ja ich glaube, so kann ich es nennen. Der Tag, an dem es für meinen Seelenfreund, meine große Liebe und den Vater meiner Söhne, die Diagnose Krebs gab.
Krebs, so sagen meine Söhne, ist ein Kackapupsgesicht. Ja das ist er. Er ist kalt, herzlos und er fragt nicht: hast Du Kraft dafür?
Nach vielen Wochen, in denen kein Arzt wusste, woher Torsten diese unendlichen Schmerzen hatte, stellte man ein Meningeom ( Hirntumor) fest. Die Art, die er hatte, tritt normal bei Kindern auf. Er war 27 Jahre alt. Leider tropfte dieser Tumor ins Rückenmark, was natürlich zu Lähmungen führte.
Ehrlich und offen redeten die Ärzte mit uns, ja sie sagten uns was alles auf uns zukommen kann. Wir waren bereit, wir waren eine Einheit, ein Duett das einander durch diese Strecke helfen würde.
Nach den ersten jeweils fast 10 stündigen OPs, waren wir optimistisch, gingen aufrecht, positiv an alles. Bis eines Tages Torsten einfach zusammenklappte, wieder Schmerzen im Rücken. Zurück in der Klinik, der Schlag ins Gesicht. Der Tumor ist gewachsen, rasend schnell. Sofort OP. Die Lähmung blieb, aber das war egal. Wir wollten gewinnen. Wir haben 2 Söhne, die Ihren Papa brauchen. Ob im Rollstuhl oder nicht, aber er soll da sein.
Die Bestrahlung begann und ich erinnere mich an den Morgen, als ich neben Torsten aufwachte, wie immer durch sein Haar strich um ihn zu wecken. Meine Hand war voller Haare. Der Schock, nichts anmerken lassen, tapfer bleiben, obwohl ich einfach nur weinen wollte.
Aber wie wir waren, haben wir das Beste daraus gemacht und so gab es mittags eine echt coole rasierte Frisur.
Die Wochen verstrichen. Wir redeten viel. Anders, tiefsinniger, planend, auch für den schlimmsten Fall. Die Zeit mit unseren Prinzen wurde viel intensiver genutzt und ich glaube wir waren einander so nah wie nie.
Im September holte uns die Realität ein. Ein Herpes Virus infizierte Torstens Gehirn. Er fiel ins Koma. 8 Wochen Angst, Wut, Panik. Ich weiß nicht wann ich geschlafen habe oder gegessen. Wann ich nicht geweint hab. Was sag ich den Kindern, wie geht es weiter….
Aber Torsten war schon immer ein Superheld und ja er hat den Herpes besiegt, seine Augen geöffnet. Es war viel zerstört, viel einfach weg. Wie die Namen unserer Kinder, oder auch meiner. Er wusste selten wer ich bin, oder dass es seine Söhne sind und nicht sein kleiner Bruder.
Was geblieben war, war die Liebe. Die Verbundenheit. JA man! Wir rocken auch das.
Meine Kräfte schwanden immer mehr. Ich war eine Hülle. Leer, müde, kaputt. Nur aufrecht, um meine Söhne und meine schwerstbehinderte Schwester zu versorge und natürlich Torsten.
In diesen Tagen waren meine 2 besten Freundinnen der einzige Halt. Die auch mal Last abnahmen, wo das Leben nur noch drauf haute. Dafür liebe ich Sie jeden und jeden Tag.
Und eines Tages, frag mich nicht warum, wieso weshalb und warum, klopfte die Liebe an meine Tür. Es war Zeit zu akzeptieren, dass Torsten niemals zu uns zurück kommt, er niemals mehr so sein wird wie früher. Er nicht mehr er war.
Und so verliebte ich mich, einfach so. In den besten Freund von Torsten, das was er immer gesagt hat als er krank war: wenn ich sterbe, heiratest DU Pascal.
Ich war immer sauer, wenn er das sagte und ja auch in diesem Moment . Hatte er doch Recht gehabt.
JA, wir lebten in einer echt schrägen Patchwork Familie. Ich hatte quasi 2 Männer und 2 Kinder. Aber das waren wir, wir 3 und die Kids. Ich weiß nicht wie viele Stunden wir im Pflegeheim bei Torsten verbracht haben. Wir haben gelacht, dummes Zeug gemacht. Manchmal hab ich ihm nur beim Schlafen zugesehen und mich gefragt, wer mich eigentlich gefragt hat, ob ich das alles ertrage.
Und ey man, wer hat ihn gefragt? WARUM ER? Warum der Mensch, mit dem größten und reinsten Herz? Warum?
Und dann kam der 26.08., der Tag, der die Welt zum Stillstand brachte. Der Anruf, die Stimme, die mir sagte: Frau Ewen wir müssen Ihnen mitteilen, dass ihr Mann friedlich eingeschlafen ist.
Bähm! Was? Wo? Wer?? Nein!
Ich hab nur geschrien, einfach nur geschrien. Wer hat das erlaubt, wer hat ihm gesagt, er darf gehen? Wer?? Bleib hier! Wir brauchen Dich: die Kinder, ich, Pascal, deine Eltern..
Ich weiß nicht wie lange ich neben ihm noch gesessen habe , so friedlich war er, so zufrieden. ER war ein Seelenvogel geworden. Er spannte seine Flügel auf und flog einfach davon.
Er war da, der Tag um Abschied zu nehmen. Nein niemand hat gefragt, ob meine Kinder bereit dafür sind, ich oder seine Eltern. Das Leben ließ kurz die Welt still stehen, um dann einfach weiter zu laufen .
Heute bin ich dankbar, dass ich nicht alleine war. Dass mein Pascal an meiner Seite ging. Dass er in die Rolle des Papas geschlüpft ist, ohne zu zögern. Dass ich eine riesen Patchworkfamilie habe. Dass fast kein Tag vergeht, an dem wir nicht von Torsten reden.
Unser Haus ist geschmückt mit Erinnerungen von ihm. Fotos von Zeiten, die anders waren.
Das Leben gab mir die Aufgabe und ich habe sie angenommen. Ich habe gekämpft. Ich habe verloren, aber ich habe auch gewonnen. Denn ich habe das wundervollste der Welt täglich um mich: unsere Kinder. Die lebende Erinnerung an meinen Seelenverwandten.
Würde er mich heute sehen, so wüsste ich, er würde still meine Stirn küssen und leise flüstern: Peaches alles richtig gemacht.
Ich vermisse Dich jeden Tag, mein Muppi, aber irgendwann werden wir zwei uns wiedersehen.
