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Mein Leben mit dem Besonderen #103 Leben auf zwei Planeten

Mein Leben mit einer fiesen Diagnose

…. immer, wenn ich meinen Freuden und meiner Familie beibringen muss(te), dass ich schwer erkrankt bin, kam es mir vor, als sei ich anonyme Alkoholikerin (aber nein, DAS ist nicht mein Problem). „Hallo, mein Name ist Jasmine, ich bin 41 Jahre alt und bei mir wurde Darmkrebs diagnostiziert“, so mein Sprüchlein. Gut, vorstellen muss ich mich natürlich nicht, aber dieses Gefühl, etwas zu beichten, was null in mein Leben passt, das kommt mir nach wie vor ein wenig surreal vor.   

Warum ich von meiner Erkrankung erzähle? Wenn ich nicht auf mein Bauchgefühl (im wahrsten Sinne des Wortes) gehört hätte, dann wäre meine Krankengeschichte mit sicher unguten Prognosen weiterverlaufen und ich möchte allen unter Euch in ähnlichen Situationen Mut machen, sich auf die eigene Intuition zu verlassen. Ich nutze meine Krankheit als Chance, endlich das zu machen, was ich immer machen wollte (schreiben und mein Mann und ich organisieren gerade für 2018 eine Weltreise).

Eigentlich hatte ich seit meiner Studentenzeit Angst vor dem „Biest“, wie ich den Krebs nenne. Ich war gerade einmal zehn Monate alt, meine lieben Schwestern waren vier und sechs Jahre, als unsere Mama an Knochenkrebs verstarb. Da stand also mein Vater allein mit drei kleinen Kindern und musste, neben seinem fordernden Job als Unfallchirurg, irgendwie unser und sein Leben organisieren. Zu weit will diesen Teil unserer / meiner Biographie nicht ausführen. Aber natürlich begleitet einen den Verlust seiner Mutter und die damit verbundene Angst.

Nun bin ich selber Mama von zwei zuckersüßen Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren und ich habe mir vorgenommen, zu bleiben, zu kämpfen, zu gewinnen – denn das kann ich gut. Das Biest hätte sich vorher überlegen sollen, mit wem es sich anlegt. Ich bringe nun nicht gerade ein Kampfgewicht auf die Waage, aber mental bin ich ein EXTRA-Schwergewicht. „Zart, aber zäh“, wie meine Schwester treffend sagte.

„Wie wurde eigentlich der Krebs festgestellt?“, ist immer DIE zentrale Frage. Tja, genau da sind wir beim eigentlichen Punkt: Zufall und meine Hartnäckigkeit. Mir ging es schon seit Monaten nicht wirklich gut. Ich war ständig müde, musste mich oft ausruhen und habe wahnsinnig abgenommen. „Na“, dachte ich „da stimmt aber was so richtig nicht“. Also ging ich ungelogen dreimal zu meiner Ärztin. „Jasmine, Sie sind eine gesunde, junge Frau, Sie sind nur erschöpft, wegen Ihrer zwei Kinder“. „Moment mal“, dachte ich mir, „ich war selbst nach den Entbindungen nicht so fertig“. Im Sommer 2016 haben wir uns dann einen Camper geliehen und sind von München bis nach Barcelona gefahren – es war herrlich. Einzig: ich war ständig krank, angeschlagen, müde. Zurück zu Hause wollte ich einen Termin bei meiner besagten Ärztin vereinbaren, die, oh Glück, selber im Urlaub war. Dann ging alles ganz schnell: Der wundervolle Vertretungsarzt stellte mir einige Fragen, die ich alle mit: „Ja, ja, ja, ja, ja und JAAAAA!!!!“ beantwortete, ordnete ein Blutbild an – und ab da war klar, dass etwas so gar nicht stimmte. Um es abzukürzen: Eine Woche später hatte ich meine OP und vier Wochen nach der OP die erste Chemotherapie… .

Und nun? Mir geht es gut: ich habe an vielen kleinen und großen Rädchen geschraubt und genieße das Leben mit meinen drei Liebe(n). Oft hört es sich nach einer Phrase an:  aber, ich begreife das Biest als Chance. Wenn ich nicht jetzt das mache, was ich will und mir wünsche wie z.B.kürzer zu treten, zu schreiben (ich bin seit Kurzem mit meinem Blog www.it-s-mine.de online) zu meditieren und, und, und, was für einen Sinn hätte diese Phase? In der Vergangenheit dachte ich immer, dass dafür keine Zeit oder kein Geld sei (was ich nun besonders im Freundeskreis beobachte). Aber „hey!!“ es geht, irgendwie geht es wirklich.

Einzig: oft fühle ich mich, als sei ich aus der Umlaufbahn meines eigenen, kleinen, alten Planeten herauskatapultiert worden und auf einem neuen gelandet – ich bin noch nicht ganz angekommen, er fühlt sich noch bissel fremd an – wispert mir aber tausend Ideen und Möglichkeiten zu…. .

2 Kommentare

  1. Karin Blas. sagt

    Dein Beitrag und dein Blog habne mich sehr berührt und direkt ins Herz getroffen! Jetzt hast Du eine Leserin mehr. Ich wünsche Dir von Herzen ganz viel Kraft, um das Biest zu besiegen und gaaanz lange für deine zwei Kinder da zu sein. Fühl Dich gedrückt, Karin

  2. Annika sagt

    Toll! Nicht die Diagnose, aber was du/ ihr als Familie daraus macht! Ich bewundere dich hier gerade aus tiefstem Herzen! Schreiben und Weltreise wären auch genau die beiden Dinge, die ich auch gerne machen würde – wirklich und ganz ehrlich! Ich bin mir sicher, dass ihr euren Weg geht und das Biest irgendwann wirklich nur das war, was dich in eine neue und schönere Umlaufbahn katapultieren musste! Wenn man merkt, wie endlich das Leben sein kann, sollte man es eigentlich nicht vertrödeln, sondern jeden Moment in vollen Zügen genießen!

    Liebe Grüße von Annika aus Berlin

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