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Du kannst alles sein, was Du möchtest… auch ein Jutschub Star

Das Schöne am Kindsein ist ja, dass man alles sein kann, was man möchte.

Am einen Tag ist man Prinzessin, spaziert mit Krönchen auf dem Kopf und weit schwingendem Tutu einkaufen. Am anderen Tag führt man den Hund im Superheldenanzug Gassi. Kinder dürfen das. Und wenn man mal blöd von der Seite angeschaut wird, grinst man stolz und fühlt sich bestätigt. Herrlich unbeschwert.

Als Kind stehen einem die Tore zum Leben offen. Du kannst alles sein, was Du sein möchtest. Das sage ich meinen Kindern immer wieder.

Simon hat schon ganz klare Pläne für seine Zukunft. Er will mal Polizist werden. „Und dann bekomme ich Kinder. Also meine Frau bekommt die!“. „Wieviele Kinder möchtest Du denn?“. „Zehn! Fünf Jungs und fünf Mädchen!“. Hut ab! Da hat er sich ja was neben dem Schichtdienst vorgenommen!

Und wenn wir dann unterwegs sind und er sieht jemanden ohne Helm auf dem Fahrrad, ruft er völlig empört „Das darf man aber nicht! Wenn ich später Polizist bin, bekommt der einen Strafzettel von mir!“.

Sonea plant eine berufliche Karriere im Krankenhaus. Das steht schon lange fest. Gelegentlich kippt ihr Vorhaben und sie kündigt mitten im Mc Drive an, dass sie bei „Mack Donnaldss“ arbeiten möchte. Oder aber beim Aldi.

Die Sommerferien waren nervenaufreibend und dennoch habe ich die intensive Zeit mit meinem großen Mädchen sehr genossen. Im Alltag poltern die ganzen kleinen Entwicklungsschritte Steinchen für Steinchen nebenbei. Man staunt und freut sich über so vieles, aber findet doch nicht die Zeit sie intensiv zu würdigen. Die letzten Wochen, die ich arbeitend mit Sonea an meiner Seite verbracht habe, waren sehr intensiv und ich wurde Teil ihrer sommerlichen Metamorphose. Ihres innerlichen Wachstums.

Obwohl ich mich in den letzten Wochen oft gefragt habe, ob sechs Wochen Ferien nicht überholt sind. Wir sind keine Bauern und haben auch keine Acker, die geerntet werden müssen. Wir haben noch nicht einmal einen Garten. Unsere Kartoffeln kaufen wir im Supermarkt.

Sechs Wochen ist eine Menge Zeit, um sich zu langweilen und Quatsch zu machen. Aber auch Langeweile ist erwiesenermaßen wichtig. Und während ich so oft ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich Sonea nicht die Aufmerksamkeit und das Program bieten konnte, das sie in ihren Ferien verdient hätte, hat uns diese gemeinsame, entschleunigte Zeit ohne viel Action doch sehr gut getan.

Nicht begeistert bin ich allerdings von Soneas neuen Plänen für die Zukunft. Denn mittlerweile plant sie eine Karriere als „Jutschub-Star“.

Wenn ich mein Smartphone mal unbeaufsichtigt liegen lasse, dreht sie heimlich ganze Homestories von unserem Zuhause, an dem die Ferienzeit auch nicht spurlos vorbei geht, wohlbemerkt. Und wenn ich abends mal mit dem Laptop auf dem Schoß auf dem Sofa sitze, statt das Chaos des Tages zu beseitigen, legt sie ihren Arm freundschaftlich um mich und fragt mich mit aufgeregt funkelnden Augen „Was geht ab Mama? Schreibst Du gerade in meinem Blog?“. Nun, auch wenn das Internet mein zweiter Wohnsitz ist, bin ich nicht ganz so angefixt von der medialen Begeisterung meiner Tochter. Inklusion ist schon schwierig genug in der analogen Welt.

Vielleicht können wir noch einmal über ihren Wunsch bei „Mack Donnaldss“ zu arbeiten sprechen? Es wäre doch zum Beispiel spannend zu erfahren wie die Chancen für Sonea stehen würden dort einen Arbeitsplatz zu bekommen. Habt Ihr schon mal einen Mc Donalds Mitarbeiter mit Down Syndrom gesehen?

Ihr könnt alles werden, was Ihr wollt. Für beide Kinder erhoffe ich mir eine glückliche und selbstbestimmte Zukunft, aber insbesondere für Sonea wünsche ich mir, dass sie später einmal ihren Weg findet und einen Job macht, der ihr viel Freude bereitet. Dass Inklusion irgendwann nicht nur ein lästiges Wort ist, sondern Selbstverständlichkeit und fest verankert in den Köpfen und Herzen der Menschen. Und wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt, dann macht sie eben Karriere als Spielzeugtesterin und wird ein Jutschub-Star.

Stoff: Rapunzel von SUSAlabim ab Samstag bei lillestoff.

Schnitt: Girly-Shirt von Konfetti Patterns

8 Kommentare

  1. Ja ich denke ich habe auch schon einen Mack Donnaldss Mitarbeiter mit Down Syndrom gesehen. Aber ein Job im Krankenhaus wäre doch auch nicht schlecht? Muss ja nicht gleich Ärztin werden 🙂

    • Ja, vielleicht kann sie ja Pflegehelferhelferin werden und Materialien auffüllen, vielleicht sogar einfache Verbände anlegen. Das wäre für sie sicherlich das Größte 🙂

  2. Heike sagt

    Also, in Amerika ist das auch möglich. Wir leben in Boston und in „unserem“ Supermarkt arbeiten lauter besondere Menschen. Ich habe noch nie etwas Negatives darüber gehört oder gesehen. Auch auf unserer Reise in den mittleren Westen trafen wir bei McD einen besonderen Mitarbeiter. Auf seinem Namensschild stand „Mr. Awesome“. Die Bestellung lief sehr langsam, aber völlig korrekt und überaus freundlich ab. Und wir hatten auf beiden Seiten sehr viel Spaß miteinander. So ein Selbstverständnis und so einen Umgang wünsche ich mir in naher Zukunft für die ganze Welt!
    LG aus Neuengland
    Heike

  3. Knodel Inge sagt

    Hallo Katharina, bei euch sind die Ferien vorbei und für Sonea beginnt wieder der Schulaltag. Herr Simon geht warscheinlich auch schon wieder in den Kindergarten.Wir haben noch knapp 14 Tage. Nächstes Jahr kommt Herr Simon und unser Enkel Nr. 5 in die Schule. Die Zeit rast nur so an uns vorbei. Ich bin auch der Meinung, daß die Kinder alles sein dürfen und ungehindert von der einen Rolle in die Andere schlüpfen dürfen. Das ist ja auch das Schöne am Kind sein. Wir haben das große Glück, unser Obst und Gemüse direkt beim Bauern kaufen zu können. Es ist machmal etwas teurer als im Supermarkt, dafür frisch und ich weis wer es anbaut und kann so unsere Bauern unterstützen. Wir brauchen unsere Bauern sonst haben wir später nur noch ein paar Erzeuger die uns nur noch solche Waren kaufen lassen die für sie den größten Gewinn abwerfen. Altes bewährtes Saatgut geht verloren wie früher z.B. die Alblinse. Mit sehr viel Mühe wurde das Saatgut in Russland wieder gefunden und über Jahre wieder kultiviert. Wenn du sie mal probiert hast, dann möchtest du keine Anderen mehr essen. Wieder sehr schöne Bilder von Sonea und Herrn Simon. Simon steht das Shirt auch gut.Ich lese sehr gerne deinen Blog und bin begeistert von den Fotos.

  4. Stella sagt

    Hallo,

    ja, ich habe schon einen Mitarbeiter bei MCD mit Down-Syndrom gesehen. Und zwar in Österreich wenn man die Europabrücke fährt. Dieser nette junge Mann drückt Marietta immer so nett und sie lässt es auch geschehen. Das sind immer schöne Momente.
    LG Stella

  5. Hahaha, ich habe ja selbst einen kleinen Jutschub-Star hier und Jolina macht das mit Begeisterung nach. Ich dachte ja es wird ein kleiner harmloser Ausflug, mit solcher Reichweite hätte ich nie gerechnet, doch da muss ich jetzt durch, wobei ne Beziehung zu ALDI nicht zu unterschätzen ist, wenn es Montags tolle Angebote gibt 😉

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