Alle Artikel in: Inklusion

Rock my Life!

Durch ein paar empörte Beiträge, die in meiner Facebook-Timeline aufploppten, habe ich von einem sehr unschönen Zwischenfall während einer Tanzshow eines privaten Fernsehsenders erfahren. Ich schaue eigentlich so gut wie nie fern und habe mal wieder nix mitbekommen. Es geht darum, dass in einer Tanzshow eines privaten Fernsehsenders behinderte Menschen umgesetzt wurden, damit sie im Fernsehen nicht zu sehen sind. Nun, ich habe das Thema nicht allzu intensiv verfolgt, aber in der Stellungnahme durch den Sender hieß es wohl, dass man diese Personen zum eigenen Schutz in die Nähe des Notausgangs platziert habe. Das ist natürlich völliger Bullshit. Dass es für die Sicherheit aller keinen Sinn macht behinderte Menschen an den Notausgang zu platzieren, darüber müssen wir nicht wirklich diskutieren. Normalerweise würde ich mich über so einen Vorfall nicht auslassen, schon gar nicht öffentlich, aber er zeigt mir mal wieder sehr deutlich wie unsere Gesellschaft tickt. Es ist natürlich ganz klar, dass die junge Frau mit dem Down-Syndrom, die man unter anderem umgesetzt hatte, die Show gerockt und den attraktiven Kandidaten auf der Tanzfläche die Show …

Du kannst alles sein, was Du möchtest… auch ein Jutschub Star

Das Schöne am Kindsein ist ja, dass man alles sein kann, was man möchte. Am einen Tag ist man Prinzessin, spaziert mit Krönchen auf dem Kopf und weit schwingendem Tutu einkaufen. Am anderen Tag führt man den Hund im Superheldenanzug Gassi. Kinder dürfen das. Und wenn man mal blöd von der Seite angeschaut wird, grinst man stolz und fühlt sich bestätigt. Herrlich unbeschwert. Als Kind stehen einem die Tore zum Leben offen. Du kannst alles sein, was Du sein möchtest. Das sage ich meinen Kindern immer wieder. Simon hat schon ganz klare Pläne für seine Zukunft. Er will mal Polizist werden. „Und dann bekomme ich Kinder. Also meine Frau bekommt die!“. „Wieviele Kinder möchtest Du denn?“. „Zehn! Fünf Jungs und fünf Mädchen!“. Hut ab! Da hat er sich ja was neben dem Schichtdienst vorgenommen! Und wenn wir dann unterwegs sind und er sieht jemanden ohne Helm auf dem Fahrrad, ruft er völlig empört „Das darf man aber nicht! Wenn ich später Polizist bin, bekommt der einen Strafzettel von mir!“. Sonea plant eine berufliche Karriere im Krankenhaus. Das …

*Verlosung* Ich hab gewonnen!!

Inzwischen ist es schon fast zwei Wochen her, dass das 15. Down-Sportlerfestival stattfand. Das dritte Mal in Folge mit uns als Gast und das zweite Mal mit Sonea als eine der motivierten Wettkämpfer. Rund 600 Menschen mit Down-Syndrom im Alter von 4 bis über 60 Jahren nehmen Jahr an diesem gelungenen Sportfestival teil. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass jedes Mal eine sensationelle Stimmung mit ganz viel Gänsehautfaktor und ein paar (Freuden)tränchen herrscht. Als ich Sonea verkündete, dass ich sie wieder für das Down-Sportlerfestival angemeldet habe, hat sie laut gejubelt. Ein Wettkampf unter gerechten Bedingungen. Mit dem Ziel am Ende die Goldmedaille zu bekommen und zu gewinnen, reiste Sonea vorletzten Samstag in aller Frühe mit uns nach Frankfurt. Da wir ja bereits wussten wie mitreißend und einfach nur großartig dieses Sportlerfestival ist, nahmen wir auch in Kauf, dass der Tag für uns schon sehr früh startete. Auch Soneas Bruder freute sich schon sehr auf das Spektakel, denn auch für Geschwisterkinder ist das Down-Sportlerfestival ein tolles Erlebnis. Es gibt zum Beispiel die Geschwister-Olympiade, in …

Die Sache mit der Inklusion

Wenige Monate, nachdem Sonea geboren wurde, trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft, die sich dafür einsetzt, dass Menschen mit Behinderung als vollwertige Bürger der Gesellschaft anerkannt werden und sie fordert die Inklusion und die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Denn Inklusion ist ein Menschenrecht. Wer hier schon länger mitliest, weiß wie sehr wir Inklusion leben und wie sehr mein Herz dafür brennt, dass Sonea ein gleichberechtigtes Leben führen kann. Seit Soneas Geburt 2009 leben wir die Inklusion soweit es uns aus gesellschaftlicher Sicht ermöglicht wird. Neben dem Frühförderspielkreis und dem Down-Syndrom Spielkreis besuchten wir außerdem normale Krabbelgruppen, machten Babyschwimmkurse und all das, was man eben so in der Baby- und Kleinkindzeit mit seinem Kind macht. Es war nicht immer leicht für mich. Denn die anderen Kinder führten mir immer wieder vor Augen wie groß die Schere in der Entwicklung mit der Zeit wurde. Während die anderen Kinder irgendwann völlig selbstverständlich losliefen und anfingen zu reden und ihre Mütter vor Stolz fast platzen, als hätten ihre Kinder gerade ihre erste Bachelorarbeit geschrieben, brauchte es bei uns …

Die Gedanken der anderen

… zum Welt-Down-Syndrom-Tag. Heute ist Welt Down-Syndrom Tag, ein Tag extra für Menschen, wie meine kleine große Tochter und deshalb am 21.03.,  weil bei Menschen mit Down-Syndrom das 21. Chromosom gleich dreimal vorhanden ist (bei Sonea ist es ja nochmal anders, aber das ist eine andere Geschichte…). Und genau dieses winzig kleine Chromosom dafür sorgt, dass Menschen mit dem Down-Syndrom eben ein bisschen anders aussehen, ein wenig anders denken und fühlen. Und doch sind sie Menschen, wie Du und ich. Mich hat es mal interessiert was andere Elternblogger für Erfahrungen mit dem Down-Syndrom gemacht haben. Kennen sie jemanden, der das Down-Syndrom hat oder haben sie sogar ein Familienmitglied mit dem Down-Syndrom? Gibt es jemanden, der sich selbst schon einmal intensiv mit dem Gedanken auseinander setzen musste, selbst ein Kind mit dem Down-Syndrom zu bekommen? Und wie fiel die Entscheidung aus? Nun, erwartungsgemäß war die Resonanz nicht sehr groß, aber ich freue mich dafür umso mehr über die zwei besonderen Beiträge von meinen Mitbloggerinnen Alu von Grosseköpfe und Julia von Frieda Friedlich. Die meisten von Euch …

Dienstag ist Reittag

Dienstags startet Sonea meistens mit guter Laune in den Tag, denn dienstags ist Reittag. Normalerweise holt die Oma Sonea jeden Dienstag ab und fährt mit ihr in den Reitstall. Heute war Schulfrei und so nahmen wir uns einfach mal alle frei und erledigten noch ein paar Dinge, die erledigt werden mussten, wie Reisepässe für die Kinder erstellen lassen und der erste Physiotherapie-Termin vom Löwen. Dort waren wir auch zu viert. Aber ich beruhigte die Therapeutin direkt mal vorweg, dass es bei einer Ausnahme bleibt und sie uns nicht bei allen Terminen zu viert an der Backe hat. Zu viert waren wir diesmal also auch im Reitstall und der Löwe, für den es eine Premiere war, war ziemlich enttäuscht, dass Ihn kein Ponyreiten erwartete. Seit einigen Monaten ist Sonea in einer Voltigiergruppe und nicht mehr in der Einzelstunde beim therapeutischen Reiten. Inklusion pur, also. Und sie macht das wirklich richtig toll. Ich bin jedes Mal ganz baff und auch ein bisschen nervös. Einem fünften Teil von Bibi und Tina mit neuer Bibi-Besetzung steht also nix im …

In Watte gepackt und gut verdrängt

Gestern Nachmittag hatte ich meinen Jahrescheck beim Frauenarzt. Reine Routine, nix wildes und immer damit endend, dass wir uns zum Jahresbeginn mit den Worten „Dann mal frohe Weihnachten und nen guten Rutsch!“ verabschieden, davon ausgehend, dass nix unvorhersehbares dazwischen kommt. Vor ein paar Wochen rief mich die Sprechstundenhilfe meines Frauenarztes an und meinte „Darf ich Deine Nummer weitergeben? Wir haben da eine Patientin, die frisch entbunden hat. Ein Kind mit Down-Syndrom“. Obwohl ich weiß wieviel unendliche Traurigkeit mit dieser Nachricht verbunden ist und ich mich nur zu gut in die Eltern hineinversetzen kann, freue ich mich ein kleines bisschen. Wie schön! Ein Kind mit Down-Syndrom. Wieder eins, das sich durch die schweren Hürden der Pränataldiagnostik ins Leben gekämpft hat und nun zeigen darf, dass es 100% lebens- und vor allem auch liebenswert ist. Beim Arzt sprach ich noch ein wenig mit der Sprechstundenhilfe über „damals“. Sie hatte meine Nummer bislang noch nicht weitergegeben, weil sie die Familie erst einmal „ankommen“ lassen wollte. „Ich weiß noch wie tough Du damals warst. Das war echt bewundernswert!“ „Ja, war …

Ganz schön pieksig

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da machte ich mir mütterliche Sorgen um die Freundschaften meiner Tochter. Nicht diese, die den richtigen Umgang betreffen, sondern diese, dass sie gar keine Freunde haben könnte. Nach dem Start ins Schulleben fand ein Abnabelungsprozess statt, der mir sehr schwer fiel. Mein kleines Kitakind war nicht nur plötzlich ein großes Schulkind, sondern ich hatte auch nicht mehr die Möglichkeit mich mit allen Bezugspersonen so auszutauschen, wie ich es von der Kita gewohnt war. Ich brachte sie nicht mehr hin und holte sie auch nicht mehr ab. Alles, was ich hatte, waren die spärlichen Erzählungen meines Kindes und ein Mitteilungsheft, in dem wichtige Infos aufgeschrieben werden. Ich musste mich damit abfinden, dass ich nur noch das erfahre, was ich wirklich erfahren soll. Ich erlebe mein Kind also nur noch sehr selten im Umgang mit den Mitschülern und bislang auch nur einmal im Unterricht. Ich glaube, sie macht das ziemlich gut und sie hat ihren Platz in der Klassengemeinschaft gefunden. Und ich glaube auch, dass sie Freunde gefunden hat. Sonea …

Rückblick auf ein Jahr inklusive Schule – wie Tivoli!

Vor ziemlich genau zwei Jahren standen wir noch ganz am Anfang unserer Odyssee und auf der Suche nach einer geeigneten Schule für Sonea. Wie gerne hätte ich mein Kind einfach an einer der drei nahegelegenen Schulen angemeldet. An der, die mir am besten für mein Kind gefallen hätte. Aber wenige Telefonate und einen Hospitationstermin später, kam die Ernüchterung – wenn wir die Inklusion wirklich wollen, müssen wir nehmen was kommt. Eine einzige Grundschule im Umkreis von 10 Kilometern war bereit das Abenteuer Inklusion auf sich zu nehmen und das zweite Jahr in Folge ein Kind mit dem Down-Syndrom zu beschulen. Unsere Alternative wäre die Förderschule gewesen. Insofern praktisch, weil sie direkt um die Ecke ist und somit fußläufig erreichbar. Mein Bauchgefühl sagte mir aber, dass das nicht unser Weg sein wird und wir zunächst einmal den steinigeren Weg ausprobieren. Dass uns so viele Steine in den Weg gelegt werden, bevor wir diesen Weg erst einmal betreten haben, hätte ich nicht gedacht. Es war kräftezerrend und es gibt nichts zermürbenderes als kurz vor Schulbeginn immer noch …

Ich will nicht!

… war der meist gehörte Satz in den letzten sechs Wochen. „Ich will nicht!“ wenn man diesen Satz von unserer Siebenjährigen hört, kommt man da selbst als fünf Mal Siebenjährige nur mit Samthandschuhen und viel Fingerspitzengefühl gegen an. „Ich will nicht!“ hat die gleiche Wirkung wie ne geschlossene Terrassentür, durch die man versucht durchzulaufen. Oder dieser Überraschungseffekt, wenn man beim Kuchen essen auf nen Kirschkern trifft. „Ich will nicht!“ kann so unglaublich zermürbend und anstrengend sein und eigentlich ist und bleibt es nur eine kleine Rebellion einer Siebenjährigen, die ihren eigenen Willen ganz klar zum Ausdruck bringt. Die Schwierigkeit bestand also darin, die Interessensschwerpunkte einer Siebenjährigen und einer fünf Mal Siebenjährigen (pssst… plus eins) auf einem Nenner zu bringen. Könnt Ihr mir noch folgen? Ich wäre an dieser Stelle nämlich zwischendurch gerne mal einfach ausgestiegen. Ab morgen geht es wieder los und ich bin mir sicher, dass ich morgen früh noch gefühlte 100 Mal „Ich will nicht!“ hören werde. Und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht auf den Schulstart freue. …