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Die Sache mit der Inklusion

Wenige Monate, nachdem Sonea geboren wurde, trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft, die sich dafür einsetzt, dass Menschen mit Behinderung als vollwertige Bürger der Gesellschaft anerkannt werden und sie fordert die Inklusion und die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Denn Inklusion ist ein Menschenrecht.

Wer hier schon länger mitliest, weiß wie sehr wir Inklusion leben und wie sehr mein Herz dafür brennt, dass Sonea ein gleichberechtigtes Leben führen kann.

Seit Soneas Geburt 2009 leben wir die Inklusion soweit es uns aus gesellschaftlicher Sicht ermöglicht wird. Neben dem Frühförderspielkreis und dem Down-Syndrom Spielkreis besuchten wir außerdem normale Krabbelgruppen, machten Babyschwimmkurse und all das, was man eben so in der Baby- und Kleinkindzeit mit seinem Kind macht. Es war nicht immer leicht für mich. Denn die anderen Kinder führten mir immer wieder vor Augen wie groß die Schere in der Entwicklung mit der Zeit wurde. Während die anderen Kinder irgendwann völlig selbstverständlich losliefen und anfingen zu reden und ihre Mütter vor Stolz fast platzen, als hätten ihre Kinder gerade ihre erste Bachelorarbeit geschrieben, brauchte es bei uns jede Menge Vorarbeit all diese Hürden zu nehmen. Die Entwicklungsschritte kamen, nur eben in Soneas eigenem Tempo und auch nicht so selbstverständlich wie bei allen anderen Kindern.

An unsere Grenzen sind wir das erste Mal gestoßen als wir versuchten einen U3-Kitaplatz für Sonea zu bekommen. Inklusion im Kindergarten ist leider keine Selbstverständlichkeit. „Zu betreuungsintensiv“ hieß es, ohne unsere Tochter überhaupt gesehen zu haben. Ich war völlig fertig und habe am Ende nur noch geheult. Etwa 50 Kindergärten im Umkreis hatte ich abtelefoniert. Glücklicherweise hatte sich das Warten gelohnt und Sonea kam mit dreieinhalb in die für uns perfekte Kita.

In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan und Inklusion ist trotzdem nach wie vor ein schwarzes Schaf und oft habe ich das Gefühl, dass Inklusion den meisten Menschen einfach zu lästig ist. Dabei sollte sie selbstverständlich sein. Ich weiß, dass Inklusion Arbeit bedeutet, aber wenn ich dann Leute höre, die im Prinzip gar nicht im Thema sind, sich aber die Meinung heraus nehmen, dass ein inklusiv beschultes Kind allen anderen (Regel)Kindern schadet, könnte ich wirklich explodieren. Nicht, weil ich diejenige bin, deren Tochter der „Störfaktor“ ist, sondern weil es mir wieder mal zeigt, dass die meisten Leute gar nicht verstanden haben was Inklusion wirklich bedeutet und dass sie eben nicht nur Vorteile für mein Kind mit Down-Syndrom bringt, sondern eben alle davon profitieren. Leider werden wir immer wieder mit diesem Irrglauben konfrontiert, dass Inklusion schädlich ist.

Inklusion bedeutet Arbeit und Geduld und vor allem ist sie ein Kostenfaktor, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Leider ist es auch so, dass mit der Inklusion wichtiges Personal und Gelder gestrichen wurden, die unabdingbar sind. Die Katze beißt sich in den Schwanz. Allerdings bin ich auch der festen Überzeugung, dass wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch.

Leider kam die bittere Ernüchterung von allen Seiten, als vor über zwei Jahren die Schulwahl für Sonea anstand. Für uns war ziemlich schnell klar, dass wir den inklusiven Weg weiter gehen wollen. Allerdings stieß unser Vorhaben auf wenig Gegenliebe. Wir schauten uns einige Schulen in Wohnortnähe an, aber von einem ehrlichen „Wir sind noch nicht soweit ein Kind inklusiv zu beschulen“ bis hin zu einem eiskalten „Wir werden uns ihr Kind ansehen und beurteilen, ob eine Förderschule nicht doch besser für sie wäre.“ war alles dabei.

Ich muss dazu sagen, dass ich sehr froh bin, dass es Förderschulen gibt, denn nicht für jedes Kind ist eine inklusive Beschulung der richtige Weg. Aber mein Gefühl sagte mir auch nach einer Hospitation in der Förderschule: wir gehen den inklusiven Weg mit der Option, dass es eben auch noch einen Plan B gibt, wenn es doch nicht der richtige Weg für unsere Tochter ist. Aber ich wollte es nicht unversucht lassen. Von sämtlichen Seiten redete man uns ein, dass mir fast schon die Zweifel kamen, ob ich Sonea zu viel zumute und noch dazu die Ernüchterung, weil es scheinbar keine Schule gab, die bereit war meine Tochter inklusiv zu beschulen.

Und dann rief ich in der Grundschule an, die unsere letzte Hoffnung war. Hoffnung, die ich fast schon nicht mehr hatte. „Wir würden uns gerne Ihre Schule ansehen und einen Hospitationstermin vereinbaren. Aber ich frage am besten vorweg: meine Tochter hat das Down-Syndrom. Sind sie bereit ein Kind mit Down-Syndrom zu beschulen oder kann ich mir diesen Urlaubstag sparen?“ und die Antwort von Soneas Direktorin ging direkt ins Herz „Ganz ehrlich? Wir würden uns riesig freuen. Wir haben hier ein anderes Mädchen mit Down-Syndrom auf der Schule und sie ist eine Bereicherung für uns alle.“ .

Für die Hospitationstermine an diversen Schulen, Schuleingangsuntersuchungen, SPZ-Terminen und Terminen rund um das AOSF-Verfahren (denn es reicht ja nicht, dass man schwarz auf weiß den Gentest vorliegen hat und noch dazu einen Behindertenausweis mit 100% GBH, das Schulamt will es vor Schuleintritt noch einmal ganz genau wissen, ob das Down-Syndrom nicht über die letzten 6 Jahre durch eine Spontan-Mutation verschwunden ist) gingen sämtliche Urlaubstage und noch mehr Nerven drauf. Hinzu kamen die Sorgen rund um die Suche nach einer passenden Schulbegleitung, die wir aber auch erst so wirklich suchen konnten, nachdem das AOSF-Verfahren abgeschlossen war (und sowas dauert). Uns waren die Hände gebunden und wir konnten nichts anderes tun als zu warten. Ein furchtbar ohnmächtiges Gefühl.

Inzwischen besucht Sonea die zweite Klasse ihrer Grundschule. Wir haben den Schritt nicht bereut sie inklusiv zu beschulen. Sonea lernt in ihrem eigenen Tempo und wird in ihrem Schulalltag von ihrer Schulbegleitung, der Mutter einer früheren Kita-Freundin, unterstützt. Sonea hat das große Glück in einem Klassenverband zu sein, in dem die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse zusammen unterrichtet werden. Das nimmt ihr den Druck, denn natürlich ist sie aktuell nicht auf dem Stand einer fast Drittklässlerin.

Sonea liest sehr gerne und macht das inzwischen richtig gut. Das Schreiben bereitet ihr dagegen mehr Schwierigkeiten, aber das hindert sie nicht daran uns „Strafsedel“ zu schreiben, wenn sie sauer auf uns ist oder aber Party-Einladungen zum „Kpostak“ zu schreiben. Denn Sonea hat nicht nur ein Chromosom mehr, sondern auch gefühlt 389 Mal im Jahr Geburtstag. Sonea liebt es zu feiern, zu tanzen und (leider) auch zu singen. Und vor allem liebt sie es unter Menschen zu sein.

Inzwischen ist sie in ihrer Schule voll und ganz angekommen und laut der Lehrer und soweit wir das mitbekommen voll inkludiert und beliebt. Die größten Probleme im Schulalltag sind, dass Sonea sich inzwischen so „zu Hause“ fühlt, dass sie sich gerne mal vor ihrer Schulbegleiterin versteckt oder zu Erwachsenen frech wird.

In den Osterferien haben wir das erste Mal das Angebot der Ferienbetreuung in Anspruch genommen. Der offene Ganztag bietet in allen Ferien ein Programm an, für das man sein Kind anmelden kann. In der Theorie eine tolle Sache für uns als beide in Vollzeit tätigen Eltern und sicherlich auch spannender fürs Kind als ein Tag zusammen mit Mama im Homeoffice. In der Praxis bedeutet das für uns aber ein weiterer Schwung Anträge. Eine Begleitung für die Ferienzeit muss bei der Stadt bzw. dem Sozialamt beantragt werden. Dann muss eine Vertretung für die Schulbegleitung organisiert werden (was in den Ferien leichter ist als im Schulalltag) und letztendlich muss auch noch ein Antrag für die Schulwegbeförderung während der Ferienzeit beantragt werden (diese haben wir aber in den Ferien selbst organisiert). Es war Soneas eigener Wunsch am Programm der Ferienbetreuung teilzunehmen und ich war ein wenig nervös, weil ich Angst vor Folgen für den normalen Schulalltag hatte, sollte es ihr nicht gefallen. Aber meine Sorgen haben sich nicht bestätigt. Sie hat die zwei Ferienwochen sehr viel Spaß gehabt.

Sonea geht sehr gerne zur Schule. Wir haben keine Erwartung an sie. Sie muss kein Abitur machen und studieren. Wir wollen einfach nur, dass sie die besten Bedingungen hat alles an Wissen mitzunehmen und Lernbedingungen die es ihr erleichtern einen selbstbestimmten Weg zu gehen.

Sonea möchte später einmal im Krankenhaus arbeiten. Und ich habe keine Zweifel daran, dass sie irgendwann mal vielleicht als Pflegehilfskraft tätig ist. Wenn denn unsere Gesellschaft dafür bereit ist und sie lässt.

Allen Eltern, die sich aktuell oder in wenigen Monaten in einer ähnlichen Situation befinden wie wir vor gut 2 1/2 Jahren und ihr Kind inklusiv beschulen wollen, kann ich nur den Familienratgeber der Aktion Mensch ans Herz legen.

Der Familienratgeber wurde rundum überarbeitet und bietet nicht nur rund um die Themen Kindergarten, Schule und andere Lebensphasen viele hilfreiche und nützliche Informationen. Es gibt ebenfalls die Kategorien Schwerbehinderung, Rechte und Leistungen sowie Beratung und Hilfe. Damit ist der Familienratgeber ein umfassendes Nachschlagewerk mit vielen nützlichen Tipps.

Dieser Beitrag wurde von der Aktion Mensch gesponsert. Die Inhalte und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen. 

15 Kommentare

  1. Simone sagt

    Ich finde es super, das ihr für euch den richtigen Weg gefunden habt und befürworte Inklusion sehr!
    Leider hat das ganze immer zwei Seiten, in der Klasse meiner Tochter sind 4 sogenannte I-Kinder und es ist die reinste Katastrophe!!!
    Ein einziger Lehrer, ohne zusätzliche Schulbegleiter oder Sonderpädagogen
    ist mit dieser Klasse völlig überfordert.
    Ausflüge oder spontane Ideen fallen komplett aus, aufgrund der unterschiedlichen “ Besonderheiten“ der Kinder, wer leidet darunter?
    Meine Tochter hilft viel und gerne, aber sie kommt eben selber auch nicht wirklich weiter, denn die ganze Aufmerksamkeit liegt bei diesen 4 Kindern.
    Mittlerweile überlegen wir, die ansonsten sehr gute Schule zu verlassen, denn dort ist die Inklusion in meinen Augen komplett gescheitert!

  2. Ich freue mich, dass Ihr für und mit Sonea diesen Weg geht. Wir haben uns damals schweren Herzens gegen Inklusion und für die Förderschule entschieden. Aus heutiger Sicht würde ich wahrscheinlich die Inklusion wählen … aber damals wäre es meiner Meinung nach nicht möglich gewesen.

    Mit der Entscheidung für die Förderschule sind wir leider auch hier am Wohnort isoliert – die Schule ist ca. 20km entfernt, hat ein riesiges Einzugsgebiet, die Schulfreunde wohnen sonstwo … und die Kinder in der Nähe, kennen meine Tochter nicht und leben ein anderes Leben. Das macht mich traurig und lässt mich manchmal zweifeln, aber einen Rückweg gibt es nicht.

    Ich wünsche Sonea, dass sie weiterhin so offen bleibt und immer ihren Weg findet.

  3. Dunja sagt

    Ich freue mich so sehr für euch, dass Ihr für Sonea diesen Weg gefunden habt!

    Ich wünschte, diese Möglichkeit gebe es auch für mein ältestes Kind, das zwar überdurchschnittlich begabt ist, aber Autist ist und sich in großen Menschenmengen unwohl fühlt.
    Seine „normale Regelschule“ hat ihn auf eine „Sonderschule“ abgeschoben. Dort wird er zwar seinen kognitiven Fähigkeiten entsprechend genauso gut beschult wie an einer „normalen Regelschule“, doch kommt man von dort schlecht wieder auf eine „normale Regelschule“… .

  4. Yvonne sagt

    Hallo! Ich freue mich sehr für euch, dass ihr nach all den Mühen einen Ort gefunden habt mit Menschen, die der Inklusion und Menschen mit Behinderung offen gegenüber sind. Das tut gut zu hören und ich weiß wovon die Rede ist. Ich bin Förderschullehrerin in Niedersachsen und zur Zeit an einer Oberschule tätig und erlebe wie wenig sich in den letzten 23 Jahren in der Schule verändert hat und was es heißt Inklusion gleichzusetzen mit Einsparung Politik. Ich bin leider zur Zeit sehr frustriert wie alleine gelassen alle Kollegen und Kinder von den Verantwortlichen gelassen werden und wie starr die Systeme und Köpfe der Menschen sind…Ich wünsche euch weiterhin Kraft, Freude und Mut für euren Weg.
    Herzliche Grüße Yvonne

  5. Anke Wendt sagt

    Hallo, ich lese deinen Blog schon lange und mit großer Begeisterung.
    Und immer wieder treffe ich auf Einträge von dir die ich sooooo gut nachvollziehen kann.
    Dann fühle ich mich wieder zurückversetzt in die Zeit als mein Sohn klein war.
    Sein besonderes war (und ist) die ADS mit einem Sprachfehler.
    Es viel ihm immer schwer sich mit Worten verständlich zu machen, also ging er irgendwann dazu über die anderen Kinder in der Kita zu hauen und seiner Frustration so Luft zu machen. Von den Erzieherinnen wurde er immer als unerzogen angesehen und nicht immer fair behandelt.
    Und dann sollte er in die Schule und meine Angst vor Ausgrenzung wuchs. Ich wusste das er schlau war, aber würde das auch eine Lehrerin erkennen können die 30 Kinder in der Klasse hat? Für mich war die Antwort ein klares Nein.
    Und wie würde sich mein Kind verhalten wenn die anderen ihn wegen seines Stotterns und dem Sprachfehler ärgerten? Ich kannte die Antwort.
    Also sprach ich in der Grundschule vor und geriet an eine tolle Lehrerin mit sehr viel Verständnis für meinen Sohn, aber auch sie sagte mir gleich das sie Schwierigkeiten sieht und sich nicht in der Lage sieht ihn angemessen zu fördern bei so vielen Kindern.
    Sie empfahl mir die Sprachheilschule. Ich bin ihr bis heute noch unendlich dankbar für ihre Hilfe und aufbauenden Worte. Endlich jemand der mein Kind nicht als hauenden Störenfried wahrgenommen hat, sondern als lieben Jungen der Hilfe braucht.
    Und dann startete der Behördenmarathon. Niemand wollte das mein Sohn auf diese Schule geht, obwohl klar war das es das Beste für ihn wäre. Mir wurde sogar gesagt ich verbaue meinem Sohn die Zukunft wenn er seine Grundschulzeit in der Förderschule verbringt. Ich habe das anders gesehen und behielt recht! Nach langen Kämpfen und vielen Hürden wurde er dann auf der Sprachheilschule eingeschult und blühte richtig auf.
    Er war mal nicht der einzigste der gestottert hat und gewisse Buchstaben nicht richtig aussprechen konnte. Seine Klassenlehrerin war eine liebevolle, aber auch strenge Frau. Genau die richtige Mischung 🙂
    Und die Sprachförderung die Schulbegleitend lief und nicht wie vorher mit Terminen um 17:30 beim Logopäden, zeigte schnell große Wirkung. Ab der dritten Klasse war das Stottern so gut wie weg und er konnte wenn er sich konzentrierte alle Buchstaben gut aussprechen. Deutsch wurde zwar nie sein Lieblingsfach, aber das war für mich ok.
    Kurzum er hatte nie einen Nachteil davon das er 6 Jahre auf einer Förderschule mit Schwerpunkt Sprache war, im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt das er kein Fachabitur gemacht hätte wenn er auf einer anderen Schule gestartet wäre.
    Trotzdem bin ich mehr denn je auch vom Konzept der Inklusion überzeugt, aber die Entscheidung dafür sollte immer von Kind zu Kind fallen. Es muss mehr auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen geschaut werden und auch auf die Eltern gehört werden denn die kennen ihr Kind am besten!
    Die Sprachheilschule gibt es leider nicht mehr. Im Rahmen der Inklusion wurde sie geschlossen. Wir haben lange für ihren Erhalt gekämpft, da wir uns auch der personellen Situation an den normalen Grundschulen bewusst sind und eine Inklusion nicht immer so stattfindet wie es ein Kind vielleicht braucht.
    An alle Eltern: Hört auf euer Bauchgefühl und kämpft!!!!

    LG Anke

  6. Andrea sagt

    Liebe Katharina,
    das klingt alles so furchtbar mühsam und dabei wird überall mit Inklusion geworben. Allein dass ihr euren Jahresurlaub für die ganzen Tests opfern müsst, finde ich ein absolutes Unding.
    Als Außenstehende denkt man naiv, dass Inklusion in D. inzwischen doch gut machbar ist, Tja, Pustekuchen.
    Ich wünsche euch weiterhin viel Durchhaltevermögen!
    liebe Grüße,
    Andrea

  7. Katrin Laugsch sagt

    Liebe Katharina,
    in meinen Augen tust du mit deiner Offenheit sehr viel mehr für Inklusion als jede Lehrerdiskussionsrunde. Ich kenne das Thema gut aus der Lehrerperspektive und könnte jedesmal an die Decke gehen, wenn es den Kollegen vor allem wichtig ist zu wissen, WIE VIELE und WER die „Inklusionskinder“ sind. Ich finde das schrecklich,demütigend und unnötig. JEDER Mensch hat Talente und JEDER hat Schwierigkeiten und wir sollten viel mehr Zeit investieren, Talente zu fördern und im Miteinander davon zu profitieren. Dabei ist es auch möglich, sich helfen zu lassen, von jemandem anderes, weil der oder die etwas gut kann, was ich nicht kann. Die Schule sieht so oft das Defizit und nicht die Möglichkeiten, die darin stecken eine buntgemischte Klasse wissbegieriger Kinder zu unterrichten.
    Die Offenheit und Ehrlichkeit der Eltern ist aus meiner Erfahrung dabei sehr wichtig, denn als Anwälte ihrer Kinde behalten sie die Ausbildung im Blick und wollen die Rahmenbedingungen mit gestalten. Für mich als Lehrerin sind das lebensnotwendige Hinweise. Leider spiegeln die Hilflosigkeit und Ängste der Eltern den gesellschaftlichen Misstand der Inklusion wieder. Wir machen es uns mit unseren Normen viel zu bequem und ignorieren die Vielfalt des Lebens.
    Herzliche Grüße aus meinem sonnigen Wartesaal!, Katrin

  8. Saskia sagt

    Toll, dass ihr für Sonea eine Schule gefunden habt, in der sie in ihrem Tempo mit anderen Kindern mit und ohne Behinderung lernen kann. Es ist nur furchtbar, dass es so ein steiniger Weg dorthin war. Das zeigt, dass sich noch viel tun muss, vor allem in den Köpfen vieler Menschen. Gleichzeitig muss die Politik einsehen, dass ein solches Konzept, so gut es dem Grunde nach auch ist, nicht mit Luft und Liebe allein umgesetzt werden kann, sondern Geld kostet – Geld das gut investiert ist, in die Zukunft aller Kinder. Denn von gemeinsamem Lernen profitieren alle Kinder, gerade auch die ohne Förderbedarf. Aber dafür müssen unter anderem die Lehrpersonen Fortgebildet und unterstützt und der Personalschlüssel erhöht werden. Schade, dass nicht für alle Kinder das Zusammensein von Kindern mit und ohne Behinderung eine Selbstverständlichkeit ist.
    VG Saskia

  9. Knodel Inge sagt

    Hallo Katharina, ich kann euch nur zu diesem Weg den Ihr mit Sonea geht beglückwünschen. Sonea wird ihren Weg machen mit so einer tollen Familie im Hintergrund. Liebe Grüße Inge

  10. Puuh, was für Steine…………es macht mich auch immer noch fassungslos, wie schwer es ist, einen Menschen in Deutschland zu integrieren. Da sieht man mal, ist man anders, als andere, ist man weg vom Fenster. Dabei spielt es im Grunde keine Rolle, ob ein Kind eine diagnositzierte Kranheit hat oder einfach so nur schwierig ist. Mann oh Mann, in was für einer Gesellschaft leben wir? Sind es bei vielen nur hohle Worte, die immer wieder zum Ausdruck bringen „wir haben kein Problem mit Menschen mit Handicap“. Vermutlich, denn sonst wäre es nicht so schwierig. Mit der totalen gesellschaftlichen Akzeptanz würde alles einfacher werden und durch den Druck der Gesellschaft sicher die Antragsrituale auch. Ich wünsche Sonea, dass im Laufe ihres jungen Lebens alles immer ein Stück besser wird und wenn sie selbst einmal eine Familie hat, sie die Vollwertigkeit zu 100% spüren und leben darf.

    LG Katrin

  11. …für Sonea ist es wirklich ein Glück, dass sie so engagierte Eltern hat…ihr macht das wirklich toll…
    in unserer Tageszeitung wurde letztens halbseitig die Inklusion bejubelt, da die Kinder der Förderschule jetzt einen gemeinsamen Spielplatz mit den Kindern der Körperbehindertenschule haben…kein Wunder, dass viele nicht verstanden haben, was Inklusion eigentlich ist,

    liebe Grüße Birgitt

  12. Ich bewundere euch und alle Eltern, die für und mit ihren Kindern für den inklusiven Weg kämpfen! Wie absurd die Bürokratie auch sein mag und welch unmögliche Steine auch den Weg schwer machen. Hautnah erlebe ich beim Sohn meiner lieben Freundin seit Beginn dieses Schuljahres, wieviel noch passieren muss, bis Inklusion annähernd selbstverständlich ist und nicht mehr als Belastung gesehen wird, sondern als Gewinn. Ein Gewinn der Arbeit bedeutet, aber eben dankbare Menschen auf allen Seiten zurück lässt!

  13. Melanie sagt

    So ein toller Beitrag. Ich habe selbst zwei gesunde Kinder und die kann daher nur erahnen welche Probleme ihr im Alltag bewältigen müsst. Ich bewundere dich wahnsinnig. Du bist eine tolle Mami und ihr könnt alle stolz darauf sein was ihr alles leistet. Sonea hat sich wohl die absolut perfekte Familie ausgesucht. 💜

  14. Ich finde uns ganz oft wieder in diesem Post, auch die Sache mit dem Geburtstag.
    Vor kurzem hat sie ihren armen Busfahrer (Anfang 20, wahrscheinlich FSJ) dazu gebracht den ganzen Weg Happy Birthday für sie zu singen, weil sie ja Geburtstag hat.
    Ich denke Geschenke würde sie auch ohne schlechtes Gewissen nehmen und vor ein paar Tagen fragte sie erstaunt an meinem Geburtstag „Du auch Burztag?“ Aber echt, sogar Mütter haben Geburtstag (wenn es was am Alter ändern würde, könnte ich auch gerne darauf verzichten hahaha)

  15. Steffi sagt

    Wir gehen zur Zeit den selben Weg, nach den Ferien geht der Große in die OGS und wir haben bereits im Februar die Stundenaufstockung beantragt und der Witz bei der ganzen Sache ist ja, das man jedes Jahr aufs neue die Anträge für die Belgeitung stellen muss und nicht nur dafür. Als ob über Nacht der Autismus weg ist und mein Kind „normal“ und dazu über Nacht noch sprechen gelernt hat. Im Sommer wird seine Schwester eingeschult, ebenfalls Autistin/ADHS und nun komme ich mit Schuleinteintritt mit dem Jugendamt in Berührung, dass ist Neuland… Ich bin gespannt, ob sie uns eine Begleitung für unsere Tochter bewilligen, AOSF ist durch aber das heißt ja nichts… Inklusion ist für mich immer noch das Unwort des Jahrhunderts, die Menschen die sich mit Inklusion wirklich auskennen, sind wir Familien und genau und die nimmt man oft nicht ernst…

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