Alle Artikel in: Mein Leben mit dem Besonderen

Mein Leben mit dem Besonderen #101 Einfach Theo

Für mich wurde mein Leben besonders „besonders“, als mein zweiter Sohn auf die Welt kam. Theo sollte er heißen und heute bin ich mir sicher, wir hätten keinen besseren Namen für unseren Kleinen finden können. Dass es nicht einfach werden würde, war mir klar. Schließlich haben die beiden Jungs gerade mal einen Abstand von 23 Monaten. Aber zu dem Zeitpunkt wusste eben auch noch niemand, dass Theo etwas Besonderes mitbringen würde. Die Geburt verlief wie erwartet – Theo kam per Kaiserschnitt auf die Welt. Wie auch beim Großen hatte ich leider keine andere Wahl. Aber man macht eben das Beste daraus und so konnte ich mir immerhin ein besonders schönes Datum für seinen Geburtstag wählen. Es war alles gut, ich durfte ihn kurz im Arm halten, ein paar Tränchen flossen und schon war mein Mann mit Theo, der Hebamme und dem Fotoapparat im Kreißsaal. Als er wieder zu mir zurückkam, strahlte er bis über beide Ohren. Unser kleiner Sonnenschein war endlich bei uns! Im Kreißsaal angekommen, haben wir Theo direkt angelegt und er gab alles! …

Mein Leben mit dem Besonderen #100 Das Geschenk eines Lebens 🦋

Jede Mutter weiß wie es ist, wenn die Geburt naht. Es ist die innere Unruhe, es ist der Wunsch sich zurückziehen zu wollen, für sich zu sein, sich ein sicheres Nest zu bauen….ich durchlebe das jedes Jahr, immer im April, seit 9 Jahren. Nur ist es nicht die anstehende Geburt meiner Tochter – nein, es ist ihr Todestag. Am 24. April. Und doch gleichen sich die Empfindungen sehr, denn ich weiß nie was mich erwartet, ich weiß nie wie groß der Schmerz sein wird, ich weiß nie wie lange es dauern wird, bis ich wieder atmen kann, ohne dass es weh tut. Was ich weiß, ist – wenn dieser Tag vorbei ist, wenn die Uhrzeit vorbei ist, dann wird mein Herzschlag ruhiger. Ich bin nicht mehr so angespannt, so dünnhäutig, so empfindlich auf alles Ebenen des Seins. Das Rauschen in meinem Kopf lässt nach, es kehrt etwas an Ruhe ein. In meiner Seele, in meinem Herzen, in meinem Bauch und in meiner Brust. Ich kann wieder besser atmen. Und dann ist da ja auch noch …

Mein Leben mit dem Besonderen #99 Rollstuhltrampolin

Guten Morgen zusammen ☺ Wir hatten schon das eine oder andere Mal das Vergnügen, erinnert Ihr Euch? Ich schreibe ab und an ein paar Zeilen über meinen Lieblingsbruder Nils und unsere Version des Lebens mit dem Besonderen. Heute geht eher am Rande um Nils, auch wenn er natürlich höchst engagiert dabei war. Ich sitze grade im Zug, es ist 6 Uhr morgens und eigentlich deutlich zu früh dafür sich irgendwo anders zu befinden als maximal am Frühstückstisch. Trotzdem habe ich es irgendwie vermisst – darf man das sagen? Das kommt wahrscheinlich auf den Kreis der Leser an. Denn im Gegensatz zu meinen letzten Gastauftritten hier, bin ich im vergangenen Jahr im Kreis der Mütter angekommen und arbeite seit einiger Zeit wieder. Das beinhaltet Dienstreisen in die Zentrale, wo ich vor meiner Elternzeit regelmäßig war und die dann mit dem Mutterschutz natürlich abrupt endeten. Die eine oder andere Mutter, die beruflich stark eingespannt war, flüstert es, laut sagen darf man es eigentlich gar nicht – es kann ganz schön langweilig werden, wenn man plötzlich daheim sitzt. …

Mein Leben mit dem Besonderen #98 Ohne Bauch, aber mit ganz viel Herz

Gerne möchte ich auch über das Besondere in unserer Familie erzählen. Wir sind eine Großfamilie der besonderen Art, denn zu unserer Familie gehören zwei Herzenskinder, 2 Bauchmamas, 2 Bauchpapas und insgesamt 7 leibliche Geschwister. Unsere Herzenskinder sind nicht blutsverwandt aber herzverwandt. Und alles kam so: nach vielen Jahren unerfülltem Kinderwunsch blieben uns 2 Alternativen. Entweder der Weg einer künstlichen Befruchtung oder der einer Adoption/Pflegschaft. Nach einem intensiven Überlegungswochenende in Holland, was denn unser Weg sein könnte, haben wir uns gegen eine künstliche Befruchtung und für eine Adoption entschieden. Es folgte ein intensives Vorbereitungsjahr, unser bisheriges Leben musste offen gelegt werden und doch war uns die ganze Zeit klar: Das ist unser Weg, irgendwann dürfen wir eine Familie sein! Dann kam die Zeit des Wartens und manchmal war es wirklich unerträglich. Die Ungewissheit, wird es jemals zu einer Vermittlung kommen, der plötzlich fehlende Aktivismus, die unzähligen Fragen: Wann bekommt ihr denn euer Kind? Nach 15 Monaten warten war es dann an einem Augusttag soweit. Der ersehnte Anruf kam und die Welt blieb stehen. Das war der …

Mein Leben mit dem Besonderen #97 Mein Leben im Wartesaal

An meinem Hochzeitstag, einem sonnigen September Samstag, stach mich eine Wespe in den Finger und sofort fiel mir dieser Spruch ein, den Mütter ihren Kinder zu flüstern, wenn sie sich wehgetan haben: „Es wird alles gut, bis du heiratest, ist es wieder gut“.  Ich kannte meinen Mann damals schon seit 9 Jahren. Wir hatten uns gut geprüft, bevor wir uns ewig binden würden und waren Willens in guten und in schlechten Zeiten zueinander zu stehen, einander zu lieben und zu stützen. Dieses Versprechen gewinnt nun für mich eine ganz besondere Bedeutung, denn ich kann wirklich und wahrhaftig sagen, dass ich den perfekten Mann ausgesucht habe. Den, der immer bei mir ist und an meiner Seite steht. Ich heiße Katrin, bin 42 Jahre alt und lebe in Berlin. Ich bin glücklich verheiratet und wir haben einen wundervollen 10-jährigen Sohn. Meine Jungs sind mein seelisches Ein und Alles, meine Stütze. 2013 ging es mir von einem auf den anderen Tag schlecht. Ich war schlapp, müde, völlig kaputt und wusste nicht so genau woher. Zuvor hatte ich eine …

Mein Leben mit dem Besonderen #96 Normal und irgendwie doch nicht normal

Nach außen hin sieht man uns als Familie. Familie mit 3 Kindern, 2 Hunden, Haus und so. Schaut man genauer hin, sieht man 2 Mädchen, 11 Jahre alt und 9 Jahre alt und einen lebhaften Jungen 5 Jahre alt. Eine Frau, Mutter, 35 Jahre alt und einen Mann, Vater, 45  Jahre alt. Und wieder sieht man nichts besonderes. Eigentlich. Aber unsere Älteste ist besonders. Mal mehr, mal weniger. Sie ist anders als andere. Sie leidet seitdem sie 6 ist unter Verlustängsten. Es kam für uns von jetzt auf gleich. Emmely kam überraschend in unser Leben, aber nicht weniger geliebt. Im Gegenteil. Aber wie die Schwangerschaft eine Überraschung und eine Herausforderung war, waren es auch ihre ersten Monate. Sie war ein Schreikind. 6-8 Std. am Tag. Nachdem wir als „Ersteltern“ alles durch hatten von Schreiambulanz, Ostheopath bis hin zu diversen Ärzten, war klar: Sie ist ein klassisches Schreikind. Zeitweise dachte ich sie wächst an mir fest. Ich konnte sie nicht ablegen. Nach 6 Monaten wurde sie ruhiger, ausgeglichener und entwickelte sich wie alle anderen Babys. War …

Mein Leben mit dem Besonderen #95 Ein Zuhause voller TCKs

Ich zähle zu den Lesern, die sich jeden Freitag auf einen neuen Beitrag dieser besonderen Rubrik freuen. Als „Mein Leben mit dem Besonderen“ noch in den Kinderschuhen war, habe ich bereits einen Artikel dafür geschrieben. In Beitrag Nr. 10 habe ich unseren Sohn Josia vorgestellt, der wie Sonea das Down Syndrom hat. Inzwischen ist er knapp 4 Jahre alt  und ich könnte hier jede Menge Geschichten aus unserem Alltag mit ihm erzählen, denn er hält uns wirklich sehr auf Trab! Aber heute möchte ich über etwas ganz anders schreiben. Wer unseren Beitrag damals gelesen hat, mag sich vielleicht noch vage daran erinnern, dass wir im Ausland leben. Dies war bis vor wenigen Monaten auch noch der Fall, aber seit Mitte 2016 sind wir zurück in Deutschland. Und das nicht wie sonst üblich für einen Besuch, sondern so richtig. Wir haben unseren kompletten Hausrat aufgelöst, die Projektarbeit an unsere Teamkollegen übergeben und sind mit unseren Kindern, unzähligen Koffern und unserer Katze nach Deutschland geflogen.  Für mich ist es eine Rückkehr in die alte Heimat, auch wenn …

Mein Leben mit dem Besonderen #94 Besonders

Ich habe viele Besonderheiten. Es fing schon früh an. Ich heiratete meine Jugendliebe. Das war besonders schön. Die nächste Besonderheit, wir sind immer noch verheiratet, glücklich. Auch besonders. Seit 23 Jahren. Besonders. Mittlerweile 6 Kinder. Besonders, vor allem weil es in meiner Jugend hieß, sie können auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen. Unser letztes Kind ist ganz besonders. Zerebrale Parese. Ich wollte besonders schöne Begebenheiten erzählen. Und schwups, mischt sich diese Aussage dazwischen. Und wieder kullern die Tränen bei mir. Ich wollte so viel. Wollte diese Besonderheit positiv sehen. Ich kann es noch nicht. Ich lerne noch daran. Ich will aus meinem Leben erzählen. Vor allem von unserer größten Besonderheit. Ich muss ein bisschen weiter ausholen. Bei der Jugendliebe. Sehr früh haben wir uns kennengelernt. Für mich früh. Neunzehn war ich. Als wir uns das erste mal sahen, wussten wir, wir gehören zusammen. Die Hälften wurden zusammengefügt. Ein besonderes Gefühl, als ob du jemanden schon immer kennst, gleiche Ansichten hast, alles stimmt. Meine Familie war dagegen. Einen geduldeten Ausländer. Wir haben trotzdem geheiratet. Ohne Familie. …

Mein Leben mit dem Besonderen #93 Von der Angst nicht der Norm zu entsprechen

Als ich mit meinem ersten Sohn im dritten Monat schwanger war, waren wir im Urlaub an der Ostsee. Dort am Strand schlief ich in der Sonne ein und erwachte, nachdem mein Oberkörper, vor allem Gesicht, Dekolleté, Brust blaurot verbrannt waren. Ich denke da heute noch dran, weil ich mich manchmal frage… ob durch diese intensive Sonneneinstrahlung irgendwelche (vielleicht toxischen?) Vorgänge in meinem Körper abgelaufen sind, die meinem Jungen damals im Embryostadium geschadet haben? Die Geburt selbst war, denke ich, normal. 28 Stunden Wehen, der Kopf geboren, als ich beschloss: „Tut mir leid, ich kann nicht mehr, ich geh jetzt nach Hause“ – und sich die Hebamme auf meinen Bauch warf, mit beiden Unterarmen drückte, bis der Junge ganz auf der Welt war. Das war im Februar 1990. Ein liebes Baby mit einem normalen Schlafrhythmus – bis zu seinem 7. Monat. Im September weinte er oft nachts – oft und vor allem lange. Mindestens eine Stunde lang, später länger. Durch nichts ließ er sich beruhigen, weder durch trinken noch Windeln wechseln noch herumtragen. Oder ihn mit …

Mein Leben mit dem Besonderen #92 Die Krankheit heißt „Der doofe Dieter“

Als unser erstes Kind, ein Sohn, 2 Jahre und 7 Monate war, kam zwei Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin unsere Tochter zur  Welt. Ich hatte eine sehr schnelle, anstrengende Geburt und wurde nach drei Tagen gesund mit dem Baby nach Hause entlassen. Am 5. Tag ihres Lebens wurde unser Mädchen dann ganz schnell wieder ins Krankenhaus eingewiesen, das Neugeborenen-Screening zeigte einen sehr, sehr hohen TSH Wert. Unsere Diagnose lautet also seit Tag 5 konnatale Hyopthyreose – Schilddrüsenüberfunktion. Gut, damit können wir und unsere Tochter leben. Aber im 4., 5. Lebensjahr wurde unser Mädchen, die dann schon eine Brille trug, immer starrer im Gesicht, tapsiger. Sie fiel oft hin. Irgendwas war komisch. Zum Glück war die unserem Wohnort zugeordnete Grundschule eine für normale und für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, bevorzugt körperlich – motorisch. Wir waren hier also richtig. Unser Mädchen ist ein fröhliches Kind, sie kann es durch ihre Mimik leider nicht zeigen, der Mund ist ständig offen, Lachen geht nicht. Dadurch denken viele, dass unser Kind auch geistig krank ist. Sie läuft mit einer Orthese …