Neueste Artikel

Unsere Familienwoche in Büsum

Warum wohnen wir eigentlich nicht am Meer? Die Frage habe ich mir in den vergangenen Wochen einige Male gestellt und dabei tief durchgeatmet.

Ich weiß, dass es früher mal im Raum stand, dass meine Eltern mit uns Kindern nach Flensburg ziehen wollten. Oft habe ich mich gefragt wie das wohl gewesen wäre. Im hohen Norden, mit den Großeltern nicht ganz so weit entfernt und immer einer frischen Brise um die Nase wehend.

Heute kann ich mir das gar nicht so richtig vorstellen, denn ich bin viel zu sehr Rheinländerin und der Gedanke an einen Umzug in ein anderes (Bundes)land löst schnell Panik in mir aus.

Die Jahre, die ich im Ruhrpott gelebt habe, waren schon deutlich zu weit entfernt von meiner Heimat und die Unterschiede in der Mentalität und dem Humor gaben mir oft ein unsicheres, fremdes Gefühl.

Vor gut zweieinhalb Wochen waren wir für eine kurze Familienwoche in Büsum. Frische Luft tanken, im wahrsten Sinne, und Urlaub machen, bevor die Ferienzeit zu horrend unverschämten Preisen und Tarifen losgeht. Ein sehr freudiges Familienereignis führte uns in den kalten Norden und an die Nordsee. Aber auch, wenn das Wetter so gar nicht auf Sommer eingestimmt war, tat uns diese Woche allen vieren sehr gut. Es war ein tiefes Durchatmen und ein kleiner Tapetenwechsel. Eine winzige Auszeit bevor unser Leben sich grundliegend und doch nur ein kleines bisschen verändern sollte.

Eine Woche Büsum mit viel Nordseeluft, dem Watt unter den Füßen und Fisch als Hauptnahrungsmittel. Ich glaube, das hat uns allen sehr gut getan, auch wenn die Kinder nicht wirklich Gefallen an dem Geschmack von Krabben finden konnten und selbst die Kartoffelsuppe nicht das war, was sie ursprünglich als solche erwarten.

Natürlich hatten wir viel zu viel Gepäck dabei. Ich glaube, wir hätten mindestens für einen Monat verreisen können. Die Wetterprognose war alles andere als sommerlich, ich dagegen umso optimistischer. Beim Wetter am Meer weiß man nie! Also packte ich die Koffer so, dass ein bisschen für jede Wetterlage vertreten war. Aber viel spannender war letztendlich zu sehen was die Kinder so in ihre Koffer packen würden. Die Trunkies der Kinder durften auf unserer Reise natürlich nicht fehlen und jedes Kind durfte so viel Spielzeug mitnehmen, wie in den jeweiligen Trunkie passt.

Da bei Sonea sich noch ein paar Hausaufgaben dazu gesellten, durfte sie noch zwei Sachen mitnehmen, die keinen Platz im Koffer fanden (und letztendlich auch gar nicht bespielt wurden).

Den Grüffelo-Trunkie und den Einhorn-Trunkie findet Ihr hier.

Ich bin ja so ein Last-Minute Kofferpacker. Zwar schaue ich, dass ich die Woche vorher sämtliche Wäsche frisch gewaschen habe und alles da habe, was ich brauche. Aber die Koffer werden immer in einer Nacht und Nebel Aktion kurz vor Reisebeginn gepackt. Immer. Koffer auspacken mag ich übrigens gar nicht irgendwie.

Wenn uns nicht ein schönes Familienereignis nach Büsum geführt hätte, wäre es uns womöglich gar nicht in den Sinn gekommen dort einmal Urlaub zu machen. Wir sehnen uns viel mehr zurück nach Mallorca, wünschen uns einmal einen völlig chaotischen und unbeschwerten Italienurlaub oder aber Fanø. Eigentlich wollten wir bereits letztes Jahr endlich wieder auf unsere kleine Lieblingsinsel.

Auf einer Insel waren Herr Sonnenschein und der Löwe auch. Denn an unserem letzten Urlaubstag, machten die beiden Helgoland unsicher. Ein reiner Papa-Sohn Ausflug. Sonea und ich verbrachten dafür den letzten Tag ein bisschen am Meer, ein bisschen in der Ferienwohnung und ein bisschen in der Fußgängerzone und in diversen Geschäften. Alles fußläufig und ohne Kilometermarsch erreichbar. Auf jeden Fall gingen wir vorab davon aus, dass Sonea an drei Stunden Schiffsfahrt (mit seeehr viel Seegang) und einem vierstündigen Inselspaziergang keine Freude gehabt hätte.

Wer einmal an einem ganz besonderen Ort essen gehen möchte, dem empfehlen wir Kolles Alten Muschelsaal. Wir waren zunächst unsicher, ob ein Restaurant, mit Muschelwänden ein entspannter Ort für ein Dinner mit Kindern ist, aber wurden mehr als angenehm überrascht, denn das Personal war unglaublich kinderfreundlich. Es gab sogar eine extra Speise- und Getränkekarte für Kinder (ich weiß nicht wieviel Schlumpfbrause die beiden an jenem Abend getrunken haben) und die Spielzeugkiste des Restaurants war natürlich auch viel spannender als meine mitgebrachte „Langweiletasche“.

Ich würde sagen, Büsum ist vor allem für Leute mit Atemwegserkrankungen perfekt, weshalb man vor allem älteren Leuten begegnet. Ja, die Luft war für uns Großstädter wirklich traumhaft. Aber auch sehr kinderfreundlich ist die Stadt und es gibt zahlreiche und wirklich kreative Spielplätze, die unsere Kinder ausgiebig bespielt haben. Unser Favorit war natürlich die Familienlagune mit der Perlenbucht. Es war einfach schön die Kinder ausgelassen spielen zu sehen und irgendwann mit völlig verdreckten, aber glücklichen Kindern zurück zu laufen.

Wer einen pauschalen Strandurlaub plant, ist in Büsum natürlich ganz schlecht aufgehoben. Es gibt Watt, sehr viel Watt, matschigen Watt und dann gibt es Wiesen mit Strandkörben. Aber am besten ist die reine Luft. Die vermisse ich hier.

Nur besonders hundefreundlich ist Büsum nicht, weshalb man uns möglicherweise nicht so schnell dort wieder sehen wird.

Wir wünschen allen Schulkindern einen grandiosen Start in eine coole Ferienzeit!

 

 

Mein Leben mit dem Besonderen #104 Vom Scheitern und Kämpfen um die Inklusion

Hallo, vielleicht erinnert sich noch jemand an uns. Ich hatte mal über meine Tochter berichtet, die recht überraschend mit Spina bifida, Hydrozephalus und Klumpfüßen auf die Welt kam.

Mittlerweile ist sie 6,5 Jahre alt und wird nach den Sommerferien eingeschult. 2016 hatten wir „ein bisschen Pech“. Ende Mai, als es so heiß war, zeichnete sich immer deutlicher ab, dass mit ihrem Shunt (Hirnkatheter zur Ableitung von Flüssigkeit) etwas nicht stimmen könnte. Sie klagte über Kopfschmerzen, schlief mehr als sonst und wollte sich schließlich gar nicht mehr aufrecht halten. Sogar gegessen und getrunken hat sie im Liegen. Ein typisches Anzeichen von Überdrainage. Nach zwei stationären Krankenhausnächten wurden wir zunächst noch einmal nach Hause geschickt mit der Hausaufgabe, noch mehr zu trinken, aber es half alles nichts – das Shunt-Ventil musste getauscht werden. Mitte Juni schließlich war es dann so weit. Die Maus hat alles gut überstanden und war fast sofort wieder fit und auch endlich wieder „ganz die Alte“. Bis September kamen noch Termine zum Entfernen des Nahtmaterials und postoperative Kontrollen – dann war das Thema schon fast wieder vergessen. Die Haare wuchsen auch fleißig nach.

Im Oktober dann, bei einer Routinekontrolle beim Orthopäden, der nächste Schock. Drei Ermüdungsbrüche an den Zehen auf beide Füße verteilt – wenn schon, denn schon. Da wir in wenigen Tagen in den Urlaub fahren wollten und der kleine Bruder obendrein ein schlimm verletztes Auge durch einen Unfall im Kindergarten hatte (und selber fast hätte operiert werden müssen), schickte der Orthopäde uns erstmal ohne OP-Termin nach Hause, um zunächst Kraft zu tanken. An Entspannung und Erholung war natürlich im Urlaub nicht zu denken. Ende November, eine Woche vor Mausis 6. Geburtstag, war es dann so weit. Nächster Check-in in einer Klinik. In aller Herrgottsfrühe wurden wir geweckt, dann ging es recht zügig los. Im Gegensatz zu unserer Kinderklinik durfte ich leider bei der Narkose nicht dabeibleiben, aber die Maus war tapfer. Nach endlosen fast 5 Stunden kam sie endlich aus dem OP zurück. Man hatte uns Bescheid gegeben, so dass wir vor dem Aufwachraum schon auf sie gewartet haben. Zum Glück musste sie nicht beatmet werden. Ansprechbar war sie aber kaum. Sie fing recht zügig an zu brechen und konnte mir immerhin noch mitteilen, dass sie Pipi muss. Da sie ein Inkontinenzmedikament bekommt, muss sie alle 4 Stunden katheterisiert werden. Vor der OP hatte ich mehrfach darauf hingewiesen, dass sie einen Blasenkatheter benötigt, wenn sie intravenös unter der OP Flüssigkeit bekommt. Leider wurde das vergessen, so dass das arme Kind sich schon wer weiß wie lange gequält hatte. Ich rannte also 4 Etagen hoch in unser Zimmer, um unser Katheter-Zubehör zu holen und flog wieder nach unten, um das arme Kind zu erlösen. Sie kam recht schnell wieder auf Station, war aber bis spät abends kaum ansprechbar. Beide Beine waren bis unter die Knie dick eingegipst, Drähte und Drainagen ragten heraus – es hieß „cool bleiben“. Ende der Woche durften wir auf mein Drängen hin nach Hause. Ich musste schließlich noch Mausis Geburtstag vorbereiten. Es folgten vier endlose Wochen im Rollstuhl, die die Mausi schließlich zermürbten. Auch, wenn sie sich nie beschwerte, so sah man ihr doch deutlich an, wie unglücklich sie oft war. Der Kindergarten fehlte ihr, und Vieles, das vorher selbstverständlich war, war jetzt wegen der Immobilität schwer oder gar nicht umzusetzen. Wir freuten uns regelrecht auf den Termin, an dem die Drähte gezogen werden sollten. Als es vermeintlich so weit war, zeigte das Röntgenbild jedoch, dass wir das lieber noch verschieben sollten. Leider hatte ich bei unserem Orthopädie-Menschen schon einen Termin für Gipsabdrücke für die neuen Orthesen ausgemacht, den wir dann auch wahrnahmen. Verband ab, Frischhaltefolie um die Füße und Beine und losgegipst. Eine halbe Woche später durften die Drähte nach einem weiteren Röntgenbild dann endlich raus. Schließlich stand Weihnachten schon unmittelbar vor der Tür, und man war ja dankbar für jede Infektionsquelle weniger. Auch an diesem Termin war die Mausi tapfer. Ich habe ihr gut zugeredet, der Papa hat die Beine fixiert, und der Oberarzt hat gezogen. Da bei uns ja selten was auf Anhieb klappt, war einer der Drähte natürlich hartnäckig und schwer zu ziehen. Der Ruck ging durchs ganze Kind, aber nach ihrer eigenen Aussage tat es nicht weh (das hatte der Arzt zuvor auch versprochen). Ganz knapp vor Weihnachten konnten wir die Gipsschienen endlich in die Tonne kloppen und die neuen Orthesen abholen. Ich weiß nicht, wer vor dem ersten Stehversuch mehr Angst hatte – die Mausi oder ich. Die Mausi hatte Angst, dass sie sich sofort wieder was bricht, und ich hatte Angst, weil ich nicht wusste, ob sie durch die vier Wochen im Rollstuhl überhaupt noch in der Lage sein würde, auf eigenen Beinen zustehen. Denn natürlich hatten die eh schon kaum vorhandenen Muskeln noch weiter abgenommen. Doch es klappte. Als wir schließlich zu Hause waren, musste ich sie regelrecht bremsen, damit sie wirklich langsam wieder anfängt. Der Orthopäde hatte gesagt, wir müssten mit Entzündungen rechnen, da die neue Knochensituation in den Füßen (auch die Sichelfußstellung war behoben worden, deshalb hatte die OP auch so lange gedauert) natürlich auch für Mausis Körper neu und ungewohnt sei und die Füße mit einer Entzündung reagieren könnten. Trotzdem: der Rolli musste in den Keller – Mausi „wollte ihn nicht mehr sehen“! Auch die Unterarmgehhilfen waren eher störend als hilfreich und flogen direkt hinterher.

Seit ein paar Wochen ist die postoperative Behandlung abgeschlossen. Wir mussten über Monate regelmäßig zum Röntgen und zur Kontrolle, und nun ist endlich auch die letzte Kerbe im Knochen zugewachsen. Bald sind die neuen Orthesen fertig, die dem Fuß auch wieder mehr Dynamik erlauben.

Theoretisch könnten wir mal aufatmen.

Praktisch sieht es so aus, dass ich mich permanent mit den Widrigkeiten, die Mausis Einschränkungen mit sich bringen, herumschlagen muss. Ich möchte eines vorwegnehmen: ich bin nicht verbittert – ich fühle mich nur oft von meinen Mitmenschen unverstanden. Und ich frage mich oft, ob mir überhaupt mal jemand zugehört hat in den letzten Jahren. Ob es wirklich jemanden interessiert, warum bei Mausi manche Dinge sind, wie sie sind. Es folgen einige Beispiele.

In der Kita hat meine Tochter eine Integrationshelferin. Leider darf diese weder katheterisieren, noch Medikamente verabreichen. Parallel kommt also einmal täglich ein ambulanter Pflegedienst in die Kita. Soweit, so gut. WENN meine Tochter nicht vor oder nach dem Einsatz des Pflegedienstes Pipi muss. Das kommt aber immer mal wieder vor, so dass ich angerufen werde und zur Kita rase, um sie zu katheterisieren. Oder aber, ich komme zur Abholzeit hin und sie klammert sich mit glasigen Augen an mich und weint fast, so voll ist ihre Blase – aber sie hat’s keinem gesagt. Und: WENN kein Ausflug ansteht. Doch als Vorschulkind macht man zahlreiche Ausflüge, die oft auch viele Stunden dauern. Das heißt: Mama muss mit, falls das Kind mal muss. Je nach Entfernung des Ausflugsziels fahre ich sie hin, verdufte wieder und hole sie wieder ab. Oder aber, so wie heute, ist es zu weit weg, so dass ich nun in der Warteecke einer großen Bäckerei sitze und knapp drei Stunden vertrödeln muss. Denn dabei haben möchte man mich offenbar auch nicht. Aussagen wie „wir können nicht mit so vielen Erwachsenen da durchlatschen“ sind, glaube ich, nicht miss zu verstehen. Das Angebot des freundlichen Bäckers, mit durch den Betrieb zu gehen, habe ich abgelehnt. Ich hatte mir vorgenommen, die Zeit zum Telefonieren und Organisieren zu nutzen, womit wir beim nächsten Thema wären: Integrationsfachkraft für die Schule.

Beantragung, Hilfeplankonferenz und Gespräch mit einem Schulbegleitdienst habe ich bereits hinter mir. Nun gilt es, bis zu den Sommerferien eine geeignete Kraft zu finden. Dank Vorschlag vom Amt habe ich eine Fachkraft beantragt, d.h. eine Krankenschwester oder Pflegefachkraft, die auch katheterisieren darf. Ich möchte in der Schule jemanden haben, der meine Tochter in allen Belangen betreuen kann – sonst bringt es einfach nichts. Wie soll sie jemals Mamas Rockzipfel loslassen, wenn ich bei jedem Ausflug dabei bin? Was ist, wenn ich mal krank werde oder wegen des kleineren Bruders nicht kommen kann? Wenn ich doch mal wieder einem Beruf nachgehe? Dann muss es laufen – auch ohne mich. Und wenn man möchte, dass etwas läuft, kümmert man sich am besten selber.

Somit bin ich nun – parallel zum Schulbegleitdienst – auf der Suche nach einer Integrationsfachkraft für meine Tochter. Dank vieler Connections habe ich zahlreiche Tipps bekommen, wo ich es mal versuchen könnte, und ich hoffe, dass wir es bis zum Ferienbeginn schaffen.

Was die Schule betrifft muss ich sagen: ich habe mich selten so verstanden gefühlt. Dort arbeitet man mit Hochdruck daran, dass ab dem 1. Schultag alles so perfekt läuft, dass meine Tochter in Ruhe ankommen und sich wohlfühlen kann. Sie wird einen eigenen Toilettenraum bekommen, wo wir unser ganzes Zeug stehen lassen können. Die Schule hätte auch kein Problem damit, dass ich bei Ausflügen und Klassenfahrten dabei wäre. Im Gegenteil, ich musste mich sogar dazu verpflichten für den Fall, dass diese Situationen sich nicht anders lösen lassen. Dort stehen das Wohl und das Wohlfühlen des Kindes im Vordergrund. Dort vermittelt man mir nicht das Gefühl, eine Helikopter-Mutter zu sein. Und die bin ich auch nicht. Leider lassen mir die Unzuverlässigkeit und die Unfähigkeit anderer Menschen oft keine andere Wahl, als mich selbst um alles zu kümmern. Dann wären auch nicht zweimal die Orthesen kaputt gewesen. Dann wäre meine Tochter nicht diverse Male mit einer randvollen Blase herumgelaufen. Das könnte ich jetzt noch endlos zu weiterführen.

Ich bin so oft enttäuscht. Von der Freundin, die schon kurz nach Mausis Geburt gesagt hat „Ach, Du brauchst mir das gar nicht zu erklären, ich habe von den ganzen Begriffen eh keine Ahnung“. Von einer anderen Freundin, die den Kindergeburtstag ihres Sohnes grundsätzlich in einer Bällebad-/Trampolin-/Kletter-Hölle feiert und meine Tochter jedes Jahr aufs Neue einlädt. Von wieder einer anderen Freundin, die den Kindergeburtstag ihres Sohnes „ohne Elternbegleitung“ feiert, obwohl ihr Sohn dieselbe Behinderung hat und sie weiß, dass ich ggf. katheterisieren muss. Von Fragen wie „Müssen Sie denn wirklich in der Jugendherberge übernachten oder können Sie abends und morgens zum Kathetern kommen?“. Von Aussagen wie „Das schafft Ihre Tochter nicht zu Fuß, das müssen wir anders regeln.“ Da erinnere ich mich gerne auch an den Kita-Start. Anfangs kam die Mausi montags nicht, weil wir da noch vormittags Physiotherapie hatten. Eines Montags wollte sie aber unbedingt noch in die Kita gehen. Als ich sie brachte, wurden wir völlig entsetzt angeguckt. Die Gruppe wollte nämlich gerade zu Fuß zur Bücherei aufbrechen, und wir hatten ja jetzt kein Dreirad oder Bollerwagen dabei. Mit dem gehbehinderten Kind hatte man ja nicht gerechnet und wollte die Gelegenheit direkt für einen kleinen Ausflug nutzen. Das tut weh. Ich habe meine Tochter wieder eingepackt und bin mit ihr nach Hause gefahren. Und von solchen Anekdoten gibt es viele, das kann ich Euch sagen.

Ich weiß nicht, was mehr weh tut. Von Menschen aus dem privaten Umfeld so enttäuscht zu werden oder von – ich nenne es mal – offizieller Seite. Wenn die Enttäuschungen sich dann häufen, steigere ich mich so da rein, dass es schnell in Wut umschlägt. Und dann wächst kein Gras mehr. Aber möchte man das? Muss das sein? Inklusion ist für mich jedenfalls nur ein Witz. Ein schlechter Witz. Und total gescheitert.

Auf ein Neues in der Schule – ich werde berichten!

An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an meine Familie fürs Immer-Dasein und Immer-Unterstützen. Gleiches gilt für die vielen lieben Menschen aus dem medizinischen Bereich, die wir in Kliniken und Arztpraxen kennen- und schätzen gelernt haben – Ihr wisst, dass ich Euch meine 😉

Danke fürs Lesen…

P.S.: Der freundliche Bäcker hat mich später übrigens nochmal gefragt, ob ich zum Schlussteil nicht doch mitkommen möchte – und das habe ich sehr gerne (und ein bisschen schadenfroh) dann auch getan…

Ein kleiner Nachtgruß von der Nachtwiese

Was für ein Tag! Wahrscheinich bin ich heute die Letzte bei RUMS. Aber erstmal die Kinder ins Bett kriegen. Das ist gerade die größte Herausforderung des Tages.

Sonea hat sich bereits in der Schule munter geschlafen und holt wohl gerade den Schlaf nach, der ihr in der vergangenen Woche nachts gefehlt hat. Sommer unterm Dach und die pure Aufregung. Denn wir haben da ja ein neues Familienmitglied.

Im Prinzip läuft unser Alltag ganz normal weiter. Außer, dass wir vielleicht ein bisschen mehr Zeit an der frischen Luft verbringen. Und der Löwe morgens mit mir diskutiert, weil er nicht in die Kita gehen möchte (er könnte ja etwas verpassen). Oder er feilscht mit mir herum, dass ich ihn nach dem Frühstück abholen soll. Zum Glück einigen wir uns meistens auf „nach der Obstrunde“.

So ziehen die Tage ins Land und abends bin ich dann zu müde all das zu verbloggen. Oder aber ich habe gar keine Lust drauf. Weil ich froh bin, wenn sie endlich schlafen und ich meine Ruhe habe.

Wir waren im Urlaub. Eine ganze Woche. Und auch das ist bald schon wieder zwei Wochen her. Ich wollte Euch auf jeden Fall noch ein kleines Stücken mit auf unsere Urlaubsreise mitnehmen. Und dann wollte ich noch ein paar Worte zum Styleranking Bloggerevent los werden. Denn das war wieder mal total schön. Ja und unser neues Familienmitglied. Das zeige ich Euch natürlich auch noch. Aber alles zu seiner Zeit.

Für heute nur ein kleines Lebenszeichen. Damit Ihr mich nicht ganz vergesst.

Den tollen Sommerjersey Nachtwiese von SUSAlabim bekommt Ihr ab Samstag bei lillestoff.  Das Shirt FrauYOKO bekommt Ihr bei Schnittreif.

Dat Wasser vun Kölle

*Werbung*

… es jot!

Das wussten nicht nur bereits die Bläck Fööss und besingen es im gleichnamigen Song seit 1988, sondern auch das Wasser von Familie Sonnenschein am Rande von der wunderschönen Domstadt ist absolit trinkbar.

Wir haben das nämlich getestet, denn wir überlegen schon eine ganze Weile, ob wir uns die Getränkekisten Schlepperei sparen und vor allem damit den Rücken von Herrn Sonnenschein entlasten. Seit einiger Zeit schauen wir uns Angebote für einen Soda Stream an und haben die Pro und Contra Argumente dafür erörtert.

Ein wichtiger Punkt in der ganzen Argumentation war die Wasserqualität. Denn ich bin wirklich ein wenig pingelig, wenn es um Essen und Trinken geht. Behauptet zumindest Herr Sonnenschein hin und wieder.

Wir wohnen in einem alten Haus, mit alten Wasserleitungen und so ganz traute ich dem ganzen System nicht über den Weg. Da kam das Angebot von IVARIO unser Wasser zu testen goldrichtig.

Und es war so herrlich unkompliziert. Wir bekamen das Testpaket mit zwei etikettierten Plastikröhrchen per Post zugeschickt, füllten am Folgetag das erste Leitungswasser (die Wasserleitungen sollten 6 Stunden zuvor nicht genutzt worden sein) in die zwei Plastikröhrchen und schickten diese in der beiliegenden Schachtel, mit beiliegendem Etikett zurück.

Neben der Anleitung zur Durchführung des Wassertests erhält man einen Link und einen Code zum Abrufen der Testergebnisse. Man bekommt aber darüber hinaus auch noch eine Info per Mail, sobald das Wassertestergebnis vorliegt. Das dauert in etwa eine Woche.

Die Kinder hatten Spaß und wir wissen nun: dat Wasser vun Kölle is wirklisch jot!

Wer uns also zukünftig besuchen kommt, bekommt erstklassiges Quellwasser.

Und nun schauen wir uns mal nach einem passenden Soda Stream um.

Dieser Beitrag wurde von der IVARIO gesponsert. Die Inhalte und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen. 

Rudelrangeleien

*Werbung*

Heute Morgen hatte Sonea wirklich gute Laune. Wir wurden mit viel Sonnenschein geweckt und der kleine Bruder mit den Worten „Steh auf! Heute ich Spielzeugtag und Bienen-Frühstück im Kindergarten!“. Sie kennt nicht nur die Wochentage, sondern auch ganz genau ihren eigenen Wochenplan sowie den ihres Bruders in und auswendig.

Und bestimmend, wie sie ist, kam sie dann auch gleich mit zwei Brettspielen, fünf Dinos, einer Tacherbrille, einer CD und drei Büchern an, die ihr Bruder alle mit zum Spielzeugtag nehmen sollte. Nun, seine Laune war an diesem Morgen nicht ganz so gut, wie die seiner Schwester.

Manchmal muss er sich einem enormen Stresspegel durch seine Schwester stellen und auch, wenn er das nach außen hin meistens gut macht, trägt er immer eine gewisse Grundanspannung in sich. Daran arbeiten wir gerade.

Aktuell sind Geschwisterstreitereien über Nichtigkeiten Tagesordnung. Nervenaufreibend für mich, aber natürlich auch für die Kinder. Nicht immer kann ich darüber hinweg lächeln, weil ich dieses sinnlose Verhalten aus meiner eigenen Kindheit kenne. Denn ich habe ja selbst eine große Schwester und einen kleinen Bruder. Es ist, als ob das Karma nun dreißig Jahre später gnadenlos zurück schlagen würde.

Trotz aller Streitigkeiten und Misstöne, haben sich beide doch irgendwie sehr lieb und würden füreinander einstehen, wenn es darauf ankommt. Und es gibt sie auch tatsächlich immer wieder, die Momente, in denen es hier ganz schön plüschig zugeht.

Sonea liebt es Besuch zu haben und da sie selbst leider eher selten bei einer Freundin ist oder eine Freundin bei ihr, sind es meistens die Freunde von ihrem kleinen Bruder, die sie hier als Spielgefährten begrüßen darf. Auch diese kennen Sonea und ihr manchmal eigenwilliges Verhalten ganz gut. Mittlerweile hat es sich etabliert, dass die Erwachsenen mindestens eine Kasperleaufführung geboten bekommen und manchmal auch eine Tanzdarbietung. Verkleidet natürlich. Der Inhalt des Kleiderschrankes auf dem Boden verteilt.

Wir haben uns an vieles gewöhnt und auch der Löwe übernimmt manchmal automatisch Verhaltensweisen von Sonea, weil er denkt, dass diese absolut normal sind. Manchmal nutzt er sie auch, weil er weiß, dass sie uns besonders auf die Palme treiben.

Nicht nur der Löwe hatte heute Spielzeugtag, auch Sonea kam kurz vor Abfahrt zur Schule mit ihrer Puppe Melli, einem bis oben hin vollgepackten Kinderwagen, einer kleinen Umhängetasche voller weiterer Sachen (ich weiß gar nicht was da überhaupt drin war) die Treppe runter gekraxelt, fest entschlossen ihr halbes Kinderzimmer-Inventar mit in die Schule zu nehmen. „Das geht nicht!“ ließ sie sichtlich unbeeindruckt. Der Kompromiss war dann, dass sie Puppe und Tasche (was auch immer dort drin war) mitnehmen durfte.

Es ist immer ein Spagat mit Kompromissen, die wir eingehen müssen, damit Sonea sich nicht absolut quer steht und wir trotzdem unser Gesicht wahren und bei unserem Standpunkt bleiben. Viele Entscheidungen treffen wir daher einfach aus dem Bauch heraus. Nicht immer fühlen sie sich für uns 100% ig richtig an. Aber es sind Kompromisse, mit denen wir dann leben können und die unser Kind in dem Moment nicht völlig eskalieren lassen.

Manchmal denke ich, dass der Löwe kein leichtes Los hat mit Sonea als Schwester an seiner Seite. Ihre barsche Art, das dominante Spielverhalten, der Dickkopf. Und dann denke ich wiederum, dass es für Sonea auch bitter sein muss dieses aufgeweckt, neugierige und pfiffige Kerlchen ihren Bruder nennen zu dürfen. Er führt ihr immer wieder vor Augen worin ihre alltäglichen Schwierigkeiten liegen. Die Schere in der Entwicklung wird immer größer und der Abstand immer geringer. Noch kann sie dem Löwen auf den Kopf spucken. Darf sie natürlich nicht. Aber im übertragenen Sinn hat sie dort noch einen kleinen Vorsprung. Aber auch nicht mehr lange.

Es gibt Phasen, in denen denke ich, ich bin im Irrenhaus und dann gibt es wieder diese plüschigen Momente, in denen beide Kinder ein Herz und eine Seele sind. Die genieße ich dann immer besonders, denn sie sind oft schneller vorbei als man sie überhaupt realisiert.

Wer noch mehr über Geschwisterbeziehungen erfahren möchte, in denen ein Geschwister das Down-Syndrom hat, lege ich das neue Buch Außergewöhnlich: Geschwisterliebe von Conny Wenk ans Herz. Ein Bildband mit herzigen Geschichten aus der Sicht mehrerer Geschwister. Absolut lesenswert.

Die Gewinner der handsignierten Außergewöhnlich: Geschwisterliebe Bücher findet Ihr hier. Alle Gewinner wurden aber auch bereits per Mail benachrichtigt.

Auch die Gewinnerin des me&i Outfits steht fest und wurde per Mail benachrichtigt. Im Originalbeitrag findet Ihr noch einmal die ermittelte Gewinnerin.

Die tollen Outfits aus diesem Beitrag sind von dem genialen Kölner Label Paglie. Und wenn ein deutsches Kindermode-Label durchstartet und noch dazu ein Kölner, unterstützen wir das sehr gerne. Schaut doch einmal vorbei. Es gibt inzwischen auch einen tollen Online-Shop.

Zu den Outfits von Sonea:

Kleid

Leggings

Und vom Löwen:

Shirt

Hose

Ein Brief an mich – Initiative gegen Altersarmut

*Werbung*

Liebe Katharina von 2006,

herzlichen Glückwunsch zu Deiner abgeschlossenen Ausbildung. Auch wenn Du Deinen Abschluss mir Bravour gemeistert hast, war es ein wenig holprig bis hier hin. Du hast lange gebraucht um Deinen beruflichen Weg zu finden, nach dem Abi erst einmal gejobbt, um dann diesen Weg zu gehen. Die Lebensreise, die Du Dir lange so nicht hättest vorstellen können. Denn ursprünglich wolltest Du Ergotherapeutin werden. Nun bis Du Kauffrau im Groß- und Außenhandel und planst noch ein BWL Studium. Aber erst einmal ein bisschen arbeiten und richtiges Geld verdienen. Dafür wird Dir nicht allzu viel Zeit bleiben, denn in zwei Jahren wirst Du schon einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten und dann weitere Wege gehen, die zum jetzigen Zeitpunkt für Dich unvorstellbar scheinen.

Auch wirst Du sehr bald feststellen, dass Dein beruflicher Weg nicht das ist, was Du Dein Leben lang machen möchtest. Vielleicht trittst Du deshalb auch nicht das Studium an, dass Dir in Deiner Lebensplanung noch vorschwebt.

2006 ist für Dich eine chaotische Zeit. Ein Leben im Hier und Jetzt, ohne Wenn und Aber und ohne Blick auf Konsequenzen. Dass Du in knapp drei Jahren nicht nur Verantwortung für Dein eigenes Leben trägst, ist zu diesem Zeitpunkt noch unvorstellbar.

Du arbeitest in der Buchhaltung, obwohl das die Abteilung ist, die Du kategorisch für Dich und Dein Leben völlig ausgeschlossen hast. Immerhin fasst Du bald schon den Entschluss Deinen Ausbildungsbetrieb zu verlassen und zurück ins Rheinland zu gehen. Denn der Ruhrpott wird niemals Dein Zuhause sein.

Auch wenn gerade ziemlich viel los ist in Deinem Leben und Du nach Beenden Deiner Ausbildung erst einmal Dein Leben ausprobierst und genießt, denk doch ab und zu auch mal ein bisschen an mich. An Dich. In ein paar Jahren. Eigentlich ist doch jetzt der perfekte Zeitpunkt auch einmal an später zu denken und etwas für Deine Altersvorsorge zu tun. Oder ist Altersarmut das, was Dir später einmal für mich vorschwebt? Bei all dem Chaos in Deinem Kopf, wäre es schön, wenn Du ab und an auch einmal ein bisschen darüber nachdenkst, was einmal aus uns beiden werden soll.

Liebe Katharina von 2009,

endlich ist Sonea da. Ist sie nicht das süßeste Baby auf der ganzen Welt?

Ja, ich verstehe, das Down-Syndrom hat Dich ein wenig aus der Spur geworfen, aber Dein Leben ist hier noch nicht zu Ende und Du wirst nicht nur das Leben von Sonea, sondern auch Deins bald mit völlig anderen Augen sehen. Deine Prioritäten werden sich verändern. Du trägst nun nicht nur Verantwortung für Dich, sondern auch für das Leben Deines Kindes.

Ich weiß, dass Du Dich nun aufopferungsvoll kümmern und alles dafür tun wirst, damit sie die bestmögliche Förderung bekommt. Vergiss Dich dabei aber selbst nicht und denk vor allem auch mal an Dein älteres ich, zu einem späteren Zeitpunkt.

Bei all Deinen Gedanken rund um Sonea und der Frage „Was soll später einmal aus Sonea werden“, frag Dich auch mal „Wie stellst Du Dir Dein späteres Leben einmal vor“. Jetzt wäre doch der perfekte Zeitpunkt die Sachen mit der Altersvorsorge anzugehen.

Liebe Katharina von 2015,

rasend schnell vergeht die Zeit und irgendwie habe ich immer das Gefühl ihr hinterher zu jagen und viel zu wenig in der ganzen Zeit zu schaffen.

Du hattest schon immer Angst vor dem Alter, hast die Gedanken daran verdrängt und konzentrierst Dich auch im Jahr 2015 auf das Hier und Jetzt. Sonea und Vincent sorgen dafür, dass Du gar keine Zeit hast Dir über das Altwerden Gedanken zu machen. Sonea geht bereits in die Schule und es erwarten Euch noch unendlich viele turbulente Zeiten mit Höhen und Tiefen. Aber die meisten Zeiten davon werden schön sein. Du wirst sehen!

Unabhängigkeit war Dir schon immer wichtig und manchmal wünschte ich mir, dass Du schon früher angefangen hättest ein bisschen mehr an später zu denken. Du arbeitest viel, denn neben Deiner Familie ist Dir Deine finanzielle Unabhängigkeit und Deinen Teil zum Gesamteinkommen der Familie beizutragen, sehr wichtig.

Du sparst für die Zukunft Deiner Kinder, weil Du möchtest, dass ihnen der Start in die eigene Unabhängigkeit leichter fällt. Du machst Dir viele Gedanken darum was später einmal aus Deinen Kindern werden soll. Aktuell möchten sie Krankenschwester und Polizist werden. Mehr Zukunftspläne hegen sie noch nicht. Und sicherlich wird sich das auch noch einmal ändern. Aber denkst Du dabei auch daran was mit Dir einmal sein wird?

Jahr für Jahr erreicht Dich dieser Rentenbescheid und immer wieder schüttelst Du den Kopf, weil es lächerlich wäre davon seinen Lebensabend zu bestreiten. Aber änderst Du etwas? Oder läufst Du mit Tunnelblick Richtung Zukunft? Es sollte Dir wirklich nicht egal sein was mit uns beiden später einmal passiert. Du hättest längst die Zügel in die Hand nehmen können.

Ich kann Dir sagen, dass Dich noch spannende Zeiten erwarten werden. Es wird nicht immer leicht sein und auch wenn Dir der Blick in die Zukunft immer ein wenig Angst bereitet und Du Dich lieber auf das Hier und Jetzt konzentrierst, was Dich Sonea immer wieder lehrt, solltest Du auch ein bisschen vorsorgen, damit es uns beiden später einmal besser geht.

Zwei Kinder, eine Eigentumswohnung und ein kleiner Riestervertrag, sollte nicht das sein, worauf Du Deine Zukunft bestreitest. Und auch, wenn Du in Vollzeit arbeitest, kommt irgendwann die Zeit, wo es heißt aufzuhören. Und ich möchte nicht spoilern und Dir verraten wie Deine Zukunft aussehen wird. Aber möglicher Weise hast Du irgendwann Enkel, die Du hin und wieder auch mal mit kleinen Geschenken verwöhnen möchtest, mit denen Du in den Zoo gehen möchtest und auch beim dritten Eis nicht traurig den Kopf schütteln magst, weil Dich der Eintritt für den Zoobesuch schon dazu zwingt den Rest des Monats von Dosensuppen zu leben. Das hättest Du damals nicht gewollt und ich heute auch nicht.

Du sorgst Dich immer um Deine Lieben, schaust, dass es ihnen an nichts fehlt und bist zwar manchmal ein wenig chaotisch, aber gerade wenn es um Sonea geht und den ganzen Papierkram, den das Down-Syndrom manchmal mit sich bringt, doch auf Zack. Es ist gar keine Frage, dass die Anträge pünktlich versendet werden, denn es gibt Fristen. Vergiss bei alledem aber bitte nicht uns beide. Deine Frist für die Altersvorsorge läuft. Hörst Du die Uhr ticken?

Die Zeit war noch nie Dein Freund. Sie rast immer viel zu schnell und manchmal würdest Du sie gerne hin und wieder zurück drehen.

Manchmal denkst Du darüber nach, dass Du später einmal die Welt bereisen möchtest mit René an Deiner Seite. Weil Ihr vor den Kindern zu wenig Zeit dafür hattet und weil so ein Familienurlaub sehr viel Geld frisst, das Du nicht bereit bist auszugeben, weil man damit auch andere Dinge machen könnte. Zum Beispiel die Wohnung renovieren.

Auch wenn Du mich gegenwärtig immer ganz gerne verdrängst, denk ab und zu auch mal ein bisschen Dein älteres ich. Denn irgendwann sind wir eins und dann wünsche ich mir, dass es Dir gut geht und Du die Welt mit sorgenfreien Augen sehen kannst.

Deine Katharina von 2017

Dieser Beitrag wurde von der Stuttgarter Lebensversicherung gesponsert. Die Inhalte und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen. 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Eine haarige Angelegenheit

Neulich war ich zur alljährlichen Vorsorge bei meinem Gyn. Zum Glück immer nur ein Punkt, den ich von meiner jährlichen To Do Liste streichen muss und längst nicht so wild wie meine Inspektionstermine beim Zahnarzt. Im ärztlichen Besprechungsraum sprach ich dann das Thema Sterilisation an und vielleicht war es auch nur eine abschätzende Frage, um zu sehen wie mein Frauenarzt darauf reagiert. Es ist schließlich nicht üblich, wenn Frau mit 36 den Wunsch nach einer Sterilisation äußert.

Lange habe ich mich innerlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich habe zwei wundervolle Kinder. Jedes auf seine Art und Weise eine ganz eigene Persönlichkeit und doch ein bisschen Herr Sonnenschein und ein bisschen ich. Kinder sind einfach toll… wenn sie nicht gerade ihre Grenzen neu stecken. Ist es nicht egoistisch von mir, wenn ich beschließe nach diesen zwei Prachtexemplaren von Minimenschen einen Schlussstrich zu ziehen?

Ich merke, dass ich innerlich ein wenig trotzig reagiere, als mein Frauenarzt meinen Wunsch nach einer Sterilisation begrüßt und mir das Prozedere genauer erörtert. Meine Einstellung zu einem dritten Kind kennt er und er weiß auch, dass es beim dritten Kind für mich keine Rolle spielen würde, ob es ein Down-Syndrom hat oder nicht. Ein erhöhtes Risiko ist bei uns durchaus gegeben.

Auch wenn der Trend zum Drittkind geht, käme für mich ein drittes Kind nicht in Frage und würde absolut nicht in unsere Lebensplanung passen.

Zwei Kinder sind genug und doch fühle ich mich als Familie nicht komplett.

Die Kinder würden sich sicherlich über ein Geschwisterchen freuen, aber es wäre immer ein Ungleichgewicht da, schon alleine aufgrund der Chromosomenzahl mit oder ohne kleinem Extra.

Ich habe das Gefühl angekommen zu sein und fühle mich sehr wohl mit unserer familiären und auch mit meiner beruflichen Situation. Und dennoch fehlt noch etwas. Jemand. Vier Pfoten und viel Fell.

Mein Wunsch nach einem Mops wurde hier über die letzten Jahre immer wieder mal laut und lauter. Und irgendwie scheint die zauberhafte Spieluhr, die mir die liebe SUSAlabim zu Weihnachten geschenkt hat, nochmal etwas angekurbelt zu haben. Ein Omen. Vielleicht.

Der Mops, den ich auf der Spieluhr dezent hinter meinem Rücken verstecke, wird er doch noch Wirklichkeit?

Bekommen wir unsere kleine Fellnase? Oder wird dieser Wunsch vergeblich ein Wunsch bleiben und ich darf mich am Ende freuen immerhin einen Goldfisch im Kreise unserer kleinen Familie begrüßen zu dürfen?

Vergangene Woche war sehr spannend und ereignisreich. Manch einer hat es auf Facebook und Instagram bereits mitbekommen. Wir hatten zwei Tage lang Besuch vom Produktionsteam von „Drei Engel für Tiere“ für VOX mit der sympathischen Franziska Knabenreich vom Blog Feingemacht.

 

Ich im Fernsehen. Auch so ein Ding, das ich mir niemals vorstellen konnte. Fast noch weniger als ein drittes Kind. Aber da war mein sehnlichster Hundewunsch und eine einmalige Chance, so dass ich aus dem Herzen heraus einfach diesen Weg gegangen bin. Und ich bin überglücklich, dass Herr Sonnenschein mir die Hand gereicht hat und mitgekommen ist.

Ob wir einen Hund bekommen, steht noch in den Sternen. Denn noch ist alles offen und die Sendung auch noch nicht fertig gedreht.

Ich hab auf jeden Fall schon mal eine kleine Ahnung davon bekommen wie viel Arbeit in so einem Dreh steckt. Und am Abend hätte ich am liebsten sämtliche Dialoge vom Morgen noch einmal neu gesprochen und umformuliert.

Es bleibt also auch für uns noch sehr spannend und eine große Überraschung. Im Herbst soll die Sendung ausgestrahlt werden und dann lernt Ihr vielleicht auch unseren kleinen Goldfisch kennen. Oder aber… wir bleiben weiterhin zu viert.

Für Euch haben wir aber jetzt schon ein paar tolle Hunde, denn wir dürfen an jemanden von Euch entweder das Doggie Dress verlosen, das Sonea auf den Bildern trägt oder aber das One Bulldog Shirt in Wunschgröße (so lange der Vorrat reicht) verlosen. Zwei absolute Lieblings-Kleidungsstücke der Kinder.

Wenn Ihr Euch nicht auf Euer Losglück verlassen wollt, bekommt Ihr die tollen Kleidungsstücke ab sofort auch im großen me&i Sale. Denn die wunderschöne Frühjahr/Sommer-Kollektion von me&i neigt sich langsam dem Ende zu.

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, müsst Ihr einfach nur diesen Beitrag kommentieren und mitteilen, ob Ihr lieber das Kleid oder lieber das Shirt gewinnen wollt. Außerdem dürft Ihr raten welches Haustier uns hier bald schon begleiten könnte, ob überhaupt und falls es tatsächlich ein Hund werden sollte, welche Rasse es Eurer Meinung nach wird.

Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diesen Beitrag teilt.

Das Gewinnspiel endet am o8.06. um 23:59 Uhr.

Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook, Instagram oder Twitter. Jeder, der über 18 Jahre alt ist, darf teilnehmen, sofern er eine Anschrift in Deutschland hat. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme willigt ihr ein, dass Ich Euch namentlich hier auf dem Blog als Gewinner bekannt gebe und Euch über die angegebene E-Mail Adresse kontaktiere. 

Viel Glück!

edit:

Gewonnen hat:

Herzlichen Glückwunsch! Eine Mail an Dich ist bereits raus.

*Verlosung* Ich hab gewonnen!!

Inzwischen ist es schon fast zwei Wochen her, dass das 15. Down-Sportlerfestival stattfand. Das dritte Mal in Folge mit uns als Gast und das zweite Mal mit Sonea als eine der motivierten Wettkämpfer.

Rund 600 Menschen mit Down-Syndrom im Alter von 4 bis über 60 Jahren nehmen Jahr an diesem gelungenen Sportfestival teil. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass jedes Mal eine sensationelle Stimmung mit ganz viel Gänsehautfaktor und ein paar (Freuden)tränchen herrscht.

Als ich Sonea verkündete, dass ich sie wieder für das Down-Sportlerfestival angemeldet habe, hat sie laut gejubelt. Ein Wettkampf unter gerechten Bedingungen. Mit dem Ziel am Ende die Goldmedaille zu bekommen und zu gewinnen, reiste Sonea vorletzten Samstag in aller Frühe mit uns nach Frankfurt. Da wir ja bereits wussten wie mitreißend und einfach nur großartig dieses Sportlerfestival ist, nahmen wir auch in Kauf, dass der Tag für uns schon sehr früh startete.

Auch Soneas Bruder freute sich schon sehr auf das Spektakel, denn auch für Geschwisterkinder ist das Down-Sportlerfestival ein tolles Erlebnis. Es gibt zum Beispiel die Geschwister-Olympiade, in der die Geschwister gemeinsam einen Parkour mit verschiedenen Aufgaben bestreiten. Und dann gibt es außerdem noch eine große Halle, in der die Kinder unter anderem Trampolin hüpfen und Fußball spielen können.

Soneas Highlight war wohl die Moderation durch Singa, die sie in und auswendig von Tanzalarm kennt. Seitdem wird noch mehr getanzt, gesungen und vor allem die Musik laut aufgedreht.

Das Down-Sportlerfestival endet jedes Jahr mit der Modenschau durch den Modelcoach Peyman Amin. Im nächsten Jahr muss ich unbedingt versuchen einen Platz für Sonea für diesen Workshop zu bekommen. Sie hat die Modenschau von der Tribüne aus total mit gerockt und hatte einen riesen Spaß.

Meine Lieblingsmomente des liebevoll gestalteten Festivals sind der Einzug der Sportler sowie die anschließende Medaillenvergabe. Auch in diesem Jahr kam Sonea anschließend freudestrahlend und stolz wie Oskar auf mich zu gerannt, die Medaille fest umgriffen „Mama! Ich hab gewonnen!“.

Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr und ein weiteres, gelungenes und absolut perfekt organisiertes Sportlerfestival mit vielen Sportlern, Freunden und Bekannten, wie Anja von Look for the Good oder Annett und Luna und dem einen oder Promi.

Eins meiner Highlights an diesem Tag war, dass ich endlich die liebe Conny wiedergesehen habe und wir zwar nicht viel Zeit miteinander verbringen konnten, aber den kurzen Moment dafür umso intensiver genutzt haben. Ich bin so dankbar dafür, dass unsere Töchter dafür gesorgt haben, dass sich unsere Wege eines Tages mal kreuzen werden und für das, was Conny durch ihre Bücher für mich in der ersten Zeit nach Soneas Geburt getan hat, werde ich ihr wohl für immer dankbar sein.

Inzwischen ist ein neues Außergewöhnlich Buch von Conny Wenk erschienen. Ein weiterer Fotoband mit Geschichten rund um das Down-Syndrom, aber diesmal nicht aus der Sicht der Mutter oder des Vaters, sondern aus der Sicht der Geschwister. Auch ein sehr spannendes Thema bei uns gerade, auf das ich in nächster Zeit hier noch intensiver eingehen werde.

Conny und David Neufeld vom Neufeld Verlag, in dem das Buch erschienen ist, haben mir spontan drei, von Conny handsignierte Buchexemplare von Außergewöhnlich: Geschwisterliebe zur Verfügung gestellt, die ich heute an Euch verlosen darf.

Mitmachen kann jeder, der sich für dieses wirklich gelungene Buch interessiert. Für sich selbst, für jemanden, der sich darüber freuen könnte, für die Nachbarin oder den Kollegen, für den Frauenarzt oder die Physiotherapeutin und einfach ist es auch noch: Ihr müsst einfach einen Kommentar unter diesen Post hinterlassen und schon seid Ihr im Lostopf.

Die Verlosung endet am 08.06.2017 um 23:59 Uhr, Der Beitrag darf sehr gerne geteilt werden und ich bin mir sicher, dass sowohl Conny als auch der Neufeld Verlag sich über Eure Daumen auf Facebook freut.

Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook, Instagram oder Twitter. Jeder, der über 18 Jahre alt ist, darf teilnehmen, sofern er eine Anschrift in Deutschland hat. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme willigt ihr ein, dass Ich Euch namentlich hier auf dem Blog als Gewinner bekannt gebe und Euch über die angegebene E-Mail Adresse kontaktiere. 

Viel Glück!

edit:

Gewonnen haben:

Eine Mail an Euch ist bereits raus!

Mein Leben mit dem Besonderen #103 Leben auf zwei Planeten

Mein Leben mit einer fiesen Diagnose

…. immer, wenn ich meinen Freuden und meiner Familie beibringen muss(te), dass ich schwer erkrankt bin, kam es mir vor, als sei ich anonyme Alkoholikerin (aber nein, DAS ist nicht mein Problem). „Hallo, mein Name ist Jasmine, ich bin 41 Jahre alt und bei mir wurde Darmkrebs diagnostiziert“, so mein Sprüchlein. Gut, vorstellen muss ich mich natürlich nicht, aber dieses Gefühl, etwas zu beichten, was null in mein Leben passt, das kommt mir nach wie vor ein wenig surreal vor.   

Warum ich von meiner Erkrankung erzähle? Wenn ich nicht auf mein Bauchgefühl (im wahrsten Sinne des Wortes) gehört hätte, dann wäre meine Krankengeschichte mit sicher unguten Prognosen weiterverlaufen und ich möchte allen unter Euch in ähnlichen Situationen Mut machen, sich auf die eigene Intuition zu verlassen. Ich nutze meine Krankheit als Chance, endlich das zu machen, was ich immer machen wollte (schreiben und mein Mann und ich organisieren gerade für 2018 eine Weltreise).

Eigentlich hatte ich seit meiner Studentenzeit Angst vor dem „Biest“, wie ich den Krebs nenne. Ich war gerade einmal zehn Monate alt, meine lieben Schwestern waren vier und sechs Jahre, als unsere Mama an Knochenkrebs verstarb. Da stand also mein Vater allein mit drei kleinen Kindern und musste, neben seinem fordernden Job als Unfallchirurg, irgendwie unser und sein Leben organisieren. Zu weit will diesen Teil unserer / meiner Biographie nicht ausführen. Aber natürlich begleitet einen den Verlust seiner Mutter und die damit verbundene Angst.

Nun bin ich selber Mama von zwei zuckersüßen Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren und ich habe mir vorgenommen, zu bleiben, zu kämpfen, zu gewinnen – denn das kann ich gut. Das Biest hätte sich vorher überlegen sollen, mit wem es sich anlegt. Ich bringe nun nicht gerade ein Kampfgewicht auf die Waage, aber mental bin ich ein EXTRA-Schwergewicht. „Zart, aber zäh“, wie meine Schwester treffend sagte.

„Wie wurde eigentlich der Krebs festgestellt?“, ist immer DIE zentrale Frage. Tja, genau da sind wir beim eigentlichen Punkt: Zufall und meine Hartnäckigkeit. Mir ging es schon seit Monaten nicht wirklich gut. Ich war ständig müde, musste mich oft ausruhen und habe wahnsinnig abgenommen. „Na“, dachte ich „da stimmt aber was so richtig nicht“. Also ging ich ungelogen dreimal zu meiner Ärztin. „Jasmine, Sie sind eine gesunde, junge Frau, Sie sind nur erschöpft, wegen Ihrer zwei Kinder“. „Moment mal“, dachte ich mir, „ich war selbst nach den Entbindungen nicht so fertig“. Im Sommer 2016 haben wir uns dann einen Camper geliehen und sind von München bis nach Barcelona gefahren – es war herrlich. Einzig: ich war ständig krank, angeschlagen, müde. Zurück zu Hause wollte ich einen Termin bei meiner besagten Ärztin vereinbaren, die, oh Glück, selber im Urlaub war. Dann ging alles ganz schnell: Der wundervolle Vertretungsarzt stellte mir einige Fragen, die ich alle mit: „Ja, ja, ja, ja, ja und JAAAAA!!!!“ beantwortete, ordnete ein Blutbild an – und ab da war klar, dass etwas so gar nicht stimmte. Um es abzukürzen: Eine Woche später hatte ich meine OP und vier Wochen nach der OP die erste Chemotherapie… .

Und nun? Mir geht es gut: ich habe an vielen kleinen und großen Rädchen geschraubt und genieße das Leben mit meinen drei Liebe(n). Oft hört es sich nach einer Phrase an:  aber, ich begreife das Biest als Chance. Wenn ich nicht jetzt das mache, was ich will und mir wünsche wie z.B.kürzer zu treten, zu schreiben (ich bin seit Kurzem mit meinem Blog www.it-s-mine.de online) zu meditieren und, und, und, was für einen Sinn hätte diese Phase? In der Vergangenheit dachte ich immer, dass dafür keine Zeit oder kein Geld sei (was ich nun besonders im Freundeskreis beobachte). Aber „hey!!“ es geht, irgendwie geht es wirklich.

Einzig: oft fühle ich mich, als sei ich aus der Umlaufbahn meines eigenen, kleinen, alten Planeten herauskatapultiert worden und auf einem neuen gelandet – ich bin noch nicht ganz angekommen, er fühlt sich noch bissel fremd an – wispert mir aber tausend Ideen und Möglichkeiten zu…. .

Die Sache mit der Inklusion

Wenige Monate, nachdem Sonea geboren wurde, trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft, die sich dafür einsetzt, dass Menschen mit Behinderung als vollwertige Bürger der Gesellschaft anerkannt werden und sie fordert die Inklusion und die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Denn Inklusion ist ein Menschenrecht.

Wer hier schon länger mitliest, weiß wie sehr wir Inklusion leben und wie sehr mein Herz dafür brennt, dass Sonea ein gleichberechtigtes Leben führen kann.

Seit Soneas Geburt 2009 leben wir die Inklusion soweit es uns aus gesellschaftlicher Sicht ermöglicht wird. Neben dem Frühförderspielkreis und dem Down-Syndrom Spielkreis besuchten wir außerdem normale Krabbelgruppen, machten Babyschwimmkurse und all das, was man eben so in der Baby- und Kleinkindzeit mit seinem Kind macht. Es war nicht immer leicht für mich. Denn die anderen Kinder führten mir immer wieder vor Augen wie groß die Schere in der Entwicklung mit der Zeit wurde. Während die anderen Kinder irgendwann völlig selbstverständlich losliefen und anfingen zu reden und ihre Mütter vor Stolz fast platzen, als hätten ihre Kinder gerade ihre erste Bachelorarbeit geschrieben, brauchte es bei uns jede Menge Vorarbeit all diese Hürden zu nehmen. Die Entwicklungsschritte kamen, nur eben in Soneas eigenem Tempo und auch nicht so selbstverständlich wie bei allen anderen Kindern.

An unsere Grenzen sind wir das erste Mal gestoßen als wir versuchten einen U3-Kitaplatz für Sonea zu bekommen. Inklusion im Kindergarten ist leider keine Selbstverständlichkeit. „Zu betreuungsintensiv“ hieß es, ohne unsere Tochter überhaupt gesehen zu haben. Ich war völlig fertig und habe am Ende nur noch geheult. Etwa 50 Kindergärten im Umkreis hatte ich abtelefoniert. Glücklicherweise hatte sich das Warten gelohnt und Sonea kam mit dreieinhalb in die für uns perfekte Kita.

In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan und Inklusion ist trotzdem nach wie vor ein schwarzes Schaf und oft habe ich das Gefühl, dass Inklusion den meisten Menschen einfach zu lästig ist. Dabei sollte sie selbstverständlich sein. Ich weiß, dass Inklusion Arbeit bedeutet, aber wenn ich dann Leute höre, die im Prinzip gar nicht im Thema sind, sich aber die Meinung heraus nehmen, dass ein inklusiv beschultes Kind allen anderen (Regel)Kindern schadet, könnte ich wirklich explodieren. Nicht, weil ich diejenige bin, deren Tochter der „Störfaktor“ ist, sondern weil es mir wieder mal zeigt, dass die meisten Leute gar nicht verstanden haben was Inklusion wirklich bedeutet und dass sie eben nicht nur Vorteile für mein Kind mit Down-Syndrom bringt, sondern eben alle davon profitieren. Leider werden wir immer wieder mit diesem Irrglauben konfrontiert, dass Inklusion schädlich ist.

Inklusion bedeutet Arbeit und Geduld und vor allem ist sie ein Kostenfaktor, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Leider ist es auch so, dass mit der Inklusion wichtiges Personal und Gelder gestrichen wurden, die unabdingbar sind. Die Katze beißt sich in den Schwanz. Allerdings bin ich auch der festen Überzeugung, dass wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch.

Leider kam die bittere Ernüchterung von allen Seiten, als vor über zwei Jahren die Schulwahl für Sonea anstand. Für uns war ziemlich schnell klar, dass wir den inklusiven Weg weiter gehen wollen. Allerdings stieß unser Vorhaben auf wenig Gegenliebe. Wir schauten uns einige Schulen in Wohnortnähe an, aber von einem ehrlichen „Wir sind noch nicht soweit ein Kind inklusiv zu beschulen“ bis hin zu einem eiskalten „Wir werden uns ihr Kind ansehen und beurteilen, ob eine Förderschule nicht doch besser für sie wäre.“ war alles dabei.

Ich muss dazu sagen, dass ich sehr froh bin, dass es Förderschulen gibt, denn nicht für jedes Kind ist eine inklusive Beschulung der richtige Weg. Aber mein Gefühl sagte mir auch nach einer Hospitation in der Förderschule: wir gehen den inklusiven Weg mit der Option, dass es eben auch noch einen Plan B gibt, wenn es doch nicht der richtige Weg für unsere Tochter ist. Aber ich wollte es nicht unversucht lassen. Von sämtlichen Seiten redete man uns ein, dass mir fast schon die Zweifel kamen, ob ich Sonea zu viel zumute und noch dazu die Ernüchterung, weil es scheinbar keine Schule gab, die bereit war meine Tochter inklusiv zu beschulen.

Und dann rief ich in der Grundschule an, die unsere letzte Hoffnung war. Hoffnung, die ich fast schon nicht mehr hatte. „Wir würden uns gerne Ihre Schule ansehen und einen Hospitationstermin vereinbaren. Aber ich frage am besten vorweg: meine Tochter hat das Down-Syndrom. Sind sie bereit ein Kind mit Down-Syndrom zu beschulen oder kann ich mir diesen Urlaubstag sparen?“ und die Antwort von Soneas Direktorin ging direkt ins Herz „Ganz ehrlich? Wir würden uns riesig freuen. Wir haben hier ein anderes Mädchen mit Down-Syndrom auf der Schule und sie ist eine Bereicherung für uns alle.“ .

Für die Hospitationstermine an diversen Schulen, Schuleingangsuntersuchungen, SPZ-Terminen und Terminen rund um das AOSF-Verfahren (denn es reicht ja nicht, dass man schwarz auf weiß den Gentest vorliegen hat und noch dazu einen Behindertenausweis mit 100% GBH, das Schulamt will es vor Schuleintritt noch einmal ganz genau wissen, ob das Down-Syndrom nicht über die letzten 6 Jahre durch eine Spontan-Mutation verschwunden ist) gingen sämtliche Urlaubstage und noch mehr Nerven drauf. Hinzu kamen die Sorgen rund um die Suche nach einer passenden Schulbegleitung, die wir aber auch erst so wirklich suchen konnten, nachdem das AOSF-Verfahren abgeschlossen war (und sowas dauert). Uns waren die Hände gebunden und wir konnten nichts anderes tun als zu warten. Ein furchtbar ohnmächtiges Gefühl.

Inzwischen besucht Sonea die zweite Klasse ihrer Grundschule. Wir haben den Schritt nicht bereut sie inklusiv zu beschulen. Sonea lernt in ihrem eigenen Tempo und wird in ihrem Schulalltag von ihrer Schulbegleitung, der Mutter einer früheren Kita-Freundin, unterstützt. Sonea hat das große Glück in einem Klassenverband zu sein, in dem die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse zusammen unterrichtet werden. Das nimmt ihr den Druck, denn natürlich ist sie aktuell nicht auf dem Stand einer fast Drittklässlerin.

Sonea liest sehr gerne und macht das inzwischen richtig gut. Das Schreiben bereitet ihr dagegen mehr Schwierigkeiten, aber das hindert sie nicht daran uns „Strafsedel“ zu schreiben, wenn sie sauer auf uns ist oder aber Party-Einladungen zum „Kpostak“ zu schreiben. Denn Sonea hat nicht nur ein Chromosom mehr, sondern auch gefühlt 389 Mal im Jahr Geburtstag. Sonea liebt es zu feiern, zu tanzen und (leider) auch zu singen. Und vor allem liebt sie es unter Menschen zu sein.

Inzwischen ist sie in ihrer Schule voll und ganz angekommen und laut der Lehrer und soweit wir das mitbekommen voll inkludiert und beliebt. Die größten Probleme im Schulalltag sind, dass Sonea sich inzwischen so „zu Hause“ fühlt, dass sie sich gerne mal vor ihrer Schulbegleiterin versteckt oder zu Erwachsenen frech wird.

In den Osterferien haben wir das erste Mal das Angebot der Ferienbetreuung in Anspruch genommen. Der offene Ganztag bietet in allen Ferien ein Programm an, für das man sein Kind anmelden kann. In der Theorie eine tolle Sache für uns als beide in Vollzeit tätigen Eltern und sicherlich auch spannender fürs Kind als ein Tag zusammen mit Mama im Homeoffice. In der Praxis bedeutet das für uns aber ein weiterer Schwung Anträge. Eine Begleitung für die Ferienzeit muss bei der Stadt bzw. dem Sozialamt beantragt werden. Dann muss eine Vertretung für die Schulbegleitung organisiert werden (was in den Ferien leichter ist als im Schulalltag) und letztendlich muss auch noch ein Antrag für die Schulwegbeförderung während der Ferienzeit beantragt werden (diese haben wir aber in den Ferien selbst organisiert). Es war Soneas eigener Wunsch am Programm der Ferienbetreuung teilzunehmen und ich war ein wenig nervös, weil ich Angst vor Folgen für den normalen Schulalltag hatte, sollte es ihr nicht gefallen. Aber meine Sorgen haben sich nicht bestätigt. Sie hat die zwei Ferienwochen sehr viel Spaß gehabt.

Sonea geht sehr gerne zur Schule. Wir haben keine Erwartung an sie. Sie muss kein Abitur machen und studieren. Wir wollen einfach nur, dass sie die besten Bedingungen hat alles an Wissen mitzunehmen und Lernbedingungen die es ihr erleichtern einen selbstbestimmten Weg zu gehen.

Sonea möchte später einmal im Krankenhaus arbeiten. Und ich habe keine Zweifel daran, dass sie irgendwann mal vielleicht als Pflegehilfskraft tätig ist. Wenn denn unsere Gesellschaft dafür bereit ist und sie lässt.

Allen Eltern, die sich aktuell oder in wenigen Monaten in einer ähnlichen Situation befinden wie wir vor gut 2 1/2 Jahren und ihr Kind inklusiv beschulen wollen, kann ich nur den Familienratgeber der Aktion Mensch ans Herz legen.

Der Familienratgeber wurde rundum überarbeitet und bietet nicht nur rund um die Themen Kindergarten, Schule und andere Lebensphasen viele hilfreiche und nützliche Informationen. Es gibt ebenfalls die Kategorien Schwerbehinderung, Rechte und Leistungen sowie Beratung und Hilfe. Damit ist der Familienratgeber ein umfassendes Nachschlagewerk mit vielen nützlichen Tipps.

Dieser Beitrag wurde von der Aktion Mensch gesponsert. Die Inhalte und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen.