuchen können, wo und in welche Verhältnisse sie geboren werden. Wir gehen davon aus, dass sich Eltern kümmern, ihren Kindern Liebe und Vertrauen schenken. Sie nach bestem Wissen und Gewissen groß ziehen, sie akzeptieren, wie sie sind und stärken. Für die CFI Kinderhilfe war ich eine Woche im Kinderdorf „Light Of Hope“. Auf meinem Blog habe ich regelmäßig darüber berichtet, viele Geschichten sind noch nicht geschrieben, wabern aber in …

Mein Leben mit dem Besonderen #112 Medikamentenallergie

Mein Name ist Alu und ich habe eine Medikamentenallergie. Wissen tue ich das seit ich 14 Jahre alt bin und bereits manches Mal hat mich diese Allergie in arge Bedrängnis gebracht. Ich habe mit 14 Jahren aufgrund dessen einen epileptischen Anfall über sieben Stunden gehabt und wäre fast gestorben da mein Körper seine Funktionen nicht mehr kontrollieren konnten, alles Dinge die unschön sind und die einen prägen. Erst nachdem man mich körperlich komplett durchgecheckt hatte mit Nervenwasser (AUA!), Hirnströmen, Magen, Herz usw. hat man festgestellt, dass ich eine von 0,1 Prozent von Menschen bin die eben auf bestimmte Inhaltsstoffe so reagiert. Meine Eltern und ich waren sehr erleichtert, dass man wenigstens wusste woher der epileptische Anfall denn kam, aber ich muss sagen, so einfach ist das eben doch leider nicht. In den letzten 20 Jahren hatte ich insgesamt vier nennenswerte Anfälle die nicht aufgrund von Medikamenteneinnahme entstanden sind. Einmal hatte ich einen Anfall nach chinesischem Essen, einmal nach dem Verzehr einer Süßigkeiten Marke (ich verrate nicht welche), einmal nach Weißwein und einmal nach Glühweingenuss auf …

Mein Leben mit dem Besonderen #111 Meine Tochter ist schlau

Irgendwo in Deutschland wurde vor fast 5 Jahren ein kleines Mädchen geboren. Die ersten Wochen und Monate mit unserer Tochter waren sehr anstrengend. Schon früh suchte sie Blickkontakt, reagierte auf Reize und musste immer und überall dabei sein. Nacht für Nacht verarbeitete sie diese Eindrücke und wir liefen Kilometer durch unsere Wohnung. Als sie mit neun Monaten laufen konnte und ihre ersten Wörter auch sehr früh sprach, lachte unser Kinderarzt und prophezeite uns spannende Abenteuer. Kurz nach ihrem zweiten Geburtstag sprach sie flüssig, fast grammatikalisch richtig und schmückte ihre Sprache sehr aus. Das hat sich bis heute gehalten und die Gespräche mit ihr erinnern in keinem Moment daran, dass gegenüber ein Kind sitzt. Früh fing sie an, sich Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Warum passt Gott auf uns auf? Warum müssen Menschen sterben? Warum gibt es Menschen, die nicht arbeiten gehen? Fragen, die ihr unglaublich reflektierendes Nachdenken zum Ausdruck bringen. Mehr und mehr spüren wir, dass sich da etwas zusammen brodelt. Sie liest, schreibt Einkaufszettel und nimmt jedes Wort auseinander. Sie hat …

Mein Leben mit dem Besonderen #110 Der Tag, an dem die Welt still stand

ja ich glaube, so kann ich es nennen. Der Tag, an dem es für meinen Seelenfreund, meine große Liebe und den Vater meiner Söhne, die Diagnose Krebs gab. Krebs, so sagen meine Söhne, ist ein Kackapupsgesicht. Ja das ist er. Er ist kalt, herzlos und er fragt nicht: hast Du Kraft dafür? Nach vielen Wochen, in denen kein Arzt wusste, woher Torsten diese unendlichen Schmerzen hatte, stellte man ein Meningeom ( Hirntumor) fest. Die Art, die er hatte, tritt normal bei Kindern auf. Er war 27 Jahre alt. Leider tropfte dieser Tumor ins Rückenmark, was natürlich zu Lähmungen führte. Ehrlich und offen redeten die Ärzte mit uns, ja sie sagten uns was alles auf uns zukommen kann. Wir waren bereit, wir waren eine Einheit, ein Duett das einander durch diese Strecke helfen würde. Nach den ersten jeweils fast 10 stündigen OPs, waren wir optimistisch, gingen aufrecht, positiv an alles. Bis eines Tages Torsten einfach zusammenklappte, wieder Schmerzen im Rücken. Zurück in der Klinik, der Schlag ins Gesicht. Der Tumor ist gewachsen, rasend schnell. Sofort OP. Die …

Mein Leben mit dem Besonderen #109 Mein Herzkind

Wenn ich 2011 mein Leben mit einem Wort beschreiben hätte müssen, wäre es PERFEKT gewesen. Mit meinen 21 Jahren hatte ich alles, was ich mit immer gewünscht hatte: einen guten Job, eine tolle Wohnung, einen lieben Ehemann, eine Familie, die mich in allem Unterstützt hat und ein Ultraschallbild von meinem ersten Kind. Eine Prinzessin. Voller Euphorie planten wir das Leben zu dritt, kauften ein Kinderzimmer, den Kinderwagen und unzählige süße Mädchenkleider. Die winzigen Sachen in den Größen 50/56 waren einfach unbeschreiblich süß. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es ewig dauern würde, bis unsere Prinzessin sie tragen kann. Um Sylvester rum ging es mir von Tag zu Tag schlechter. Ich fühlte mich müde, antriebslos und mir tat einfach alles weh. „Stell dich nicht so an, andere Frauen sind auch schwanger und machen das ganz locker“ habe ich mir immer wieder gesagt. Ich ging weiter wie gewohnt jeden Tag zur Arbeit, obwohl ich das Gefühl hatte, kaum noch sitzen zu können. Aber bis zum Mutterschutz war es noch eine Weile hin. Am Abend des 20. …

Mein Leben mit dem Besonderen #108 ADHS und das Medikamentenproblem oder „Wald statt Ritalin“

Schon vor ganz langer Zeit wollte ich hier bei „Mein Leben mit dem Besonderen“ mitmachen und irgendwie wollte mir das Schreiben nicht so richtig gelingen oder ich wusste nicht wie ich anfangen soll und so strichen viele Monate ins Land bis ich von Katharina – dankenswerterweise – eine kleine Erinnerung bekam. Und plötzlich stand für mich fest wie und über was ich Euch berichten will. Ich bin Margit, 34 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern, Dominik 8 und Annalena 6 Jahre alt, Ehefrau und nebenher berufstätig als Medizinische Fachangestellte. Ich möchte Euch gerne mit auf die Reise in unser oftmals sehr turbulentes Leben nehmen. Das Leben mit einem Kind mit ausgeprägtem ADHS. Ach ja, und nebenbei noch einem relativ unerforschtem Gendefekt, der Roland Epilepsie, einer Lernbehinderung usw. Das hängt wohl alles mit dem Gendefekt zusammen. Einen Namen gibt es dafür nicht. Ich kann allen Interessierten nur den Ort der Chromosomenanomalie sagen: „Microdeletion 16p13.3“ heißt unser Schreckensmonster. Eigentlich nur ein ganz kleiner Fehler auf dem 16. Chromosom, der aber für viele Sorgen und Probleme sorgt…. Unser …

Mein Leben mit dem Besonderen #107 Ungewollt Kinderlos

Ich habe mein Leben eigentlich immer als ganz normal betrachtet. Nach außen ist es das auch weiterhin. Ich bin schon über ein Jahrzehnt liiert und wohne mit dem Mann zusammen. Jede Frage, wann wir denn endlich mal Kinder bekommen, ist ein Stich ins Herz. Damit rechnet das Gegenüber natürlich nicht, aber es ist eine sehr persönliche Frage. Am Anfang unseres Kinderwunsch-Weges vor mehr als 3 Jahren, lächelten wir noch und antworteten mit Phrasen wie „Na mal sehen, irgendwann.“, „Wir lassen uns noch Zeit.“ oder auch „Wir arbeiten daran!“. Mittlerweile müssen die Menschen mit der Wahrheit genauso leben wie wir. Wir können nicht einfach so ein Kind bekommen. Der Mann ist hochgradig unfruchtbar. Dies fanden wir nach einem Jahr Kinderwunsch heraus. Anfangs wurden beim Urologen, welcher ein sehr unsensibler Mann war, gar keine Spermien gefunden. Später beim 2. Facharzt in der Uniklinik immerhin eine Handvoll. Okay damit war also klar, wir würden nicht ohne Hilfe ein Kind bekommen können. Wir sind 1 von 7 Paaren bei dem das so ist. Also irgendwie besonders, während es doch …

Mein Leben mit dem Besonderen #106 Schulunfähig?

Schon früh war zu beobachten, dass unser Knopf irgendwie anders tickt als seine Altersgenossen. Und so galt er in der Kita als sogenanntes „I-Kind“ (Integrationskind), was grob gesprochen mehr Förderung und einen besseren Betreuungsschlüssel bedeuten soll. Damals stellte das SPZ die Hauptdiagnose „Autismusspektrumsstörung“ oder auch „atypischer Autismus“ und zusätzlich zu gezielter Förderung durch seine Integrationserzieherin bekam mein Sohn wöchentlich Ergotherapie in 1:1 Situationen oder in Kleinstgruppen. Wir wohnten damals in Berlin und dort war es bereits 2013 so, dass jedes Kind, welches bis zum 31.12. des Jahres 6 Jahre alt wird, im Sommer eingeschult wird. Das traf auf uns mit dem Geburtstag kurz vor Weihnachten zu. Ich empfinde 5 1/2 generell sehr früh für die Einschulung, für Jungs nochmal mehr (Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel). Wenn man dann aber ein Kind vor sich hat, welches massive Schwierigkeiten in der Feinmotorik und im sozial-emotionalen Bereich hat (sprich nicht in der Lage ist, sich in eine Gruppe zu integrieren oder überhaupt adäquat auf Gleichaltrige zu- oder einzugehen), dann ist Bauchweh beim Blick auf die Schulzeit wohl mehr …

Mein Leben mit dem Besonderen #105 Von einem anderen Stern

Heute möchte ich euch ein paar Dinge über hochsensible Menschen erzählen. Ich tue dies, weil ca. 15 % – 20 % aller Menschen hochsensibel sind, und doch viele nicht wissen, dass es diese „Hochsensibilität“ gibt. Mache wissen gar nicht, dass sie selbst betroffen sind, haben aber seit Kindheit an das Gefühl, „von einem anderen Stern“ zu kommen. Auch ich habe erst durch meine Kinder, die ebenfalls hochsensibel sind, als Erwachsene verstanden was mit mir los ist. Aber nun von Anfang an: Kennt ihr das, wenn ihr immer wieder zu hören bekommt man solle doch nicht so empfindlich, nicht so eine Heulsuse sein und sich nicht immer alles so zu Herzen nehmen? Dann herzlich willkommen in meiner Welt! Schon als Kind hieß es oft, ich sei so verträumt und verspielt, bräuchte halt ein bisschen länger für alles. Tiere und kleine Kinder mochte ich schon immer sehr gerne, und wenn es jemand anderem nicht gut ging konnte ich extrem mitleiden, war sehr betroffen. Auf der anderen Seite konnte ich auch ein äußerst fröhliches, ausgelassenes Kind sein – …