Alle Artikel in: Mein Leben mit dem Besonderen

Mein Leben mit dem Besonderen #93 Von der Angst nicht der Norm zu entsprechen

Als ich mit meinem ersten Sohn im dritten Monat schwanger war, waren wir im Urlaub an der Ostsee. Dort am Strand schlief ich in der Sonne ein und erwachte, nachdem mein Oberkörper, vor allem Gesicht, Dekolleté, Brust blaurot verbrannt waren. Ich denke da heute noch dran, weil ich mich manchmal frage… ob durch diese intensive Sonneneinstrahlung irgendwelche (vielleicht toxischen?) Vorgänge in meinem Körper abgelaufen sind, die meinem Jungen damals im Embryostadium geschadet haben? Die Geburt selbst war, denke ich, normal. 28 Stunden Wehen, der Kopf geboren, als ich beschloss: „Tut mir leid, ich kann nicht mehr, ich geh jetzt nach Hause“ – und sich die Hebamme auf meinen Bauch warf, mit beiden Unterarmen drückte, bis der Junge ganz auf der Welt war. Das war im Februar 1990. Ein liebes Baby mit einem normalen Schlafrhythmus – bis zu seinem 7. Monat. Im September weinte er oft nachts – oft und vor allem lange. Mindestens eine Stunde lang, später länger. Durch nichts ließ er sich beruhigen, weder durch trinken noch Windeln wechseln noch herumtragen. Oder ihn mit …

Mein Leben mit dem Besonderen #92 Die Krankheit heißt „Der doofe Dieter“

Als unser erstes Kind, ein Sohn, 2 Jahre und 7 Monate war, kam zwei Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin unsere Tochter zur  Welt. Ich hatte eine sehr schnelle, anstrengende Geburt und wurde nach drei Tagen gesund mit dem Baby nach Hause entlassen. Am 5. Tag ihres Lebens wurde unser Mädchen dann ganz schnell wieder ins Krankenhaus eingewiesen, das Neugeborenen-Screening zeigte einen sehr, sehr hohen TSH Wert. Unsere Diagnose lautet also seit Tag 5 konnatale Hyopthyreose – Schilddrüsenüberfunktion. Gut, damit können wir und unsere Tochter leben. Aber im 4., 5. Lebensjahr wurde unser Mädchen, die dann schon eine Brille trug, immer starrer im Gesicht, tapsiger. Sie fiel oft hin. Irgendwas war komisch. Zum Glück war die unserem Wohnort zugeordnete Grundschule eine für normale und für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, bevorzugt körperlich – motorisch. Wir waren hier also richtig. Unser Mädchen ist ein fröhliches Kind, sie kann es durch ihre Mimik leider nicht zeigen, der Mund ist ständig offen, Lachen geht nicht. Dadurch denken viele, dass unser Kind auch geistig krank ist. Sie läuft mit einer Orthese …

Mein Leben mit dem Besonderen #91 Beziehungswaise

Ich bin 24 Jahre alt und hatte noch nie einen Freund.  Aber ich fange lieber etwas weiter vorne an… geboren worden bin ich in die Arme meiner Mutter, zu der ich auch heute noch eine sehr enge Beziehung habe. Einen Vater gibt es zwar, den kenne ich aber kaum. Mein Opa ist früh gestorben und mit der restlichen Familie habe ich relativ wenig Kontakt. Später war ich auf einem Mädchengymnasium  und habe einen sehr frauenlastigen Beruf ergriffen – ich bin Erzieherin. Männer waren also immer „fremde Wesen“ für mich – und ja, das Lied von den Wise Guys darf gerne mitgesungen werden 😉 In meiner Ausbildung habe ich mich mit dem einzigen Kerl aus der Klasse angefreundet. Er ist ein sehr besonderer Mensch und wir hatten eine sehr besondere Beziehung zueinander, die am Ende durch zu viele Gefühle (positive und negative und das von uns beiden) und ein paar anderen Faktoren zerbrochen ist – und mein Herz gleich mit. Heute blicke ich aber mit einem Lächeln auf zwei ganz besondere und schöne Jahre zurück… 🙂 …

Mein Leben mit dem Besonderen #90 Besonders normale „Problemchen“

Ich liebe deine Rubrik über besondere Kinder, besondere Eltern, besondere Umstände. Man wird demütig vor dem Leben! Man lernt etwas über Liebe und Hingabe (in ihrer reinsten Form)! Und man sieht seine Problemchen nicht mehr in so einem hellen Licht, als seien sie von einem Scheinwerfer angestrahlt. Das ist auch der Grund, warum ich mich immer davor gescheut habe, für die Rubrik zu schreiben. Ist es denn ein „Problem“? Ist es „groß“ genug? Und natürlich auch: Möchte ich mich so öffnen? Sollen so viele Menschen davon wissen? Andererseits habe ich nicht nur die Texte, sondern auch die Kommentare gelesen und vertraue deinen Lesern in der Hinsicht ein Stück weit. Und ich möchte – ganz egoistisch – nicht, dass die Rubrik „stirbt“. Also, ich habe zwei besondere Kinder. Es sind Mädchen und sie sind 7 Jahre und ganz frisch 11 Jahre alt. Sie sind besonders, weil sie einfach einzigartig sind – so wie es jeder Mensch ist. Und sie sind besonders, weil sie für meinen Mann und mich besonders sind, weil ich mir ein Leben ohne …

Mein Leben mit dem Besonderen #89 Neurodermitis

Mein allgemeines Leben ist nicht sonderlich spektakulär: Ich bin 28 Jahre alt, verheiratet und Mama einer 7-jährigen Tochter und eines 1-jährigen Sohnes. Das „Besondere“ oder, wie ich selbst finde, eher „Leidliche“ an meinem Leben ist, dass ich, seit dem ich ein Baby war, mit Neurodermitis leben muss… Meinen Eltern wurde früher immer weis gemacht, dass die Krankheit mit der Pubertät verschwinden würde, aber davon wusste mein Körper nichts oder hat sich zumindest nicht an die Behauptungen der Ärzte gehalten. Laut meinen Eltern nahm meine Krankheit die extremsten Ausmaße an als ich ein Kleinkind war: Meine Haut war fast überall offen und tägliche bzw. nächtliche Salbenverbände gehörten zum Alltag dazu. Dies war die Zeit in der ich körperlich am meisten darunter litt. Als ich ein wenig älter wurde, wurden die akuten Schübe etwas weniger schlimm und lang … oder die Medizin einfach besser. Das kann ich selbst nicht so beurteilen. Jedoch kam etwas anderes fieses hinzu, dass viele, die mit Neurodermitis kämpfen kennen werden: Asthma! Zu meinem „Glück“ leide ich nur unter Belastungsasthma, so dass ich …

Mein Leben mit dem Besonderen #88 Depressionen

Heute habe ich mich endlich aufgerafft um meine Geschichte zum Leben mit dem besonderen aufzuschreiben. Auch wenn ich mir nicht wirklich sicher bin ob mein Leben so besonders ist. Den eigentlich ist mein Leben ganz normal, ich fühle weder mich besonders, noch mein Leben… Erzählen möchte ich von meiner Familie. Mein Mann ist depressiv. Genau jetzt ist der Moment wo betretenes Schweigen einsetzt, wenn man einem Menschen davon erzählt. Depressionen gehören zu den Krankheiten welche in der Gesellschaft noch immer versucht werden zu verheimlichen.  Denn schließlich ist es ja eine „Kopfmacke“ und wer gibt schon gerne zu, dass er im Kopf „nicht ganz richtig“ ist.  Das macht mich sauer, denn das führt dazu, dass sich Betroffene erst viel zu spät ihr Problem eingestehen. Sich keine Hilfe suchen oder erst so spät. Dabei könnten sie sich viel ersparen, wenn sie sich gleich Hilfe gesucht hätten.  Warum ich das schreibe, weil sich vorige Woche der Bruder meines Mannes zweimal versucht hat das Leben zu nehmen. Beide Male konnte er gerettet werden.  Bis heute sieht er aber nicht …

Mein Leben mit dem Besonderen #87 Charlotte….

Von Anfang an lese ich diese Rubrik und warte immer schon auf den nächsten Freitag. Auch wollte ich schon lange meine bzw. unsere Geschichte erzählen, wusste aber nie genau wie, es sollte ja nie ein zu großes Chaos werden, und doch wollte ich jedem unserer Kinder gerecht werden. Meine Lösung, ich erzähle einfach von jedem Kind einzeln… So beginne ich mit der ersten Schwangerschaft…. Ungeplant, wie wahrscheinlich so oft….. Aber trotzdem habe ich mich gefreut, viel Ungewisses, denn wir lebten in verschiedenen Städten und alles warf einfach viele Fragen auf…. Die Schwangerschaft verlief auch ganz reibungslos, die Entwicklung des Kindes war gut, ich habe nur die normalen Ultraschall machen lassen, dies war auch sehr im Sinne meines anthroposophischen Arztes….Hebamme gefunden und auch einen Geburtsvorbereitungskurs besucht…. Also nach Plan, alles nach Buch….. In der 32. Schwangerschaftswoche begann es dann mit einem Ziehen im Bauch. Zuerst dachte ich, ok, vielleicht senkt sich das Baby, aber übers Wochenende wurden die Schmerzen immer schlimmer bis ich dann meiner Hebamme anrief, diese meinte: fahr sofort ins Krankenhaus und lasse nachschauen…. …

Mein Leben mit dem Besonderen #86 Links oder Rechts?

Mit der linken oder rechten Hand schreiben, ist egal? Durchaus nicht! Linkshänder wurden  früher umgeschult Früher war es verpönt, mit der linken Hand zu schreiben. Die Welt wird von Rechtshändern dominiert, auch heute noch. Wenn Linkshänder früher in die Schule kamen, wurden sie auf die rechte Seite umgeschult, oft mit fatalen Folgen für das ganze Leben. Die Umschulung ist schädlich Eines Tages stand eine junge Frau in meiner Praxis. Sie sagte, dass sie lesen könne, aber sie sei Analphabetin. Bald stellte sich heraus, dass sie eigentlich Linkshänderin ist, aber in der Schule mit der rechten Hand schreiben musste. Das verwirrte sie komplett. Sowohl in Deutsch als auch in Mathe hatte sie große Probleme, stieß in der Schule und zu Hause auf völliges Unverständnis. Nach der Ausbildung beschloss sie, dass sie Analphabetin ist und schrieb nichts mehr, keine SMS, keine Karte, nichts. Erst mit 36 Jahren traute sie sich und stellte sich ihrem Problem. Sie erlernte das richtige Schreiben in zwei Jahren Lerntherapie. Die erste Karte, die sie im Urlaub schrieb, schickte sie mir. Warum ist …

Mein Leben mit dem Besonderen #85 Warum haben wir zehn Finger

Auf diese Frage habe ich keine Antwort und die Wissenschaft streitet sich noch darum. Fakt ist, dass Finger wichtig sind und besonders Fingerspiele. Warum? Fingerspiele regen die Sinne der Kinder an, und vor allem das Gehirn. Das Lernen funktioniert am besten mit Bewegung. Sie regen den Wortschatz an, entwickeln erste Zahlenvorstellungen, entwickeln die Freude am Hören und Wiedergeben unterschiedlicher Melodien und Rhythmen. Sie fördern die Konzentration der Kinder und schulen das Gedächtnis. Ein sehr schöner Effekt ist außerdem, dass positive Beziehungen zwischen Bezugsperson und Kindern und auch das Gruppengefühl gefördert werden. Im Kindergarten und in der ersten Klasse dürfen die Kinder noch mit den Fingern rechnen. Das ist auch sehr gut, wiederum der direkte Weg zum Gehirn. Und worauf baut das gesamte Zahlensystem auf? Auf der Zehn! Doch schon bald dürfen die Kinder nicht mehr mit den Fingern rechnen. Warum dürfen Schulkinder nicht mit den Fingern rechnen? Weil die Kinder im Kopf rechnen sollen und im Besonderen die Zehnerzerlegung können müssen. Es gibt jedoch Kinder, die die Zehnerzerlegung und das Rechnen im Hunderterbereich nicht beherrschen …

Mein Leben mit dem Besonderen #84 F.

In beiden Schwangerschaften bin ich in der 8. Woche zu meiner Ärztin gegangen und habe scherzhaft gesagt. „Ich möchte von Ihnen hören, dass es an der richtigen Stelle sitzt und dass es NUR eines ist!“ 😀 Beide Male hatte ich das Glück 😉 Und außer der obligatorischen Müdigkeit hatte ich in beiden Schwangerschaften keinerlei Beschwerden. Auch dafür bin ich unsagbar dankbar. Der Unterschied zur ersten Schwangerschaft zeigte sich während der Nackenfaltenmessung: Massiv verdickt und ein zu schnell schlagendes Herzchen. Es folgten die Überweisung in eine Pränatal-Praxis, ein genetisches Aufklärungsgespräch, eine Plazenta-Biopsie. Zudem sprach der Pränatal-Mediziner davon, dass er den typischen Vier-Kammer-Blick des Herzens nicht darstellen könnte. Zwei Tage später der Anruf, dass bisher alles unauffällig war und zwei Wochen später einen Brief mit dem Ergebnis, dass die chromosomale Aufschlüsselung des Gewebes keinerlei Hinweise auf Trisomie 13, 18 oder 21 ergeben habe und man uns zur weiterführenden Diagnostik ein frühes Organscreening in der 19. Woche empfehlen würde. Und dass wir eine Tochter bekommen würden. Eine zweite. Das positive stand nämlich am Schluss 😉 Ein paar Wochen …