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Die Sache mit den Geburtstagen

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Sonea liebt Geburtstage. Am liebsten natürlich ihre eigenen, aber alle anderen auch.

In den letzten Wochen hat sie gleich drei Geburtstagseinladungen auf einmal bekommen. Die Freude über jede einzelne ist unbeschreiblich riesig und die Einladungen werden wie Liebesbriefe in einer Schachtel gesammelt und immer wieder hervorgekramt und gelesen.

Diese drei Einladungen sind die ersten für dieses Jahr. Wir haben uns daran gewöhnt und trotzdem tut es mir manchmal unglaublich leid für sie. Ihr Bruder bringt eine Einladung nach der anderen mit nach Hause. Und wenn ich eins an Sonea besonders schätze, ist es ihre Freude mit anderen. Statt traurig zu sein, jubelt sie, weil ihr Bruder zu einer Party eingeladen ist. Und dann ist sie genau so aufgeregt, als sei sie diejenige, die bald eine Party rocken darf.

Umgekehrt hält sich die Mitfreude in Grenzen. Als die dritte Einladung für die nächsten zwei Wochen ins Haus geflattert kam, hat sie der kleine Bruder vor Wut zerrissen, nachdem Sonea immer wieder vor seiner Nase damit herum tänzelte. Unter Tränen haben wir die Einladung mit Tesafilm wieder zusammengeklebt. Fast wie neu.

Angst vor der Ungewissheit

Die Einladungen, die sie bekommt, sind selten. Sehr selten. Es liegt nicht daran, dass Sonea so unbeliebt bei anderen ist. Das ist es nicht. Ich denke viel mehr, dass es die Unsicherheit der anderen ist. Eine Unsicherheit, die ich im gewissen Maße sehr gut nachvollziehen kann.

Kann ich mich denn überhaupt mit dem Kind verständigen? Versteht es, was ich sage? Braucht es meine ganze ungeteilte Aufmerksamkeit während der Feier? Kann es überhaupt alleine auf den Geburtstag kommen oder hat es die Mutter im Schlepptau? Unendlich viele Fragen, die einem sicherlich durch den Kopf gehen. Und aus Erfahrung weiß ich auch, dass sie nicht direkt angesprochen werden.

Es ist schon anstrengend genug so einen Kindergeburtstag mit lauten, wilden Kindern, alle auf Zucker, zu managen. Wer tut sich da noch gerne freiwillig das behinderte Kind an?

Ganz einfach der, der sich von dieser Behinderung loslöst und dieses Kind als ganz normalen Gast sieht. Berührungsängste können gelöst werden, indem man darüber ganz offen spricht.

Ich war zum Beispiel unsicher und ein bisschen nervös als Simons gehörloser Freund zum ersten Mal zu Besuch kam. Überraschend selbständig. Ohne Mama und ohne Dolmetscher. Im Nachhinein war mir diese Unsicherheit ein wenig peinlich, denn die Kinder haben das ganz wunderbar und souverän untereinander geregelt. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, hat Simon übersetzt und umgekehrt hat er den Dolmetscher gemimt und sich mit seinem Freund gebärdet, als würde er das schon immer so machen.

Inzwischen freue ich mich immer sehr, wenn Simons Freund uns besuchen kommt. Er ist sehr aufgeweckt und hat immer viel zu erzählen. Ich verstehe meistens nur ein Bruchteil von alledem, aber ich mag dieses Kind.

Worst Case Szenario – lecker Kuchen!

Was kann also passieren, wenn man ein Kind zum Geburtstag einlädt, dass ein wenig anders ist? In Soneas Fall gibt es zwei Risiken. Es könnte passieren, dass ihr der Kuchen schmeckt. So gut, dass sie noch ein drittes Stück einfordert. Neben unzähligen Süßigkeiten. Und Würstchen. Oder aber der Kuchen schmeckt nicht… oder ist auf Dauer langweilig… dann  durchforstet sie die Eistruhe nach Eis. Davon bekommt sie leider Durchfall. Aber das ist dann unser Problem. Denn bis es soweit ist, ist die Party vorbei. Und bei den großen Mengen an Kuchen und Süßigkeiten… ach lassen wir das.

Worst Case Nummer 2 ist, dass sie sich aus dem Geschehen ein wenig raus nimmt und es lieber von außen betrachtet (gedanklich aber mittendrin dabei). Im schlimmsten Fall schlägt ihre Laufträgheit durch. Machste nix. Eine Möglichkeit ist einen Bollerwagen mitnehmen oder aber sie mit ein paar Tricks zum Laufen animieren. Und ein paar Tricks hat jeder in der Tasche, weil Kinder so herrlich unberechenbar sind.

Outfits von Fred’s World

Noch ein paar Infos zu den Outfits der Kinder. Der Eisbären-Partnerlook der Kinder ist von dem tollen dänischen Label Fred’s World by Green Cotton, deren Kleidung aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle produziert wird. Alle Kleidungsstücke werden fair und nachhaltig in Europa produziert.

Für Sonea gab es ein Eisbärenkleid und für Simon einen coolen Raglan-Sweater mit Eisbärenkopf.

Sonea hatte bereits vor zwei Jahren eine tolle Winterjacke von Fred’s Word, mit der wir durchweg gute Erfahrungen gemacht haben, so dass in diesem Jahr wieder dieses coole Label die beiden kuschelig warm durch den Winter bringen darf.

 

 

 

 

 

6 Kommentare

  1. Bianca sagt

    Das geht mir mit meinem Prader -Willi-Jungen ebenso. Betrifft aber Einladungen allgemein, gibt’s nämlich so gut wie keine, da kann ich so viel einladen wie ich will, es kommt kaum was zurück. Und langsam merkt es mein 6 jähriger Sohn auch, weil : behindert hin oder her heißt ja nicht gleichzeitig doof…

  2. @naehmatode sagt

    Interessant (und unerwartet), dass Du selbst auch diese Berührungsängste hast. Aber so kannst Du wenigstens Verständnis aufbringen für die unsicheren Eltern. Trotzdem – oder erst recht:
    Fürs nächste Jahr wünsche ich Sonea mindestens 50 Geburtstagseinladungen! 🙂

    • Ach so überraschend finde ich es selbst nicht. Dinge, die uns fremd sind, sorgen nunmal für Unsicherheiten. Nur weil ich selbst Mutter eines behinderten Kindes bin, bin ich nicht universell frei von diesen Berührungsängsten bzw. Unsicherheiten.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Katharina

  3. Marie sagt

    🙂
    Ich bin so ein Kontrollfreak, dass ich dir im Vorfeld wahrscheinlich ein Loch in den Bauch gefragt hätte, wäre ich in der Situation einer Gastgeber-Mutter gewesen. Die Kindergeburtstage (lang sind sie her. Ohje! Ein Glück!) habe ich immer ziemlich akribisch vorbereitet, weil mich das entspannt hat – ich habe gerne einen Plan B.!
    Und spätestens im Gespräch mit dir wäre dann dich das Meiste klar geworden?! Aber ich bin auch diejenige, die den gutgelaunten Gehbehinderten vor dem Fahrstuhl fragte, ob er noch mit wolle oder lieber Treppen laufen? (Wir mussten übrigens beide sehr lachen – da hatten sich zwei Irre getroffen!) Ich ginde, offensichtliches darf man ruhig benennen…
    Naja, just my two cents!
    LG,
    Marie

    • Oh, ich hatte vor ca. 15 Jahren genau so einen Dialog mit einem Gehbehinderten, dem wir die Treppe runter geholfen haben. Da er sich dabei an einem Fahrrad festgehalten hatte, fragte ich ihn völlig selbstverständlich, ob ich ihm sein Fahrrad auch noch runter tragen soll. Er hat es mit Humor genommen und ich habe damit einem Lacher für die Ewigkeit geschaffen.

      Liebe Grüße
      Katharina

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