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Spaziergespräche #4 Kacktusse

Ich schlendere mit Simon und dem Plüsch an der Leine durch die Gänge im Baumarkt.

„Was machen wir hier, Mama?“.

Die offizielle Antwort lautet „Ich suche einen ganz bestimmten Kaktus“. Inoffiziell genieße ich einfach nur die Freiheit mit dem Kind an der einen und dem Hund an der Leine in der anderen Hand durch ein Geschäft zu gehen, ohne dass vor der Ladentüre ein dickes Schild prangert „Wir müssen leider draußen bleiben“ und mich vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Im Baumarkt fühle ich mich neuerdings also ganz besonders willkommen. Und heute habe ich auch nicht das Ziel ein paar neue Schuhe zu shoppen, sondern einen Kaktus.

Wenige Minuten später erreichen wir die Pflanzenabteilung.

„Da Mama, da sind Kacktusse!“ ruft Simon ganz aufgeregt, während ich den hektisch schnuppernden Plüsch von einem Regal ziehe.

Ich unterdrücke ein lautes Lachen und sage nur „Kakteen! Der Plural von Kaktus ist Kakteen… also ein Kaktus, viele Kakteen. Kacktusse ist etwas anderes.“

Aber mein Sohn wäre nicht mein Sohn, wenn das Gespräch an dieser Stelle zu Ende wäre…

„Was sind denn Kacktussen?“

„Ääääähm, das sind, das sind… sehr unsympathische, stark geschminkte Frauen.“

„Kannst Du mir mal eine Kacktusse zeigen, Mama? Gibt es hier im Baumarkt eine Kacktusse?“

„Ich suche Dir zu Hause mal ein paar Bilder von echten Kacktussen raus…“

An der Kasse zupft Simon mir am Shirt und flüstert „Maaaaa-maaa!“

„Mhhhhhmmm…?“

Mein Blick wandert in die Richtung, in die mein Sohn starrt und stelle fest, dass er zumindest das Prinzip Tussi verstanden hat.

Schuhe gab es trotzdem. Zwar nicht im Baumarkt und auch nicht für mich, dafür für die Kinder. Sie haben im Sommer beide einen kräftigen Schub in alle Richtungen gemacht und Simon trägt inzwischen Schuhgröße 33.

Die coolen Ledersneaker von Naturino hat Herr Sonnenschein diesmal zusammen mit Simon ausgesucht. Ich finde, die beiden haben einen guten Geschmack. Durch den seitlichen Reißverschluss ist man dort auch trotz Schnürsenkel schnell reingeschlüpft.

Schaut mal bei Naturino vorbei. Es gibt wieder tolle Modelle für den Herbst und den Winter.

Putz Dich zum Helden

*Werbung*

Mein Sohn hat noch nie einen Marvel-Film gesehen, kennt sich aber mit Superhelden und ihren individuellen Mutationen und Superkräften bestens aus. Kindergartenpropaganda nennt man das. Eine befreundete Kita-Mama erzählte mal, dass sie darauf angesprochen wurde, ob ihr älterer Sohn (damals noch Kindergartenkind) schon Star Wars gucken dürfe, weil er den Film 1:1 wiedergeben konnte. Er hatte ihn damals natürlich noch NICHT sehen dürfen.

Meine ganz persönlichen Helden des Alltags sind meine Kinder. Sie verblüffen mich immer wieder mit dem, was sie Tag für Tag dazu lernen, wickeln mich mit ihren Kräften kinderleicht um den Finger und es gibt Abende, an denen liege ich einfach nur noch völlig fertig auf dem Sofa und komme mir vor wie nach einem echten, wilden Superhelden-Kampf.

Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen das Zähneputzen mit viel Geschrei und großem Handgemenge, Kopf weg drehen und den Mund nicht öffnen wollen, verbunden war. Wenn man das Zahnputzprogramm morgens und abends zwei Minuten durchgezogen hatte, zupfte man seinen imaginären Superhelden-Umhang zurecht und verließ das Bad. Meistens zähneknirschend und unglücklich darüber, dass das Zähneputzen nicht einfach friedlich und entspannt ablaufen konnte.

Herr Sonnenschein und ich haben uns vieles überlegt, um das Zähneputzen angenehm für uns alle zu gestalten. Während ich ein Zahnputzlied gereimt und den Kindern vorgesungen habe, hat Herr Sonnenschein Zahnarzt bei den Kindern gespielt und die Essensreste aufgezählt, die er beim Putzen auf den Zähnen der Kinder noch entdeckte: „Oh, da sehe ich noch ein Stück von dem Würstchen, das Du eben gegessen hat… und oha, wer hat Dir denn heute den Kuchen zu essen gegeben?“. Die Kinder fanden es immer wieder lustig und so entspannte sich auch ganz schnell die Zahnputzdramatik.

Unsere Baustellen sind nach wie vor die richtige Putztechnik sowie der Zeitfaktor. Wenn ich die Kinder komplett ihre Zähne alleine putzen lasse, sind sie nach 30 Sekunden fertig und lassen sich auch nicht mehr in den Mund schauen. Weil: Mama, ich bin schon groß und kann das alleine!

Kennt Ihr, oder?

Also musste etwas her, das ihre Aufmerksamkeit fesselt, etwas bei dem meine ganz persönlichen Superhelden schwach werden, und es gibt nichts, was dazu besser in der Lage wäre, als mein Handy oder Soneas Tablet. Leider ist das so.

Seit einiger Zeit schlich ich immer wieder um die Playbrush herum, war aber skeptisch. Warum auch immer. Vielleicht, weil das Zähneputzen bei uns längst nicht mehr eine Heldentat ist, sondern eine Selbstverständlichkeit. Zumindest so lange, wie ich den Kindern die Zähne putze. Also warum daraus plötzlich ein Kinderspiel machen?

Aber irgendwann kommt ja der Zeitpunkt, da muss das mit dem Zähneputzen auch ohne mich und ohne Karies funktionieren. Es musste also eine Lösung her, bei der nicht ich zum Superhelden mutiere, sondern meine Kinder zum Zahnputzhelden werden. Denn wenn Simon irgendwann mal Polizist ist und mit seiner Frau und den 10 Kindern zusammen lebt und Sonea im Krankenhaus arbeitet, kann ich ja auch nicht morgens und abends zum „Nachputzen“ hereinschneien. Das wäre alles andere als heldenhaft und man stelle sich das einmal bildlich vor…

Nun habe ich die die Schwachstelle meiner Superhelden genutzt und sie können seit einigen Wochen morgens und Abends ihre Superkräfte beim Zähneputzen entfalten. Spielerisch verinnerlichen sie die richtige Technik beim Zähneputzen und die zwei Minuten sind ratzfatz um.

Die Spiele für die Playbrush können kostenfrei im App Store runtergeladen werden und es gibt inzwischen mehrere verschiedene Themen. Während Sonea beim Zähneputzen zur Tanzheldin mutiert, nimmt Ihr Bruder lieber ein paar Flugstunden. Die Playbrush selbst, ist ein bunter Aufsatz, der kompatibel mit sämtlichen handelsüblichen Kinderzahnbürsten ist.

 

 

Welches Kind wird da nicht gerne zum Zahnputzhelden? Falls die Playbrush für Euch eine Option ist, habe ich hier einen 20% Rabatt-Gutschein:

mit dem Code SONNE20 bekommt Ihr beim Kauf einer Playbrush im Online-Shop 20% Rabatt abgezogen. Dafür den Code SONNE20 einfach „an der Kasse“ in das Feld Discount eingeben.

So einfach ist das heute zum Helden zu werden.

#playbrushhelden

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Dieser Beitrag wurde von Playbrush gesponsert. Die Inhalte und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen. 

Mein Leben mit dem Besonderen #111 Meine Tochter ist schlau

Irgendwo in Deutschland wurde vor fast 5 Jahren ein kleines Mädchen geboren. Die ersten Wochen und Monate mit unserer Tochter waren sehr anstrengend. Schon früh suchte sie Blickkontakt, reagierte auf Reize und musste immer und überall dabei sein. Nacht für Nacht verarbeitete sie diese Eindrücke und wir liefen Kilometer durch unsere Wohnung. Als sie mit neun Monaten laufen konnte und ihre ersten Wörter auch sehr früh sprach, lachte unser Kinderarzt und prophezeite uns spannende Abenteuer.

Kurz nach ihrem zweiten Geburtstag sprach sie flüssig, fast grammatikalisch richtig und schmückte ihre Sprache sehr aus. Das hat sich bis heute gehalten und die Gespräche mit ihr erinnern in keinem Moment daran, dass gegenüber ein Kind sitzt.

Früh fing sie an, sich Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Warum passt Gott auf uns auf? Warum müssen Menschen sterben? Warum gibt es Menschen, die nicht arbeiten gehen? Fragen, die ihr unglaublich reflektierendes Nachdenken zum Ausdruck bringen.

Mehr und mehr spüren wir, dass sich da etwas zusammen brodelt. Sie liest, schreibt Einkaufszettel und nimmt jedes Wort auseinander. Sie hat keine Lust auf den Kindergarten und ihre Altersgenossen. Sie kriecht mehr und mehr in ihr Schneckenhaus. Neue Situationen bringen sich durcheinander. Es scheint als wäre ihre selbst erschaffene Struktur gestört und die Abläufe dürften sich nicht verändern. Das „Feuerwerk“ in ihrem Kopf macht mir als Mutter große Sorgen. Wie kann ich mein Kind schützen und es gleichzeitig dabei unterstützen eigene Erfahrungen zu machen?

Nach unzähligen Gesprächen in der Kita, beim Kinderarzt und mit einer Psychologin ist die Diagnose fast klar. Unsere Tochter scheint eine Hochbegabung in sich zu tragen. Sie ist unglücklich, gelangweilt und nur durch Futter für ihr Gehirn zu befriedigen. Vor uns liegt ein weiter Weg. Dass wir sie testen lassen müssen, ist für uns sofort klar gewesen. Wenn sie wirklich hochbegabt ist, dann möchten wir ihr mit allen Mitteln helfen. Ich glaube es gibt nichts schlimmeres, als eine unentdeckte Hochbegabung. Sie wird Unterstützung brauchen, um mit ihrem sozialen Umfeld besser klarzukommen. Seitdem wir diese Vermutung haben, bin ich im Alltag ein wenig gelassener geworden. Ich weiss, dass ich Geduld brauche und, dass meine Tochter in vielen Momenten ganz viel Nähe und Schutz braucht.

Keiner weiss, wie die nächsten Jahre werden. Ich weiss nur, dass wir sie bestmöglich unterstützen wollen und die Diagnose „Hochbegabung“ nicht nur als Chance sehen. Fluch und Segen zugleich.   Die Blicke der anderen Eltern, wenn das Feuerwerk im Kopf mal wieder durchbricht, verunsichern mich oft. Auch hier muss ich lernen, dass vieles einfach so ist und meine Tochter so wie sie ist, perfekt ist. Ich würde mir wünschen, dass Eltern nicht immer sofort urteilen und das Gespräch suchen. Seitdem wir offener damit umgehen, ist es für meine Tochter ein wenig leichter geworden. Denn Ruhe und Gelassenheit sind das Fundament für ein sicheres Aufwachsen.

Mehr über Frau Raufuss lest Ihr auf ihrem Blog  www.frauraufuss.de

Und dann kam Lissy

Wenn man sich dafür entscheidet einen Hund in die Familie zu holen, müssen viele Faktoren stimmen. Und vor allem müssen alle Familienmitglieder mit dieser Entscheidung einverstanden sein.

Bei uns war dies ein sehr langer, aber gut durchdachter Prozess. Er dauerte nicht nur 23 Minuten, sondern Jahre und wurde immer wieder diskutiert und überlegt. Letztendlich musste einfach alles passen. Nicht nur der Hund zu uns, sondern auch wir, so wie wir sind, zum Hund. Und das tat es auch. Aber erst, nachdem ich mich für eine andere Rasse als den Mops öffnete und auch erst, nachdem wir sicher waren, dass Herr Sonnenschein gegen den Hund, in den wir uns dann alle unsterblich verliebt hatten, nicht allergisch ist.

Wir hatten uns Hunde aus dem Tierheim angeschaut und gehofft, dass wir dort einen Kandidaten finden würden. Letztendlich hatten wir wirklich bereits überlegt den kleinen Charlie zu uns zu holen, aber dann kam Lissy und es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Und wir wussten einfach sofort: das ist unser Hund!

Lissy war kein Welpe mehr als sie zu uns kam, sondern bereits 5 Monate alt. Für uns war das optimal für den Start. Denn Lissy ist unser erster Hund und wir sind noch komplett Hunde unerfahren.

Natürlich hat jeder seine eigene Meinung dazu.

Mittlerweile besuchen wir eine echt tolle Hundeschule und jede Woche lerne ich eine Menge dazu. So ein Hund bedeutet sehr viel Arbeit, die man nicht unterschätzen sollte, die sich aber voll und ganz lohnt.

Auch die Kinder sind überglücklich mit Lissy und Lissy jeden Tag vor Freude völlig aus dem Häuschen, wenn die Kinder aus der Schule und dem Kindergarten kommen. Sie liebt es von den Kindern umgeben zu sein und sucht ständig den Kontakt. Aber auch als Bürohund macht Lissy sind wunderbar und ich bin jeden Tag absolut happy über ihre Gesellschaft.

Inzwischen sind wir seit drei Monaten ein richtiges Rudel. Vieles hat sich verändert. Aber der neue Alltag mit wesentlich mehr Bewegung und frischer Luft, auch bei Wind und Regen, hat sich sehr gut eingespielt und wir möchten ihn nicht mehr missen.

Der Mops ist und bleibt eine Hunderasse, die ich sehr mag. Aber zu uns passt der Havaneser als Familienmitglied gefühlt einfach besser.

Mein Leben mit dem Besonderen #110 Der Tag, an dem die Welt still stand

ja ich glaube, so kann ich es nennen. Der Tag, an dem es für meinen Seelenfreund, meine große Liebe und den Vater meiner Söhne, die Diagnose Krebs gab.

Krebs, so sagen meine Söhne, ist ein Kackapupsgesicht. Ja das ist er. Er ist kalt, herzlos und er fragt nicht: hast Du Kraft dafür?

Nach vielen Wochen, in denen kein Arzt wusste, woher Torsten diese unendlichen Schmerzen hatte, stellte man ein Meningeom ( Hirntumor) fest. Die Art, die er hatte, tritt normal bei Kindern auf. Er war 27 Jahre alt. Leider tropfte dieser Tumor ins Rückenmark, was natürlich zu Lähmungen führte.

Ehrlich und offen redeten die Ärzte mit uns, ja sie sagten uns was alles auf uns zukommen kann. Wir waren bereit, wir waren eine Einheit, ein Duett das einander durch diese Strecke helfen würde.

Nach den ersten jeweils fast 10 stündigen OPs, waren wir optimistisch, gingen aufrecht, positiv an alles. Bis eines Tages Torsten einfach zusammenklappte, wieder Schmerzen im Rücken. Zurück in der Klinik, der Schlag ins Gesicht. Der Tumor ist gewachsen, rasend schnell. Sofort OP. Die Lähmung blieb, aber das war egal. Wir wollten gewinnen. Wir haben 2 Söhne, die Ihren Papa brauchen. Ob im Rollstuhl oder nicht, aber er soll da sein.

Die Bestrahlung begann und ich erinnere mich an den Morgen, als ich neben Torsten aufwachte, wie immer durch sein Haar strich um ihn zu wecken. Meine Hand war voller Haare. Der Schock, nichts anmerken lassen, tapfer bleiben, obwohl ich einfach nur weinen wollte.

Aber wie wir waren, haben wir das Beste daraus gemacht und so gab es mittags eine echt coole rasierte Frisur.

Die Wochen verstrichen. Wir redeten viel. Anders, tiefsinniger, planend, auch für den schlimmsten Fall. Die Zeit mit unseren Prinzen wurde viel intensiver genutzt und ich glaube wir waren einander so nah wie nie.

Im September holte uns die Realität ein. Ein Herpes Virus infizierte Torstens Gehirn. Er fiel ins Koma. 8 Wochen Angst, Wut, Panik. Ich  weiß nicht wann ich geschlafen habe oder gegessen. Wann ich nicht geweint hab. Was sag ich den Kindern, wie geht es weiter….

Aber Torsten war schon immer ein Superheld und ja er hat den Herpes besiegt, seine Augen geöffnet. Es war viel zerstört, viel einfach weg. Wie die Namen unserer Kinder, oder auch meiner. Er wusste selten wer ich bin, oder dass es seine Söhne sind und nicht sein kleiner Bruder.

Was geblieben war, war die Liebe. Die Verbundenheit. JA man! Wir rocken auch das.

Meine Kräfte schwanden immer mehr. Ich war eine Hülle. Leer, müde, kaputt. Nur aufrecht, um meine Söhne und meine schwerstbehinderte Schwester zu versorge und natürlich Torsten.

In diesen Tagen waren meine 2 besten Freundinnen der einzige Halt. Die auch mal Last abnahmen, wo das Leben nur noch drauf haute. Dafür liebe ich Sie jeden und jeden Tag.

Und eines Tages, frag mich nicht warum, wieso weshalb und warum, klopfte die Liebe an meine Tür. Es war Zeit zu akzeptieren, dass Torsten niemals zu uns zurück kommt, er niemals mehr so sein wird wie früher. Er nicht mehr er war.

Und so verliebte ich mich, einfach so. In den besten Freund von Torsten, das was er immer gesagt hat als er krank war: wenn ich sterbe, heiratest DU Pascal.

Ich war immer sauer, wenn er das sagte und ja auch in diesem Moment . Hatte er doch Recht gehabt.

JA, wir lebten in einer echt schrägen Patchwork Familie. Ich hatte quasi 2 Männer und 2 Kinder. Aber das waren wir, wir 3 und die Kids. Ich weiß nicht wie viele Stunden wir im Pflegeheim bei Torsten verbracht haben. Wir haben gelacht, dummes Zeug gemacht. Manchmal hab ich ihm nur beim Schlafen zugesehen und mich gefragt, wer mich eigentlich gefragt hat, ob ich das alles ertrage.

Und ey man, wer hat ihn gefragt? WARUM ER? Warum der Mensch, mit dem größten und reinsten Herz? Warum?

Und dann kam der 26.08., der Tag, der die Welt zum Stillstand brachte. Der Anruf, die Stimme, die mir sagte: Frau Ewen wir müssen Ihnen mitteilen, dass ihr Mann friedlich eingeschlafen ist.

Bähm! Was? Wo? Wer?? Nein!

Ich hab nur geschrien, einfach nur geschrien. Wer hat das erlaubt, wer hat ihm gesagt, er darf gehen? Wer?? Bleib hier! Wir brauchen Dich: die Kinder, ich, Pascal, deine Eltern..

Ich weiß nicht wie lange ich neben ihm noch gesessen habe , so friedlich war er, so zufrieden. ER war ein Seelenvogel geworden. Er spannte seine Flügel auf und flog einfach davon.

Er war da, der Tag um Abschied zu nehmen. Nein niemand hat gefragt, ob meine Kinder bereit dafür sind, ich oder seine Eltern. Das Leben ließ kurz die Welt still stehen, um dann einfach weiter zu laufen .

Heute bin ich dankbar, dass ich nicht alleine war. Dass mein Pascal an meiner Seite ging. Dass er in die Rolle des Papas geschlüpft ist, ohne zu zögern. Dass ich eine riesen Patchworkfamilie habe. Dass fast kein Tag vergeht, an dem wir nicht von Torsten reden.

Unser Haus ist geschmückt mit Erinnerungen von ihm. Fotos von Zeiten, die anders waren.

Das Leben gab mir die Aufgabe und ich habe sie angenommen. Ich habe  gekämpft. Ich habe verloren, aber ich habe auch gewonnen. Denn ich habe das wundervollste der Welt täglich um mich: unsere Kinder. Die lebende Erinnerung an meinen Seelenverwandten.

Würde er mich heute sehen, so wüsste ich, er würde still meine Stirn küssen und leise flüstern: Peaches alles richtig gemacht.

Ich vermisse Dich jeden Tag, mein Muppi, aber irgendwann werden wir zwei uns wiedersehen.

Dieser eine Herzenswunsch

Manchmal hegt man einen Traum, der zu einem richtigen Herzenswunsch heran wächst und sich festpflanzt. Manche dieser Träume verwirklichen sich, andere schlummern im Verborgenen, weil die Zeit noch nicht reif ist und dann gibt es diese Träume, die sich ausgerechnet dann erfüllen, wenn man längst damit abgeschlossen hat.

So ging es mir im Frühjahr. Ich wusste, das Thema „Hundewunsch und Mops“ war nur dann das richtige, wenn ich Streit mit Herrn Sonnenschein suchte.

Letztes Jahr an meinem Geburtstag fragte mich Simon* völlig verwundert „Mama, Du hast Dir doch einen Mops zum Geburtstag gewünscht!“, „Ja, das habe ich“.

„Und wo ist der Mops?“ fragte er weiter, verwundert, weil für ihn klar war, dass man immer das bekommt, was man sich wünscht. Zum Glück lassen sich Kinderträume viel leichter erfüllen als Erwachsenenträume.

Ich hatte mit meinem Hundewunsch gedanklich vorerst abgeschlossen, fokussierte mich auf die Nachteile, die so ein Vierbeiner mit sich bringt und uns in unserem Alltag sehr einschränken würden. Und dann, eines Abends, ich saß mit Herrn Sonnenschein zusammen und wir sortierten ein paar Bilder, erreichte mich eine Mail von meiner Freundin Nele. Ich war verwundert, weil wir  uns im Zeitalter von WhatsApp & Co. eigentlich nie Mails schreiben.

Die Überschrift der Mail lautete: Vielleicht kommst Du ja doch noch zu Deinem Mops. Ich saß sofort kerzengrade und war ein wenig nervös beim Öffnen der Mail.

Was in den darauf folgenden Wochen geschah, lässt sich nur schwer zusammen fassen. Es war ein Auf und Ab meiner Gefühle. Ich führte mehrere Gespräche mit Herrn Sonnenschein, der bei seiner Meinung blieb: ich möchte keinen Mops!

Davon wich er nicht ab (und wie sich noch heraus stellen sollte, ist das in gewisser Weise auch besser so). Aber das Schicksal ist ja manchmal ein echter Komiker und irgendwie fügte sich eins zum anderen. Zu schnell für mich, um das richtig zu realisieren und zu überlegen, ob die Entscheidungen, die ich dann traf, richtig oder falsch waren.

Wir hatten plötzlich einen, nein es waren gleich drei, Drehtermine mit dem saucoolen Team der Produktionsfirma Docma TV, bei der meine Freundin Nele vor rund 10 Jahren gearbeitet hatte. Die Produktionsfirma drehte unter anderem für Hund, Katze, Maus und Drei Engel für Tiere. Dort sollten wir dann auch irgendwann zu sehen sein. Vielleicht sogar mit unserem rundum perfekten Familienhund.

Wir hatten drei unheimlich spannende, aber auch echt anstrengende Drehtage und wir kennen zwar das Ergebnis der Sendung, aber nicht die Sendung selbst. Es bleibt also auch für uns bis Samstag Abend noch sehr spannend. Am Samstag um 19:10 Uhr (also morgen) werden wir zusammen mit der wunderbaren Franziska Knabenreich auf VOX zu sehen sein. Erste Details zu der Sendung könnt Ihr hier erfahren.

Und natürlich durften an diesen aufregenden Tagen weder lillestoff noch unser Lieblingslabel me&i fehlen. Der Multi Checked Cardigan ist aus der aktuellen Herbst/Winter Kollektion und ich freue mich schon riesig auf meine nächste me&i Party. Die ist allerdings erst im Oktober. Der September bei me&i ist sporty. Was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr auf der Seite von me&i.

Wen von Euch sehe ich denn dieses Wochenende auf dem lillestoff-Festival? Ich bin schon ganz aufgeregt und freue mich auf mein viertes Mal auf dieses kunterbunte und kreative Festival.

 

* der Löwe heißt auf eigenen Wunsch nun Simon… zumindest hier auf dem Blog

Mein Leben mit dem Besonderen #109 Mein Herzkind

Wenn ich 2011 mein Leben mit einem Wort beschreiben hätte müssen, wäre es PERFEKT gewesen. Mit meinen 21 Jahren hatte ich alles, was ich mit immer gewünscht hatte: einen guten Job, eine tolle Wohnung, einen lieben Ehemann, eine Familie, die mich in allem Unterstützt hat und ein Ultraschallbild von meinem ersten Kind. Eine Prinzessin.
Voller Euphorie planten wir das Leben zu dritt, kauften ein Kinderzimmer, den Kinderwagen und unzählige süße Mädchenkleider. Die winzigen Sachen in den Größen 50/56 waren einfach unbeschreiblich süß. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es ewig dauern würde, bis unsere Prinzessin sie tragen kann.

Um Sylvester rum ging es mir von Tag zu Tag schlechter. Ich fühlte mich müde, antriebslos und mir tat einfach alles weh. „Stell dich nicht so an, andere Frauen sind auch schwanger und machen das ganz locker“ habe ich mir immer wieder gesagt. Ich ging weiter wie gewohnt jeden Tag zur Arbeit, obwohl ich das Gefühl hatte, kaum noch sitzen zu können. Aber bis zum Mutterschutz war es noch eine Weile hin.

Am Abend des 20. Januars bekam ich dann so starke Schmerzen, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Was war das. Alle paar Minuten hab ich geschrien vor schmerzen.
Mein Mann hat sich liebevoll um mich gekümmert, bis ich irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen bin. Am nächsten Morgen waren die Schmerzen immer noch da. Ich konnte auf keinen Fall zur Arbeit gehen, geschweige denn alleine mit dem Auto zum Arzt fahren.

Als mein Mann und ich bei meinem Gynäkologen ankamen ging alles ganz schnell. Das CTG zeigte Wehen im 5 Minuten Takt und die Überweisung fürs Krankenhaus war schnell geschrieben.

HALT! STOP! Ich kann noch nichts ins Krankenhaus. Ich habe noch gar keine Tasche gepackt, das Kinderzimmer ist noch gar nicht ganz fertig und ich war doch erst in der 31. Schwangerschaftswoche. Meine Eltern waren noch im Urlaub und ich konnte unmöglich ohne meine Mutter ins Krankenhaus. Sie muss doch da sein!

Im Krankenhaus angekommen ging es im selben Tempo wie beim Frauenarzt weiter. Das CTG war schlecht, der Herzschlag unserer Prinzessin immer wieder weg.

Ehe ich mich versah lag ich auf dem OP Tisch. Die Tränen liefen mir übers Gesicht, mein Mann versuchte mich zu beruhigen, während er selbst fast durchdrehte.
Und dann kam der Schnitt. Die PDA hätte noch 5 Minuten wirken müssen, aber die Zeit war nicht mehr da.
Kein Schrei, kein Baby was einem gezeigt wird, kein „Herzlichen Glückwunsch, es ist ein gesundes Mädchen“. Mein Kind war weg. Auf unsere Fragen bekamen wir nur eine Antwort: „Ihre Tochter ist auf der Neonatologie und es wird sich um sie gekümmert“.

Ein paar Stunden später zwang ich mich wieder auf die Beine. Ich musste zu ihr.
Auf dem Flur begegnete ich unzähligen frisch gebackenen Eltern, die ihre Babys in den Babybay Bettchen umher schoben und bis über beide Ohren strahlen.

Und dann sah ich sie. Meine Prinzessin. 1300 Gramm leicht, 38 cm klein, mit einer scheinbar viel zu großen Atemmaske auf dem Gesicht und einer Windel, die bis zur Brust ging. Sie war wunderschön!

Ich fing an zu Fragen und verdaute langsam den ersten Schock. Frühchen sind stark. Sie wird das meistern. Unsere Kämpferin.
Doch dann blieb meine Welt, zwei Tage später, ein zweites mal stehen. „Ihre Tochter hat ein Herzgeräusch, wir müssen das abklären lassen und sie dafür ins nahegelegene Kinderkrankenhaus verlegen. Aber machen sie sich keine Sorgen, das haben viele Frühchen und dabei handelt es sich meist um den Ductus. Normalerweise verschließt sich der Ductus innerhalb von Stunden bis Tagen nach der Geburt spontan.“

Ich entließ mich aus dem Krankenhaus. Keine Sekunde länger konnte ich ohne meine Tochter dort bleiben. Mein Mann und ich fuhren dem Krankenwagen hinterher und waren heil froh, als unsere Tochter unversehrt im Kinderkrankenhaus ankam.

Nur wenige Stunden später konnte ich meine Tochter endlich wieder auf dem Arm halten und ihr meine abgepumpte Muttermilch über eine Magensonde zuführen.
Die Tür ging auf, eine Ärztin guckte rein und ich hörte nur noch ein lautes piepen. Es hörte nicht auf. Es Piepte nur noch. Was sie eigentlich sagte war: „Bitte packen sie das Kind wieder in den Inkubator. Wir verlegen sie sofort in die Uniklinik Hamburg. Ihre Tochter hat einen schweren Herzfehler und wir können sie unter diesen Umständen nicht hier behalten.“

Meine Eltern waren Zwischenzeitlich mit dem nächsten Flugzeug zu Hause angekommen. Ich fiel in die Arme meine Mutter und fühlt mich wie ein Kind. Ich war nicht bereit dafür, ich würde es nicht schaffen. Mein Herz fühlte sich an, als wenn jemand es raus reißen würde.

Die Diagnose stand einen Tag später fest und lautete: schwerer angeborener Herzfehler. Um eine OP kamen wir nicht rum. Allerdings brauchte mein Kind dafür ein Gewicht von 5 Kilo.
Durch die Abnahme in den ersten Tagen bedeutete das, dass sie ihr Gewicht verfünffachen musste.
Wochenlang lag Sie im Krankenhaus und ich konnte nicht mit aufgenommen werde. Jeden Morgen vor dem Berufsverkehr fuhren wir 40 Minuten quer durch die Stadt und Abends spät wieder nach Hause.
Die 27 Kilo, die ich nach der Entbindung noch drauf hatte, waren innerhalb weniger Wochen weg.
Ich verlor den kompletten Kontakt zur Außenwelt und das wurde auch nicht besser als wir unser Kind nach ein paar Wochen mit nach Hause nehmen durften.

Zuhause angekommen, hatte ich nur ein Ziel vor Augen: 5 Kilo.
Die Mahlzeiten wurden zu Qual. Nach 20 Millilitern auf der Flasche war die Kleine vollkommen durchgeschwitzt und erschöpft. Stillen war unmöglich. Der Rest wurde Sondiert.
Krabbelgruppen waren zu Gefährlich, jede Ansteckung mit einem Virus etc. hätte uns zurück geworfen.

5 Monate Später war es soweit. Die Kleider in Gr. 50 passten und ich konnte endlich die Babyborn Kleider aussortieren. Aber damit kam auch der Tag, an dem mir mein Kind beim Trinken so blau anlief wie ein Schlumpf. Die Op musste jetzt stattfinden, auch wenn ihr noch ein halbes Kilo fehlte.

Die Operation wurde in der Uniklinik in Kiel durchgeführt, Hamburg hatte zu dem Zeitpunkt keinen Chirurgen, der sich da ran traute.

Und dann war mein Mädchen wieder weg. Und wir standen vor der verschlossenen Tür auf der stand: OP – Kein Zutritt!
Wieder wurde mir das Herz raus gerissen. 8 Stunden sollte die Operation ca. dauern. 8 Stunden in denen wir wortlos durch Kiel gelaufen sind. Bis der Anruf kam, dass die OP gut verlaufen ist und wir auf die Intensivstation kommen können.

Von der Operation am offenen Herzen erholte sich unsere Kämpferin erstaunlich schnell. Und nur 2 Wochen später konnten wir endlich wieder nach Hause.
Unser gemeinsames Leben zu dritt begann endlich richtig.

Heute, fast 6 Jahre später erinnert nur noch eine große Narbe auf der Brust unserer Tochter an diese Zeit, auch wenn sie weiterhin als Herzkrank gilt und engmaschig kontrolliert wird.
Irgendwann kommt der Tag, an dem eine neue Herzklappe her muss. Aber diesen Gedanken schiebe ich momentan ganz weit weg.

Sie hat sich zu einem selbstbewussten Mädchen entwickelt und konnte jetzt, voller Stolz, mit der Vorschule starten. Wie unendlich dankbar und stolz ich auf sie bin kann ich nicht in Worte fassen.

Und doch ist das Leben mit einem Besonderen Kind anders. Diese Einsicht kam spätestens, als 2014 unser Sohn geboren wurde, der gesund ist.
Vier mal die Woche bekommt unsere Tochter Förderung in Form von Logopädie und Frühförderung. Ihr Bruder, der 2,5 Jahre jünger ist bringt das selbe Gewicht wie sie auf die Waage.  Und über die Zukunft darf man sich als Mutter von einem besonderen Kind gar nicht so viele Gedanken machen. Ich merke zumindest, dass ich sonst verrückt werde.

Wir genießen den Moment, leben im jetzt und hier und feiern zwei mal im Jahr Geburtstag. Denn der Herzgeburtstag, an dem vor 5 Jahren das Herz unserer Kämpferin für Stunden nicht geschlagen hat ist ein besonderer Tag für uns.

Unser Leben ist halt einfach vollkommen normal, nur anders.

Auf der Seite von MiLu erfahrt Ihr noch mehr über Vanessa und könnt ihre tollen genähten Sachen bewundern. 

Rock my Life!

Durch ein paar empörte Beiträge, die in meiner Facebook-Timeline aufploppten, habe ich von einem sehr unschönen Zwischenfall während einer Tanzshow eines privaten Fernsehsenders erfahren.

Ich schaue eigentlich so gut wie nie fern und habe mal wieder nix mitbekommen.

Es geht darum, dass in einer Tanzshow eines privaten Fernsehsenders behinderte Menschen umgesetzt wurden, damit sie im Fernsehen nicht zu sehen sind.

Nun, ich habe das Thema nicht allzu intensiv verfolgt, aber in der Stellungnahme durch den Sender hieß es wohl, dass man diese Personen zum eigenen Schutz in die Nähe des Notausgangs platziert habe. Das ist natürlich völliger Bullshit. Dass es für die Sicherheit aller keinen Sinn macht behinderte Menschen an den Notausgang zu platzieren, darüber müssen wir nicht wirklich diskutieren.

Normalerweise würde ich mich über so einen Vorfall nicht auslassen, schon gar nicht öffentlich, aber er zeigt mir mal wieder sehr deutlich wie unsere Gesellschaft tickt.

Es ist natürlich ganz klar, dass die junge Frau mit dem Down-Syndrom, die man unter anderem umgesetzt hatte, die Show gerockt und den attraktiven Kandidaten auf der Tanzfläche die Show gestohlen hätte. Das wäre der einzig akzeptable Grund für eine Umplatzierung gewesen, aber noch viel mehr Grund dafür sie GENAU DORT sitzen zu lassen.

Ich kenne diese junge Frau nicht, aber ich muss natürlich unwillkürlich an meine Tochter denken. Ein anderer Mensch, mit gleicher Chromosomen-Konstellation und mit seeeehr viel Rhythmus im Blut. Sonea liebt diese Tanzsendungen und wenn sie mal länger aufbleiben darf oder die Oma mal die Kinder hütet und dann auch mal eine dieser Sendungen läuft, sitzt sie ganz gebannt vor dem Fernseher und feiert und tanzt mit, als wäre sie ein Teil dieser Show, als ginge es um alles oder nichts.

Sonea liebt es zu tanzen und hat echt einen Wahnsinns Groove. Von mir hat sie das nicht. Ich liebe dieses Strahlen wenn Sonea tanzt und ganz bei sich und der Musik ist. Neulich erst habe ich ein kleines Video auf Instagram gepostet, das sie beim Tanzen zeigt. Und leider habe ich es verpasst sie davor zu filmen, denn da war ich einfach zu sehr damit beschäftigt mit offenem Mund da zu sitzen und zu staunen.

„Sowas will kein Mensch im Fernsehen sehen!“ hieß es wohl auf die Frage wieso diese Menschen auf schlechte Plätze und hinter die Kamera gesetzt werden. Und auch, wenn der Sender dies natürlich im Nachhinein dementiert, wissen wir doch alle ganz genau, dass es so ist, auch wenn alle Welt jetzt total schockiert über diese Aussage tut. Aber wenn Anderssein mit offenen Armen empfangen und selbstverständlich wäre, warum gibt es dann den PraenaTest? Warum werden dann schwangere Frauen in der Schwangerschaft so verunsichert? Warum liegen zwischen einer Diagnose und einem späten Schwangerschaftsabbruch nur sehr wenige Tage Bedenkzeit? Warum ist dann Inklusion in der Schule und im Alltag keine Selbstverständlichkeit? Und warum tut man sich so schwer einfach dafür zu sorgen, dass es verdammt normal selbstverständlich ist anders zu sein und nicht der Norm zu entsprechen?

Natürlich erwarten die Zuschauer eine ästhetische Tanzshow und keine Freakshow. Dafür sind schließlich schon Big Brother und das Dschungel Camp da.

Aber genau das ist der Grund warum ich mich diese perfektionierten Talentshows, in denen jeder niedergemacht wird, der eben nicht supertoll und superschön ist, anöden. Ich schaue mir lieber Live Konzerte an. Erstens ist der Sound besser und zweitens rocken die coolsten Fans ganz vorne mit.

Und ich freue mich schon auf mein erstes Live Konzert mit Sonea. Der besten Zuschauerin ever. Sie rockt nicht nur eine ganze Show, sondern mein ganzes Herz gleich mit. Und das Tag für Tag.

zum Stoff: Hydrangea von Nestgezwitscher, ab Samstag bei lillestoff erhältlich.

zum Schnitt: Silver Touch aus der OTTOBRE 04/2016

 

 

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„Ich mach das bald nicht mehr mit!“ faucht Herr Sonnenschein mich zur Begrüßung am Telefon an. „Was ist denn los?“ frage ich verdutzt und es folgt ein Wortwirrwar, welches ich nur schwer entzerren kann, bis es endlich Sinn macht.

Vielleicht erinnert Ihr Euch an meinen Beitrag Grasrupferei, mit dem ich damals ins Rennen für den Eltern-Blogger-Award von Ernstings Family gegangen bin.

Nachdem es hieß, dass mein Sohn in verschiedenen Bereichen noch ein wenig Unterstützung bekommen könnte, verlor ich völlig das Gefühl für ihn. Eigentlich habe ich ein sehr ausgeprägtes Bauchgefühl, auf das immer sehr gut Verlass ist. Plötzlich war es, als wäre mein Kind ein völlig anderes, mir fremdes, von dem die Ärzte, Erzieher und später Therapeuten sprachen. Mein wunderbares Kind, plötzlich so fehlerhaft.

Ich sah nicht mehr das Licht, sondern nur noch den Schatten und die Bereiche, in denen mein Kind eben nicht so stark war. Ich begann nur noch mich darauf zu konzentrieren was er alles nicht kann und übersah dabei fast wie er in anderen Bereichen erstrahlte.

Ein gezeichnetes Dreieck, Kreis und Quadrat sehen bei ihm alle exakt gleich aus, aber dafür kann er schon im Zahlenraum bis 10 rechnen, ohne dass wir das geübt haben. Und er hat ohnehin eine enorme Merkfähigkeit. Er ist wissbegierig und interessiert sich für viele Dinge. Aber wenn ich ihm mit dem Vorschlag komme etwas zu malen oder in einem der vielen Schwungübungshefte zu arbeiten, die wir haben, sinkt seine Begeisterung rapide.

Feinmotorik ist nicht so das Ding meiner Kinder. Meins übrigens auch nicht, wenn man mal vom Nähen absieht. Ich bin oft sehr ungeschickt bei friemeligen Sachen. Egal, das was mir Spaß macht, kann ich.

Nachdem vor zwei Jahren im Kita-Entwicklungsbogen meines Sohnes sämtliche Kreuze fehlten oder Felder nur halb ausgefüllt waren, ließen wir eine ausführliche Diagnostik im Kinderzentrum durchführen, um zu schauen in welchen Bereichen er Förderung gebrauchen könnte.

Nicht, dass ich zu den Menschen gehöre, die es leugnen, wenn ihr Kind nicht perfekt ist und sich nicht in irgendwelche vorgegebene Entwicklungstabellen quetschen lässt. Durch Sonea weiß ich wie ein bisschen therapeutische Unterstützung das Leben erleichtern kann und dass es eben kein Weltuntergang ist.

Und wenn ich mir meinen Sohn so anschaue, soll er ja nicht bereits mit dem Schulstart das Leben erschwert bekommen. Es reicht schon, dass er gerade mal 6 Jahre alt ist, wenn der Ernst des Lebens los geht. Und ich wähle bewusst diese gruselige Wortwendung. Denn irgendwie kommt es mir bei dem Gedanken daran aktuell noch so vor.

Mein Sohn ist der, der im akzentfreien Englisch ein Lied auswendig trällert, aber kein sch in seinem Wortsssatz verwendet. Es ist nicht so, dass es ihm gar nicht über die Lippen kommt, sondern es wirkt viel mehr wie so eine Sprachbequemlichkeit. Vielleicht war er aber auch im früheren Leben einfach ein Wikinger. Die Skandinavier haben es ja auch nicht so mit dem sch. Was nicht wirklich tragisch ist. Seine Oma ist schließlich auch ohne sch groß geworden.

Nachdem Simon die Untersuchung für Vierjährige durch die Ärztin des Gesundheitsamtes letztes Jahr super gerockt hatte (was war ich nervös vor diesem Termin), war ich wesentlich entspannter während der Diagnostik durch das Kinderzentrums. Und doch fühlte es sich wie ein Verrat an meinem eigenen Kind an. Als würde ich ihn nicht einfach das Kind sein lassen, das er ist. Herrlich unperfekt mit beeindruckenden Stärken. Und mittendrin ich, die ihr Kind scheinbar nicht gut genug förderte. Ich fühlte mich wie einer Versagerin.

Eigentlich hätte ich damals bei dieser Untersuchung vor der Tür warten sollen, aber mein Sohn nahm mich mit in den Therapieraum und es fiel mir nicht leicht zuzusehen, wie er Dinge nicht so gut tat, wie er sie sonst ganz prima machte und ich konnte es nur schwer unterdrücken an Stellen laut und stolz zu jubeln, die er mit Bravour meisterte. Kurz: ich war angespannt wie in einer Episode von The Walking Dead und anschließend fix und fertig.

Das Ergebnis der Diagnostik damals war: nichts muss, alles kann. Wir hätten nach dieser Diagnostik also auch einfach unsere Tasche und unser Kind an die Hand nehmen können und die Einschulung einfach auf uns zukommen lassen.

Seit dem Frühjahr bekommt mein Sohn nun Physiotherapie wegen seines Rotationsgangs. Endlich! Ich habe lange versucht eine Verordnung für ihn bei den Ärzten durchzuboxen. Alleine dafür hatte sich der ganze Aufwand gelohnt. Schließlich war ich diejenige, die täglich erleben musste, wie er nach ein paar Metern auf die Knie fiel, wenn er auf mich zu gerannt kam. Ständig hatte er die Knie offen und die Hosen durch.  Ständig musste ich mit ansehen wie er hinfiel. Wie aus einem freudigen Lachen ein Wimmern und Weinen wurde. Hosen und Knie hat er immer noch ständig offen, allerdings auch nur deshalb, weil er sich im Spiel laufend absichtlich auf die Knie wirft. Er wäre sicherlich der perfekte Torwart.

Ein halbes Jahr Physiotherapie hat eine Menge bei ihm bewirkt. Er läuft immer noch stark nach innen, allerdings koordinierter. Seine Laufbewegungen sind fließender und schneller, ohne Umfälle.

Er mag die Physitherapie nicht, weil „Mama, die spielt immer mit meinen Füßen! Ich möchte das nicht!“. Dafür liebt er die Stunden bei seiner Psychomotorik-Therapeutin. Dort bekommt er Werkzeug für seine eigene Persönlichkeit, da die Therapeuten der Meinung sind, dass ihm das als Geschwisterkind nicht schaden kann. Nun, auch diese Therapie trägt Früchte… nicht unbedingt süße. Aber das ist ein anderes Thema.

Beim letzten Entwicklungsgespräch in der Kita waren übrigens fast alle Kreuze vollständig und fast alle Felder ganz oder zumindest halb ausgefüllt. Da ist nach wie vor die Sache mit dem Dreieck, dem Quadrat und dem Kreis. Oder die gerade Linie, in der ganz deutlich Leben steckt.

Aber wenn sich an seinem Berufswunsch nichts mehr ändert, braucht er die Feinmotorik nicht allzu sehr. Man kann nicht in allen Bereichen gut sein. Und Polizeiberichte werden mittlerweile ja auch weitestgehend am PC geschrieben.

Bislang fährt Herr Sonnenschein mit Simon zu seinen Therapiestunden und opfert jedes Mal seine Mittagspause dafür. Geplant ist, dass ich zeitnah mindestens einen der Termine übernehme. Wenn da nicht nach wie vor meine akute Angst vor dem Autofahren wäre. Die ist leider noch nicht überwunden.

Nun sagte man meinem Mann vergangene Woche im Kinderzentrum, dass ab sofort noch ein dritter Termin hinzu kommen soll: Logopädie für unseren kleinen Wikinger. Das „Sch…“ wird Herrn Sonnenschein als Antwort darauf sicherlich sehr deutlich durch den Kopf gegangen sein.

Das war dann der Punkt, an demer mir ganz unmissverständlich den Therapie-Streik verkündete.

Stoff: Bähm von Miss Patty für lillestoff, ab Samstag erhältlich.

 

 

 

 

 

Spaziergespräche #3 Fleischfresser

„Mama, heute Nacht habe ich von Wölfen geträumt und die haben mich auf den Boden geschmissen und mein Gesicht abgeleckt. Sind Wölfe eigentlich Fleischfresser?“

„Ja, Wölfe sind reine Fleischfresser“

„Ich möchte aber nicht, dass die Fleischfresser sind“

„Hmmm… was sollen die in der Wildnis denn sonst fressen?“ 

„Na Pflanzen! … Ich möchte nicht, dass es Fleischfresser gibt!“ 

„Aber Du bist doch auch ein Fleischfresser?“ 

„Ja, aber nur einer!“

„Und ich auch, dann sind wir schon zwei!“ 

„Ich möchte kein Fleischfresser mehr sein.“

„Okay, aber was möchtest Du denn dann essen? Gemüse magst Du ja auch nicht?“

„Dann esse ich eben nur noch Suppe!“ 

Ich bin mal gespannt. Heute Morgen wollte er ein Wurstbrot essen.