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Sonea 13. – ein Geburtstagspost

Ich komme die Treppe hoch und sehe Dich noch schnell aus dem Raum huschen. Zu gut kenne ich Dich und weiß, dass Du schon wieder sämtliche Schränke durchsucht hast, um dem Geheimnis Deiner Geburtstagsgeschenke auf die Spur zu kommen. Einfach überraschen lassen, ist nicht so Dein Ding.

Die Vorfreude auf Deinen Geburtstag könnte auch nach 13 Jahren nicht größer sein, obwohl sie durch die anhaltende Pandemie wiederholt stark getrübt ist.

Aber so sehr Du auch versuchst irgendwelche Geburtstagsgeheimnisse zu lüften, so gut verstehen Dein Papa und ich es trotzdem einige Überraschungen parat zu haben und vor Dir zu verbergen. Auch in diesem Jahr. Wir kennen Dich eben ziemlich gut.

Und trotzdem bist Du es, die die besten Überraschungsmomente schafft. Momente, in denen Du mich morgens damit verblüffst, das über Nacht der Lieblingspulli hässlich oder Zöpfe zu peinlich sind.

Da liegst Du abends im Bett und fragst mich, ob wir Dein Playmobil bei Kleinanzeigen verkaufen können. Das Playmobil, mit dem Du wenige Stunden zuvor noch total versunken gespielt hast.

Schmunzelnd schiele ich zu Dir rüber, während Du Dich noch extra aufstylst, um rüber auf den Spielplatz zu gehen. „Ich möchte unausstehlich aussehen!“ und dann lache ich, weil ich weiß, dass Du eigentlich „unwiderstehlich“ meinst.

Es macht wirklich Spaß Dir beim „Aufwachsen“ zuzusehen. Die meiste Zeit zumindest. Es gibt so viele Momente, in denen ich Tränen lache. Vielleicht lache ich manchmal an Stellen, in denen etwas mehr Ernst angebrachter wäre und vielleicht lache ich auch lauter als ich sollte, aber ich liebe einfach die Art, wie Du die Welt für Dich eroberst. Ich liebe Deinen Humor und Dein offenherziges, ehrliches Wesen.

Endlich Teenager. Oder TeenageriIN, wie Du mich gerne korrigierst. Weil Dir der Unterschied sehr wichtig ist.

Ich bin dankbar für alles, was da gerade passiert.

Dankbar, wenn Du mir eine SMS schreibst (statt mit mir zu reden), dass ich eine „ekelhafte Katze“ sei, weil ich fünf Minuten vorher Bettzeit angekündigt habe.

Dankbar für Deine Streifzüge durch meinen Kleiderschrank und diese Selbstverständlichkeit, wie Du anschließend mit meinem Lieblingshoodie an mir vorbeistreifst.

Ein Recht, das Du für Dich einfach mal einforderst, mich selbst aber mit einem missbilligenden Blick strafst, wenn ich mir ein einziges Mal Dein Halstuch ausgeliehen habe. „Ich möchte Dich nie mehr mit meinem Tuch an Deinem Hals sehen!“ kommentierst Du das dann mit sehr ernster Miene.

Dankbar für Deutscharbeiten, die Du völlig am Thema vorbei schreibst, weil in Deinem Kopf gerade andere Dinge rumschwirren (in dem Fall, warum der Lehrer immer so laut in der Klasse rumschreit).

Dankbar für viel zu laute Musik, die aus Deinem Zimmer dröhnt, unterbrochen von den Erschütterungen, durch Deine energischen Tanzeinlagen.

Dankbar bin ich, wenn ich meinen lange vermissten Kirschlabello zufällig in Deiner „Cosmetix-Box“ entdecke. Nicht zuletzt dafür ihn endlich wiedergefunden zu haben.

Aber vor allem bin ich dankbar für miese Laune, für Widerworte, für all das, was einem immer als „DAS Übel“ dieser Zeit prophezeit wird.

Ich bin dafür dankbar, weil es einfach herrlich normal ist.

Du weißt was Du willst und was nicht. Darin bist Du immer klar und deutlich.

„Und jetzt die Pubertät. Das ist doch bestimmt total anstrengend für Dich, oder?“ fragte mich neulich jemand.

Das kann ich so aber nicht bestätigen. Es gab und gibt immer diese haarsträubenden Momente, die geprägt sind von Verzweiflung und Ratlosigkeit. Die gab es in der Trotzphase, in der Wackelzahnpubertät, dazwischen und auch jetzt, in der offiziellen Pubertät.

Aber es sind nicht diese Momente, die das ausmachen, was es bedeutet mit Dir Zeit zu verbringen.

In Deinem Kopf und in Deinem Körper ist eine Menge los. Das ist nicht immer leicht für Dich. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit bei mir selbst. All das ist schön und frustrierend zugleich. In vielen Dingen sind wir uns sehr ähnlich.

Du spekulierst darauf, dass Du heute endlich eine SIM Karte in Dein Handy bekommst. Bislang funktioniert es nur zu Hause im WLAN. Aber wir hadern noch ein bisschen.

Es sind diese Momente, in denen Du die Mutter des besten Freundes Deines Bruders anrufst, um mit ihrem Mann zu sprechen. Der Grund: Du hast koreanische Schrifzeichen gemalt, die er bitte ins Deutsche übersetzen soll (es sind übrigens Dreiecke, Vierecke und Kreise…verbotene Sachen haben ihren Reiz, auch für Dich).

Es ist das Wissen, dass Du die digitalen Medien schon unglaublich geschickt für Dich zu nutzen weißt, Du kennst die die Regeln, vergisst aber leider zu oft Dich daran zu halten.

Es tut mir so leid, dass Du auch in diesem Jahr Deinen Geburtstag nicht so feiern kannst, wie Du Dir das schon lange erträumt und in Gedanken ausgemalt hast. Mit einer Übernachtungsparty, Fernsehen bis in die Nacht und Beautyprogramm.

Doch Corona, Omikron und nicht zuletzt ein positiver Pooltest geben gerade wirklich alles, um auch noch in letzter Minute unseren kleinen Alternativplan zu durchkreuzen.

Eine Deiner Klassenkameradinnen hatte mich angeschrieben, weil Du sie und noch ein anderes Mädchen zu Deinem Geburtstag eingeladen hast und sie wollte wissen wann und wo das stattfinden wird.

Meine Ängste, dass Du Deinen Platz in der Klassengemeinschaft nicht finden könntest, scheinen gerade ein wenig zu verpuffen. Hoffentlich. Und dann ist da ein anderer Teil in mir, der empört die Hände in die Hüfte stemmt und sagt „Na hör mal! Sie wird IMMER ihren Platz finden. An so viel Persönlichkeit kommt man einfach nicht vorbei.“

Obwohl diese monatelange Vorfreude auf DEINEN großen Tag auch in diesem Jahr ausblieb, hast Du bis zum Schluss nicht aufgegeben und doch noch auf die eine oder andere Möglichkeit Dich zu feiern gehofft.

Und ich verspreche Dir: wir werden feiern. Endlich Teenie! Es ist schon ein bisschen verrückt.

Happy Birthday, mein großes Mädchen.

Ich liebe Dich, Deine Mama

2 Kommentare

  1. Katrin Pühl sagt

    Herzlichen Dank für diese schönen Worte, voller Offenheit und Liebe… Es berührt mich, denn in vielem erkenne ich meine eigenen Gefühle zu meiner jetzt 12Jährigen Felina wieder… Vor allem diese Lebensfreude und Energie, sie sind gleichzeitig die beste „Mitgift“ für das Vorankommen und „sich behaupten“ in dieser Welt, aber eben auf unbekümmerte, fröhliche, ansteckende Art und Weise!
    Habt einen Xtra schönen Tag heute!

  2. Marion Lunau sagt

    Das ist so schön geschrieben, dass ich echt gerade Tränen in den Augen hab…
    Diese Liebe in jedem Satz…
    Ich wünsche euch einen tollen Geburtstag!!!!!!
    Ihr bereichert mein Leben, auf wunderbare Art und Weise.
    Ich bin so dankbar auch für mein Kind… Deshalb weiß ich wie schön es ist ein Kind zu haben! Und auch ich bin sehr dankbar für jedes Motzen.😅❤️. Aber er ist erst 8.
    Liebe Grüße an euch! Ihr seid eine unglaublich tolle Familie!!!
    Marion ❤️

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