Autor: Sonea Sonnenschein

Spaziergespräche #2 Peinlich

Simon* hört ein Lied einmal und kann den Text sofort auswendig mitsingen. Es ist jedes Mal verblüffend. Natürlich gibt es schon mal an der einen oder anderen Stelle kleine Abwandlungen und freie Interpretationen. Besonders interessant wird es dann bei englischsprachigen Liedern. Wenn der Sohn also einen Ohrwurm von dem 80er Jahre Kracher „Maniac“ hat (und das passiert in letzter Zeit häufiger… an uns liegt das aber nicht), klingt das in etwa so „Hiiis a Miiiiiinion, Miiiiiinion, ei doko!“. Am Text hapert es, aber die Melodie ist unverkennbar. Neulich bei unserer morgendlichen Spazierrunde fing Simon dann an zu singen „This is the way we say hello, say hello, say hello… early in the morning…“ und ich war doch ein bisschen verblüfft über das, zur Abwechslung mal völlig akzentfreie, fließende Englisch meines Sohnes. „Na Mama, was ist das für eine Sprache?“. Natürlich ließ ich mich erst einmal auf ein kleines Ratespielchen ein und fragte „Hmmmm… Italienisch?“, „Falsch!“, „Französisch?“, „Neeeeiiiiin!“, „Dann… vielleicht Englisch?“. „Nein Mama, ich sag Dir welche Sprache das ist: Peinlich!“. Sollte ich in nächster Zeit versehentlich …

Eine magische Ferienzeit

Kinder sind kleine, magische Wesen und im Urlaub verwandeln sie sich gerne mal in kleine Monster und Hexen. Ganz besonders an Regentagen kann man diesen Verwandlungsprozess förmlich zischen und knistern hören. Meistens ist er mit viel Geschrei und Streitereien verbunden. Manchmal gelingt es einem aber diese kleinen magischen Wesen bereits einzufangen, wenn es leicht anfängt zu brodeln. Ein Hexenhut und ein bisschen magisches Werkzeug wirken da wahre Wunder. Besonders an Regentagen, von denen dieser Sommer einige zu bieten hat. Im Harry Potter Alter sind wir noch nicht angekommen, aber die kleine freche Bibi Blocksberg hext hier schon eine ganze Weile rum. Und mit ihr mein Sonnenschein, die binnen Sekunden zur  Gewitterhexe mutieren kann… hex hex. Ich liebe das magische Denken meiner Kinder. Normalerweise hört das ja meistens mit dem Schulalter auf, aber Sonea hat dieses Denken noch nicht abgelegt und der Löwe, der immer alles kritisch hinterfragt, lässt zumindest uns im Glauben, dass er an die Zahnfee, den Weihnachtsmann und den Osterhasen glaubt. „Aber Mama, ich sag das nur, weil eigentlich weiß ich ja, dass …

An einem Tag um die Welt

Erst einmal möchte ich mich im Namen unseres kleinen Superlöwens für die zahlreichen Glückwünsche bedanken. Ich habe sie ihm fast alle vorgelesen und er hat sich riesig gefreut, dass so viele Menschen ihm zu seinem Ehrentag gratulieren. Nachdem der Tag gestern viel zu früh für uns alle angefing, weil Sonea um 5.30 Uhr beschlossen hatte, dass das Geburtstagskind nun endlich seine Geschenke auspacken muss… .., kamen wir auch zeitig los, um zu unserem Überraschungsausflug zu fahren. Auch, wenn es nicht wie gewünscht das Aquarium war und auch obwohl es nicht, wie lange überlegt das Irrland war, war es dennoch ein voller Erfolg. Denn es durften nicht nur alle fünf Familienmitglieder mit, sondern es gab ohne Ende Tiere zu bestaunen und das fand der Löwe richtig cool. Unser Ausflug führte uns nach Gelsenkirchen in die Zoom Erlebniswelt. Meine Kinder lieben Zoobesuche. Für mich ist der Besuch immer zwiegespalten, denn ich sehe jedes Mal eingesperrte Tiere, die von schaulustigen Menschen begafft werden. Auch wenn Zoos viel für die Erhaltung von Tierarten tun, fühlt es sich für mich nicht …

Löwe 5.0

Fünf Jahre ist es nun her, dass Deine Neugierde auf diese Welt so groß wurde und Du zweieinhalb Wochen eher als erwartet und in einem rasanten Tempo auf die Welt kamst. Die Neugierde auf die Welt und das Leben ist geblieben. Deine Fragen bringen mich oft an meine Grenzen. Wie gut, dass es Google gibt, der mir schon einige Male aus der Patsche geholfen und Deine Fragen zuverlässig beantwortet hat. Du interessierst Dich vor allem für die Natur und seine Lebewesen und liebst es den ganzen Tag draußen zu verbringen. Es gibt keinen Käfer, keine Schnecke, kein Regenwurm oder Frosch, der nicht Dein Interesse weckt. Und dann fängst Du an Deine Fragen zu stellen „Gibt es auch giftige Regenwürmer?“, „Was fressen Regenwürmer“ und „Sind Regenwürmer auch nachtaktiv?“. Du lässt Dir inzwischen begeistert Sachbücher vorlesen und magst kleine, kindgerechte Sachfilme im Fernsehen. Neben Superhelden. Die sind aktuell Deine zweite Leidenschaft und Helden, denn Du hast einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und später möchtest Du unbedingt Polizist werden. Deine Empathie ist Deine große Stärke, aber Deine Sensibilität auch manchmal …

Spaziergespräche #1

Ich liebe die Spaziergänge mit meinem Sohn. Sie nehmen so viel Tempo aus unserem Alltag, räumen den Kopf auf und geben uns ein paar ungestörte Minuten Zeit über grundliegende Dinge zu sprechen. Und es geht einfach nichts über ein tief philosophisches Gespräch mit einem fast Fünfjährigen. Sohn: „Mama, ich möchte nicht mehr Vincent heißen“. Ich: „Also ich finde, Vincent ist ein sehr schöner Name. Wie möchtest Du denn lieber heißen?“. S.: „Ich möchte Julian heißen. Oder Simon. Simon möchte ich heißen!“. I.: „Und was gefällt Dir an Vincent nicht?“. S.: „Ich mag es nicht, wenn man mich Vinni nennt!“. I.: „Hmmm… wegen der Würstchenkette, oder?“. S.: „Ja, das finde ich echt doof“. I.: „Ja, das glaube ich Dir. Aber weißt Du was wirklich doof ist? Wenn Du Simon heißt und alle nennen Dich Simone, um Dich zu ärgern. Oder Julia, statt Julian. Das ist wirklich doof!“. … Wenn Du nicht Vinni genannt werden möchtest, ist das in Ordnung. Das kannst Du sagen und dann einfach nicht darauf reagieren, wenn man Dich aus Versehen doch so nennt. … …

Mein Leben mit dem Besonderen #105 Von einem anderen Stern

Heute möchte ich euch ein paar Dinge über hochsensible Menschen erzählen. Ich tue dies, weil ca. 15 % – 20 % aller Menschen hochsensibel sind, und doch viele nicht wissen, dass es diese „Hochsensibilität“ gibt. Mache wissen gar nicht, dass sie selbst betroffen sind, haben aber seit Kindheit an das Gefühl, „von einem anderen Stern“ zu kommen. Auch ich habe erst durch meine Kinder, die ebenfalls hochsensibel sind, als Erwachsene verstanden was mit mir los ist. Aber nun von Anfang an: Kennt ihr das, wenn ihr immer wieder zu hören bekommt man solle doch nicht so empfindlich, nicht so eine Heulsuse sein und sich nicht immer alles so zu Herzen nehmen? Dann herzlich willkommen in meiner Welt! Schon als Kind hieß es oft, ich sei so verträumt und verspielt, bräuchte halt ein bisschen länger für alles. Tiere und kleine Kinder mochte ich schon immer sehr gerne, und wenn es jemand anderem nicht gut ging konnte ich extrem mitleiden, war sehr betroffen. Auf der anderen Seite konnte ich auch ein äußerst fröhliches, ausgelassenes Kind sein – …

Angsthase Pfeffernase

Vor einigen Wochen waren wir zusammen mit ein paar anderen Bloggern im Phantasialand eingeladen. Ich freute mich sehr darauf, denn auch wenn wir es nicht weit dorthin haben, war es das erste Mal für uns als Familie und das erste Mal für mich seit 16 Jahren. Früher habe ich das geliebt! Da konnte keine Achterbahn zu schnell, kein Looping zu viel und der Freefalltower nicht hoch genug sein. Dann wurde ich Mama und alles änderte sich. Grundliegend. Ich weiß nicht was genau passiert ist, aber plötzlich war alles anders. Unseren Ausflug ins Phantasialand konnte ich nur bedingt genießen und auf die letzte Fahrt mit der Wildwasserbahn, verzichtete ich großzügig. Hauptsache die Kinder hatten Spaß und das hatten sie. Vor einigen Tagen stand ich dann nachts vor dem Abgrund einer solchen Wildwasserbahn. Einer riesigen Wasserrutsche, die durch einen dunklen Tunnel steil nach unten führte. Es gab keine Treppe nach unten, die mir die Fahrt ersparte. Ich hatte nur die Möglichkeit in einem von zwei Abgründen zu springen. Panik. Doch zum Glück war es nur ein fieser Traum. …

Unsere Familienwoche in Büsum

Warum wohnen wir eigentlich nicht am Meer? Die Frage habe ich mir in den vergangenen Wochen einige Male gestellt und dabei tief durchgeatmet. Ich weiß, dass es früher mal im Raum stand, dass meine Eltern mit uns Kindern nach Flensburg ziehen wollten. Oft habe ich mich gefragt wie das wohl gewesen wäre. Im hohen Norden, mit den Großeltern nicht ganz so weit entfernt und immer einer frischen Brise um die Nase wehend. Heute kann ich mir das gar nicht so richtig vorstellen, denn ich bin viel zu sehr Rheinländerin und der Gedanke an einen Umzug in ein anderes (Bundes)land löst schnell Panik in mir aus. Die Jahre, die ich im Ruhrpott gelebt habe, waren schon deutlich zu weit entfernt von meiner Heimat und die Unterschiede in der Mentalität und dem Humor gaben mir oft ein unsicheres, fremdes Gefühl. Vor gut zweieinhalb Wochen waren wir für eine kurze Familienwoche in Büsum. Frische Luft tanken, im wahrsten Sinne, und Urlaub machen, bevor die Ferienzeit zu horrend unverschämten Preisen und Tarifen losgeht. Ein sehr freudiges Familienereignis führte uns …

Mein Leben mit dem Besonderen #104 Vom Scheitern und Kämpfen um die Inklusion

Hallo, vielleicht erinnert sich noch jemand an uns. Ich hatte mal über meine Tochter berichtet, die recht überraschend mit Spina bifida, Hydrozephalus und Klumpfüßen auf die Welt kam. Mittlerweile ist sie 6,5 Jahre alt und wird nach den Sommerferien eingeschult. 2016 hatten wir „ein bisschen Pech“. Ende Mai, als es so heiß war, zeichnete sich immer deutlicher ab, dass mit ihrem Shunt (Hirnkatheter zur Ableitung von Flüssigkeit) etwas nicht stimmen könnte. Sie klagte über Kopfschmerzen, schlief mehr als sonst und wollte sich schließlich gar nicht mehr aufrecht halten. Sogar gegessen und getrunken hat sie im Liegen. Ein typisches Anzeichen von Überdrainage. Nach zwei stationären Krankenhausnächten wurden wir zunächst noch einmal nach Hause geschickt mit der Hausaufgabe, noch mehr zu trinken, aber es half alles nichts – das Shunt-Ventil musste getauscht werden. Mitte Juni schließlich war es dann so weit. Die Maus hat alles gut überstanden und war fast sofort wieder fit und auch endlich wieder „ganz die Alte“. Bis September kamen noch Termine zum Entfernen des Nahtmaterials und postoperative Kontrollen – dann war das Thema …

Ein kleiner Nachtgruß von der Nachtwiese

Was für ein Tag! Wahrscheinich bin ich heute die Letzte bei RUMS. Aber erstmal die Kinder ins Bett kriegen. Das ist gerade die größte Herausforderung des Tages. Sonea hat sich bereits in der Schule munter geschlafen und holt wohl gerade den Schlaf nach, der ihr in der vergangenen Woche nachts gefehlt hat. Sommer unterm Dach und die pure Aufregung. Denn wir haben da ja ein neues Familienmitglied. Im Prinzip läuft unser Alltag ganz normal weiter. Außer, dass wir vielleicht ein bisschen mehr Zeit an der frischen Luft verbringen. Und der Löwe morgens mit mir diskutiert, weil er nicht in die Kita gehen möchte (er könnte ja etwas verpassen). Oder er feilscht mit mir herum, dass ich ihn nach dem Frühstück abholen soll. Zum Glück einigen wir uns meistens auf „nach der Obstrunde“. So ziehen die Tage ins Land und abends bin ich dann zu müde all das zu verbloggen. Oder aber ich habe gar keine Lust drauf. Weil ich froh bin, wenn sie endlich schlafen und ich meine Ruhe habe. Wir waren im Urlaub. Eine …