Alle Artikel in: Mein Leben mit dem Besonderen

Mein Leben mit dem Besonderen #27 Dann war da dieser Tag…

Ich war in der 30. Woche schwanger. Als ich beim Abholen des großen Bruders im Kindergarten das aktuelle Schild an der Krankheitstafel sah, war es schon zu spät. Ringelröteln! Da es dagegen keine Impfung gibt, konnte ich nur hoffen! Doch als ein paar Tage später bei mir die, für Erwachsene, typischen Symptome auftraten, wusste ich es eigentlich schon. Der Bluttest beim Gynäkologen brachte Gewissheit. Akute Neuinfektion! Binnen einer Stunde saß ich in der Pränataldiagnostik. Irgendwie war ich jedoch seltsam ruhig, trotz der starken Gelenkschmerzen, die ich von der Krankheit hatte. Mich beruhigte die Tatsache, dass ich das erste Trimester hinter mir hatte. So war eine Gefahr für das Leben meines Babys weitestgehend ausgeschlossen. Alles andere würden wir irgendwie schaffen. Dennoch kam die Ansage: „Wenn irgendwas nicht stimmt, holen wir ihn!“ Eine Spur Aufregung blieb also. Dann wurde geschallt. Und nochmal geschallt. Geredet wurde nicht. Man konnte die Luft förmlich schneiden. Nach etwa 30 Minuten kam dann der erlösende Satz: „Organisch sieht alles unauffällig aus, er darf drin bleiben!“ Wir waren erleichtert und fuhren nach Hause. …

Mein Leben mit dem Besonderen #26 Bühne frei!

Es gibt wenige Termine im Jahr, die sofort nach ihrem Erscheinen fest und unverrückbar geblockt werden. Einer davon ist die jährliche Theateraufführung meines „kleinen“ Bruders Nils (32), den ihr in meinem letzten Beitrag schon kennengelernt habt. Das ist zwar seit Jahren so und ich bin auch noch nie zu spät gekommen, aber das heißt natürlich nicht, dass ich nicht deutlich und mehrfach erinnert werde. In diesem Jahr zuletzt einige Tage vor dem großen Auftritt – mitten in der Nacht, schlafend im Hotelbett mit (böser Fehler) dem Handy als Wecker neben mir. Facebooknachrichten machen so einen fiesen „pling“-Ton, mehrere hintereinander wecken einen recht effektiv. Ich gebe zu, meine Antwort war nur bedingt nett. Aber hey – Schwestern dürfen das und selbstredend war ich pünktlich da 😉 Nils lebt in einer Wohngruppe der Lebenshilfe und die liegt in direkter Nachbarschaft zum örtlichen Gymnasium. Schon zum dritten Mal stand nun Ende Juni die gemeinsame Theateraufführung in der Schulaula an. Verschiedene Schülergruppen waren an den Vorbereitungen beteiligt: das Theaterstück wurde von Schülern und Bewohnern der Lebenshilfe gemeinsam entwickelt, das …

Mein Leben mit dem Besonderen #25 Sonnenkind Amelie

Es ist so eine Sache mit dem Veröffentlichen seiner Lebensgeschichte oder einem Teil davon – besonders, wenn es sich dabei um sehr emotionale Angelegenheiten handelt. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich mit meiner Geschichte Mut machen und zeigen möchte, dass man aus allem heraus- und in alles hineinwachsen kann. Unser inzwischen fast 7-jähriger Sohn Christopher ist ein absolutes Wunschkind; er kam zwar ein paar Monate früher als eigentlich geplant zu uns, aber dessen ungeachtet waren wir überaus glücklich, als er nach einer größtenteils unbeschwerten Schwangerschaft endlich in unseren Armen lag. Sämtliche zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen hatte ich während der Schwangerschaft abgelehnt, da mir schon immer klar war, dass für mich eine Abtreibung nie in Frage käme. Bereits kurz nach Christophers Geburt wussten wir, dass irgendwann noch ein Geschwisterchen folgen sollte. Nach drei Jahren war ich dann mit unserem zweiten geplanten Wunschkind schwanger. Ich erwartete zu meiner größten Freude ein Mädchen. Auch dieses Mal verzichtete ich bewusst auf alle zusätzlichen Untersuchungen. Bei einer Routine-Untersuchung in der 26. Woche teilte mir mein Frauenarzt mit, unser Baby  sei retardiert, …

Mein Leben mit dem Besonderen #24 Mein Leben mit Peti

Als du diese wundervolle Reihen gestartet hast, habe ich mir das erste Mal bewusst Gedanken gemacht warum es für mich gar nichts „besonderes“ ist. Diese besonderen Menschen. Warum es für mich völlig selbstverständlich war, dass ich meine beiden Kinder auf die Welt bringe, völlig egal was eine Untersuchung im Vorfeld gesagt hätte. Warum es für mich als Lehrerin auch eine Selbstverständlichkeit ist, dass ALLE Kinder in meiner Klasse sein können und sollen!! Meine Mama hat einen geistig behinderten Bruder. Peti. Peti hat bei seiner Geburt in den 40er Jahren zu wenig Sauerstoff erhalten, oder er ist zu lange im Geburtskanal gesteckt, so genau weiß das keiner mehr. Es spielt auch keine Rolle mehr. Peti ist „behindert“, oder er „hat nicht alle Tassen im Schrank“. Oder er kann einfach andere Dinge ganz besonders gut, z.B. ein Buch anschauen, in Ruhe auf der Terrasse sitzen und Kaba trinken, oder spazieren gehen. Seit meiner Geburt lebt Peti in einer WG der Lebenshilfe, mit 12 anderen besonderen Menschen. Und seit meiner Geburt ist meine Mama mit mir und meiner …

Mein Leben mit dem Besonderen #23 Das Leben mit dem Tod beginnen

Ich weiß eigentlich noch gar nicht so recht, wie ich diesen Text beginnen soll. So ging es mir auch am Anfang meiner „Diagnose“. Wie darüber reden? Es war Stille. Und oftmals flossen Tränen. Deshalb beginne ich ganz von vorne. Eine Woche nach meinem schriftlichen Abitur. Im Frühling 2012. Schwanger. Nach drei Monaten Beziehung. Trotz Verhütung. Und ich habe mich gefreut. Meine Mama hat sich gefreut. Mein Mann fing an sich darauf zu freuen. Vor allem als wir sahen, wie das Herz schlug und es später auch hören konnten. Wir wussten, dass es nicht einfach werden würde. Mit knappen 19 bzw. 20 Jahren hat man viele Pläne und Träume. Die gaben wir teilweise auf und bauten uns ein Nest. Eigentlich wäre ich im Sommer sechs Wochen durch Südafrika getourt. Das Ticket besaß ich schon. Und eigentlich hätte ich danach an einer normalen Universität studiert, je nachdem wie das geklappt hätte. Mein Mann wäre vielleicht ins Ausland gegangen für ein Semester. Wer weiß. Also bauten wir uns ein Nest. Kauften Kinderkleidung, und alles, was man braucht. In …

Mein Leben mit dem Besonderen #22 Förderschule

Ich bin Bianca und 38 Jahre alt. Ich erzähle euch heute meine Geschichte. Ich bin Lehrerin und  arbeite seit über zehn Jahren an einer Förderschule. Das mag sich so wenig aktuell und fast langweilig anhören, in Zeiten von Inklusion. Als Katharina mich fragte, ob ich mal etwas über die Förderschulen schreiben möchte, habe ich sofort innerlich ganz laut „Ja, bitte, unbedingt“! geschrien.        Warum? Weil wir Lehrer an den Förderschulen in den aktuellen Diskussionen oft nicht mehr vorkommen, unsere Arbeit außerhalb der Regelschule wird  infrage gestellt. Oft fühle ich mich an den Rand gedrängt, in allen Diskussionen um die richtige Schule.  Sie ist gegen Inklusion, denkt ihr gerade? Oh nein, im Gegenteil, ich finde  Inklusion gut und wahnsinnig wichtig, wenn diese auch richtig läuft, wenn sie gelebt wird und nicht nur auf dem Papier steht. Wenn die Rahmenbedingungen geschaffen sind und das Kind wieder im Vordergrund steht.     Ja, zu viele „Wenn“- Sätze…..  Der Alltag ist anders! Der Alltag an der Förderschule ist wie unsere Schüler-  jeden Tag anders, laut, wild, persönlich. …

Mein Leben mit dem Besonderen #21 Sophia

Ich bin 30 Jahre alt, habe einen tollen Mann und zwei gesunde Kinder. Einen Sohn mit 5 und eine Tochter mit 2. Wir sind also eine ganz normale „0815-Familie“ mit ihren, zum Glück, normalen Höhen und Tiefen. Aber, eigentlich habe ich nicht zwei Kinder, ich habe drei! Ich war dreimal schwanger und ich habe drei Kinder unter Schmerzen zur Welt gebracht. Nur zwei dürfen mich an meiner Hand begleiten, das dritte, Sophia, lebt im Stillen in meinem Herzen. Es war 2007, ich war gerade 23 Jahre alt, beschlossen mein Mann und ich (damals war er noch mein Freund) mit der Familienplanung zu beginnen. Nach kurzer Zeit war ich dann auch wirklich schwanger. In den ersten Wochen war alles in Ordnung, das Baby wuchs und ich habe mir in meiner jungen Unbefangenheit überhaupt keine Sorgen gemacht. Von Nackenfaltenmessung, Feindiagnostik, Fruchtwasseruntersuchung habe ich nie etwas gehört oder gelesen. Dass dieses Kind in meinem Bauch nicht gesund sein könnte, habe ich einfach nicht bedacht. Dann war ich endlich in der 20. Woche, Halbzeit. Ich hatte einen normalen Vorsorgetermin …

Mein Leben mit dem Besonderen #20 Das Leben mit all seinen Facetten

Mein Sohn mit DS kam vor guten 4 Jahren zur Welt… Mein Mann und ich waren 5 Jahre zusammen, sehr verliebt und wir wünschten uns ein Kind! Und nach etwa 3 Monaten hielten wir voller Glück einen positiven Schwangerschaftstest in Händen. Ich ging zu den Vorsorgeterminen und wir posaunten es in die Welt hinaus! Beim Termin in der 12. Woche kam mein Mann mit zum Arzt, er sollte unbedingt auch sehen, wie unser Krümel im Ultraschall aussieht, wie man Bewegungen sieht und sowas eben. Wir waren ganz freudig aufgeregt!! Als der Arzt geschallt hat, kam dann ein komisches Gefühl in mir auf, weil es mich gewundert hat, dass er so komische Ausschnitte des Ultraschalls ausgedruckt hat und nix geredet hat. Mein Mann wusste ja nicht, wie das die Male zuvor war und beim Anziehen sagte ich noch zu ihm, dass das nun doof sei, dass da gar kein so ’nettes‘ Bild dabei sei. Wir sind rüber ins Sprechzimmer und plötzlich fielen bei diesem ’12.Woche, wenn alles ok, dann könnt ihrs aller Welt erzählen‘-Termin Worte wie …

Mein Leben mit dem Besonderen #19 Emma

Bevor ich jetzt unsere Geschichte erzähle, möchte ich mich aus tiefstem Herzen bei Katharina bedanken. Danke dafür, dass Du diese Freitags-Rubrik ins Leben gerufen hast! Danke dafür, dass Du mit dem Blog Sonea Sonnenschein schon ganz viel dazu beigetragen hast, Berührungsängste zum Thema Down Syndrom abzubauen. Danke für die vielen Einblicke in Euer Familienleben – und das nicht nur, wenn der Sonnenschein seinem Namen alle Ehre macht. Danke aber auch an René, der mit seinen wunderschönen Bildern, den Sonnenschein, das Löwenkind und auch immer mehr die Sonnenschein-Mama strahlen lässt. Und last but not least – DANKE für die Herzens-Freundschaft, die ohne unsere beiden besonderen Mädels wahrscheinlich nie entstanden wäre! Ich bin Barbara – Mama von Emma, die 2009 mit dem Down-Syndrom zur Welt kam. Unsere besondere Geschichte beginnt da, wo viele Geschichten leider schon während der Schwangerschaft enden. Das Glück war riesig, als sich herausstellte, dass aus dem Leben zu zweit eine Familie werden sollte! Schwanger! Mit 37 Jahren! Unser absolutes Wunschkind machte sich auf den Weg zu uns! Zu Ostern „versteckten“ wir ein großes …

Mein Leben mit dem Besonderen #18 ADHS

Hallo Katharina, ich heiße Monique bin 29 Jahre jung und Mutter eines besonderen Kindes. Bitte versteh mich nicht falsch, jedes Kind ist besonders, nur meines entspricht auch nicht der „Norm“. Auch wenn rein äußerlich nichts zu sehen ist, haben wir eine besondere Geschichte. Ich habe lange überlegt, ob ich das so öffentlich kundgebe. Sehe es aber auch als Möglichkeit, anderen Eltern die Angst zu nehmen. Auch wenn unsere Geschichte und die dadurch verbundene Diagnose durch die Medien sehr bekannt ist und bestimmt auch einiges als fehlerhafte Erziehung gelten kann, ist es trotzdem ein Problem das mich jeden Tag vor Aufgaben stellt die mich an Grenzen bringen. Fangen wir mit mir an. Ich bin auch „besonders“. Mein Leben ist gespickt mit Krankheiten und Klinikaufenthalten. Schmerzen die körperlicher sowie seelischer Natur sind. Aber genau das hilft mir gerade weiter. Hat es mich doch sensibilisiert anders hinzusehen. Bei meinem Sohn geht’s um das leidige Thema ADHS gepaart mit Bindungsstörung und Entwicklungsverzögerung im sozialen und emotionalen Bereich. Das alles garniert mit dem typischen Rattenschwanz an Sorgen, Ängsten und Problemen. …