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Mein Leben mit dem Besonderen #90 Besonders normale „Problemchen“

Ich liebe deine Rubrik über besondere Kinder, besondere Eltern, besondere Umstände.
Man wird demütig vor dem Leben! Man lernt etwas über Liebe und Hingabe (in ihrer reinsten Form)! Und man sieht seine Problemchen nicht mehr in so einem hellen Licht, als seien sie von einem Scheinwerfer angestrahlt.
Das ist auch der Grund, warum ich mich immer davor gescheut habe, für die Rubrik zu schreiben. Ist es denn ein „Problem“? Ist es „groß“ genug? Und natürlich auch: Möchte ich mich so öffnen? Sollen so viele Menschen davon wissen?
Andererseits habe ich nicht nur die Texte, sondern auch die Kommentare gelesen und vertraue deinen Lesern in der Hinsicht ein Stück weit. Und ich möchte – ganz egoistisch – nicht, dass die Rubrik „stirbt“.

Also, ich habe zwei besondere Kinder. Es sind Mädchen und sie sind 7 Jahre und ganz frisch 11 Jahre alt. Sie sind besonders, weil sie einfach einzigartig sind – so wie es jeder Mensch ist.
Und sie sind besonders, weil sie für meinen Mann und mich besonders sind, weil ich mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen kann und ich sie so liebe, dass es wehtut!
Ich bewundere sie, ich liebe es mit ihnen durch das Leben zu gehen und erfreue mich an ihnen.

Die Große war ein sehr leichtes Kind – ist es noch.
Die Schwangerschaft war ein Traum, die Geburt …. naja, es war eine Geburt, da kann man nichts schön reden … sie schlief mit 2,5 Monaten durch (so richtig, mindestens 12 Stunden am Stück), sie ließ sich gut in den Kindergarten eingewöhnen, hatte bis jetzt nie ernsthafte Problem in der Schule, ist wahnsinnig selbständig usw..
Mit 2,5 Jahren war sie mal für einen Monat in der Trotzphase (so richtig) und dann hatte sie zwischen 7.5 Jahren und 8,5 Jahren mal ziemliche Probleme mit der Eifersucht ihrer Schwester gegenüber. Ansonsten ist sie momentan zwar körperlich und geistig (so früh schon!) in der Pubertät, aber es läuft!
Sie ist kein Wunderkind (obwohl jedes Kind ein Wunder ist), aber sie hat ihren eigenen Kopf, ist verträumt, phantasievoll, oft etwas langsam, gewissenhaft, sorgfältig, selbständig, etwas zu eigenbrötlerisch von Zeit zu Zeit.

Tja, bei unserer Kleinen sieht das etwas anders aus. Und ich bin froh, dass wir die Große haben, da ich ansonsten sehr an mir/uns zweifeln würde!
Die Schwangerschaft war schwerer (weil auch sie einfach schwerer war, dann war es Sommer und keine erste Schwangerschaft mehr … und ich war fast 4 Jahre älter).
Sie schlief auch super durch (mit 8 Wochen), ließ sich leicht in den Kindergarten eingewöhnen.

Ich weiß nicht, wann es anfing. Wenn man mich fragt, denk ich oft, dass wir seit über 7 Jahren kaum einen friedlichen Tag und eine ruhige Minute hatten; aber das stimmt so natürlich nicht und wäre auch ungerecht ihr gegenüber.
Trotzdem ist es bei unserer Kleinen leichter, die leichten Zeiten aufzuzählen – um ihren 4. Geburtstag war sie mal für ein paar Wochen zuckersüß.

Ich liebe mein Kind! Sie ist sehr hübsch, hat grüne Augen, rotes Haar und Sommersprossen seit einiger Zeit. Nicht nur optisch gleicht sie ihrer großen Heldin Pippi Langstrumpf.
Sie ist wahnsinnig sportlich, clever, tiefgründig, sie kann ganz in den von ihr kreierten Welten versinken, sie ist sehr fürsorglich und auch liebevoll, wortgewandt, gesellig, oft auch sehr dankbar.
Draußen fühlt sie sich sehr wohl und auch mit unserer Tieren, sie fährt gerne Fahrrad, klettert toll, schwimmt begeistert, sie malt und bastelt, verkleidet sich und spielt mit Playmo, Schleich, Autos.
Mary Poppins mag sie, die Schlümpfe, Meerjungfrauen, Zauberwesen. Sie ist also ein vollkommen normal entwickeltes Mädchen von 7 Jahren.

Auf der anderen Seite ist sie wild (wenn ich es nett formulieren möchte, sage ich lebendig), zu überschwänglich, wie ein aufgedrehter Duracell-Hase (was auch ihren kernigen, muskulösen Körperbau ohne ein Gramm Fett erklärt).
Ständig ist sie in Bewegung, turnt herum (und ihr ist egal, wo sie es tut). Bewegungsfreude ist toll und bis zu einem bestimmten Maß normal, aber bei ihr ist es schon extrem. Sie kann still sitzen und sich konzentrieren, aber nicht, wenn sie in diesem Stimmungen ist.

Manchmal denke ich, sie ist mit etwas über einem Jahr in die Trotzphase gekommen und schafft es nicht mehr heraus. Ihr Verhalten uns gegenüber ist äußerst ambivalent. Sie stößt uns in einer Sekunde weg und kommt kurz danach – als sei nichts gewesen – liebevoll schmusen.
Es scheint, als würden wir mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde unter einem Dach zusammenwohnen! Man muss ständig auf einen Ausbruch gefasst sein. Er kommt nicht langsam, sondern ist eher wie ein Vulkan, der ausbricht oder eine Flutwelle, die über einen zusammenkracht!
Sie wettert, tobt, braust und rast. Die kleinste Kleinigkeit kann ein Auslöser sein. Sie steht sich selbst im Weg und stößt so oft so viele Menschen vor den Kopf.
Oft ist es mir peinlich, mit ihr in die Öffentlichkeit zu gehen (und es ist mir unangenehm, darüber zu schreiben). Ich stehe kurz davor, Treffen und Termine abzusagen, weil es oft eine Schmach, ein Spießrutenlaufen und Entschuldigen ist.
Ich denke, viele denken auch, sie sei ungezogen/nicht erzogen. Wir geben ihr Regeln, Struktur, wir sind konsequent …. und trotzdem scheint es wenig zu fruchten. Oft kommt die Einsicht später und nicht in dem Moment.

In der Schule eckt sie mit ihrer Art auch an.
Wenn es ihr zu viel wird, wirft sie das Handtuch. Sie mauert und lässt niemanden mehr an sich heran (ein Grund, warum die Lehrerin das Wort „Autismus“ ins Spiel gebracht hat). Ich denke nicht, dass es das ist. Sie hält Augenkontakt, sie ist nicht stupide Stereotyp, sie liebt Nähe und Körperkontakt usw..
Ich vermute ADHS, was mein Mann gar nicht hören möchte. „Sie kann sich doch sehr gut konzentrieren und sie hat doch ruhige Phasen!“
Auf jeden Fall hat sie eine sehr niedrige Frustrationstoleranz.

Jedenfalls bin ich sehr glücklich, dass wir jetzt für Ende Januar einen Termin bei einem passenden Arzt bekommen haben! Mein Mann hat auf das gemeinsame Drängen der Erzieherin, Lehrerin und mir endlich zugestimmt.
Vielleicht bedeutet es endlich Hilfe?! Hilfe für unser Kind! Hilfe auch für uns! Ich komme oft an meine Grenzen und fühle mich so hilflos. Ich WEIß, dass sie wunderbar ist und ich möchte, dass sie es auch sehen kann!

Es ist seltsam, den Text geschrieben zu haben. Und die Vorstellung ist seltsam, wenn er bei „Sonea Sonnenschein“ abgedruckt wird.
Ich hätte wahrscheinlich auch nicht geschrieben, wenn Katharina auf ihrem Blog nicht darum gebeten hätte!

16 Kommentare

  1. Dunja sagt

    Hallo,

    du sprichst (schreibst) mir aus der Seele.

    Du und dein Partner mögen das ganz sicher aus verständlichen Gründen nicht hören,

    aber: Autismus/AD(HS) solltet ihr unbedingt abklären lassen.

    Meine 8-Jährige ist quasi genau der Typ, den du von deiner 7-Jährigen schilderst.

    Glaub‘ mir, ihr erleichtert euch Vieles, wenn ihr euch Hilfe für die Kleine sucht.

  2. Alina sagt

    „Man wird Demütigt gegenüber dem Leben“
    Oh wie oft ist mir genau DAS in dieser Rubrick bereits durch den Kopf gegeistert.
    Und über diesen Gedanken habe ich ganz vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte.
    Ich hoffe Du entschuldigst das. Vielleicht kommt es noch einmal wieder. Dann komme auch ich wieder. Ansonsten wünsche ich Dir eine unfassbar gute Zeit und viel Kraft für all die Zeit, die noch auf Euch zukommen mag.

    Alles Liebe, Alina

  3. Sehr spät möchte ich mich auch noch anschließen – schließe Autismus bitte nicht aufgrund von Klischees aus. Selbst innerhalb unserer Familie ist jeder einzlene Autist sehr individuell. Es gibt keinen einheitlichen Autismusbauplan. Zumindest als Möglichkeit im Auge behalten würde ich es.
    Übrigens fällt mir im Text oben die Ählichkeit der beschriebenen Reaktion deines Mannes auf ADHS zu deiner erklärten Reaktion zu Autismus auf…

  4. Mareike sagt

    Hey! ich schreibe normalerweise nicht und mit eine stille Leserin! Ich finde es toll das du den Mut hattest, das hat nicht jeder!
    Wurde bei deiner Tochter schon mal kontrolliert ob die Schilddrüse aussreichend arbeitet? Das war einer meiner Gedanken als ich es gelesen habe.

    Viel Erfolg bei der *namenssuche*

  5. Anonym sagt

    Vielen lieben Dank für den großen Zuspruch!
    Ich merke, dass die Angst im Vorfeld relativ unbegründet war.
    Viele der Kommentare helfen mir wirklich weiter.

    Und ja, an Hochsensibilität habe ich auch schon einmal gedacht.
    Das Essen gestaltet sich zeitweise ziemlich schwierig, aber das sind bis jetzt wirklich nur Phasen und das haben ja viele Kinder.

    Was bei unserer Kleinen sehr extrem ist, ist das Anziehen. Wir legen schon abends Sachen heraus, aber wir können uns trotzdem sicher sein, dass es Geschrei gibt, Kleidung durch die Gegend fliegt oder sie nur halb angezogen am Frühstückstisch erscheint. Meistens kneift etwas oder ist zu eng. Oft nimmt sie Anstoß an den Strümpfen. Heute war es allerdings die Jeans. Sie zieht sich immer nach einem ganz bestimmten Schema an. Wehe, die Leggings rutscht aus den Socken! Wehe ihr Lieblingshalstuch ist verschwunden! Wehe ein Kleidungsstück hat sich versteckt! Und, wenn sie ihr Kinderzimmer innerhalb kürzester Zeit verwüstet, dann liegen auch immer und überall Kleidungsstücke (getragene und saubere durcheinander) herum. Am Liebsten läuft sie nur in Leggings und Unterhemd bekleidet herum. Oft möchte sie dann aber die am Tag getragene Kleidung für die Nacht gar nicht ausziehen (bis auf die Jeans).

    Liebe Grüße

    • Doro allgaier sagt

      Also das mit der Kleidung ist interessant und würde sehr wohl auf hochsensibilität passen!

  6. Saskia sagt

    Danke für deine Offenheit, das war sicher nicht leicht. Das was du beschreibst kenne ich ansatzweise auch – aber das sind bei uns glücklicherweise nur kurze Phasen.
    Ich wünsche euch alles Gute und dass eure Kleine ihren Weg findet, ohne zu oft anzuecken.
    Viele Grüße
    Saskia

  7. Deine Geschichte hört sich an wie wenn es meine Kinder wären. Nur das ich 2 Jungs habe und der Große mit 10 Jahren das besonders besondere Kind ist, von Anfang an! Er wurde auf Hochbegabung getestet. IQ von 146. Empathie, Sozialverhalten, das Einhalten von Regeln. Eine Katastrophe! Nun ist er in der 5. Klasse, ihm droht Schulausschluss. Diese Woche erfahre ich nun endlich ob noch mehr als nur Unterforderung dahinter steckt. Der Papa hat jetzt endlich nach der Trennung weiteren Tests zugestimmt. Zuvor wollte er davon nix wissen und hat alles irgendwie beschwichtigt. Ich bin sehr gespannt. Ich wünsche mir mittlerweile sogar eine Diagnose, in der Hoffnung auf mehr Verständnis und mehr Hilfe! Ich liebe ihn über alles und er tut mir so unendlich leid, wie sehr er sich selbst mit seinem Verhalten im Weg steht. Und ich bin so froh noch meinen Kleinen zu haben… Auch zu sehen, dass es nicht an der Erziehung liegt… Wie einem ja immer wieder und überall gesagt wird.
    Ich kann dich sehr gut verstehen und lasst alles testen. Verliert keine Zeit! Für euer Kind, für euch!

  8. Kerstin sagt

    Ich danke dir für deine Geschichte und auch ich möchte dir mit auf den Weg geben, dass es auch Autismus sein könnte. Glaube da einfach nicht , was in den Medien gerne vermittelt wird: Autismus hat so viele Facetten wie es verschiedene Menschen gibt.
    Mein Sohn ist Autist: hat keine Stereotypen und mag Körperkontakt sehr, zumindest bei ihm nahe stehenden Personen, ist sogar überdurchschnittlich sozial und eben doch Autist mit Schwierigkeiten. Das heisst aber natürlich nicht, dass es deine Tochter sein muss: es gibt soviel was es sein kann. Nur eines ist sicher : es hilft , wenn das Kind irgendwann einen Namen hat. Weil man sich selber nicht mehr für überengagiert hält zb, was das eigene Kind betrifft.
    Bei mir war es übrigens andersherum : das erste Kind war nicht „normal “ , was ich sehr (viel zu?) spät bemerkt habe. Das wäre vielleicht auch mal ein „Leben mit dem Besonderen“ wert;-).
    LG Kerstin

  9. Klar, nur aufgrund eines solchen Textes ist es unmöglich, als Leserin ein dem Kind gerechtes Bild zu erhalten. Aber ich musste beim Lesen an Hochsensibilität denken. Da gibt es ein paar Überschneidungen mit dem Asperger und ist doch nicht dasselbe… Hochsensible Menschen sind sehr unterschiedlich. Aber allen gemeinsam ist die schnellere Reizüberflutung weil sie viel mehr auf einmal und intensiver wahrnehmen können als der Durchschnitt. Dies führt dann aber auch schneller zur Erschöpfung. Für mich könnten die Ausbrüche des Mädchens auch Ausdruck dieser Reizüberflutung sein.
    Ich wünsche euch nur das Beste und hoffe, ihr findet Hilfe und den für euch besten Weg!

  10. Christina sagt

    Danke für deinen Bericht!
    Zuerst habe ich gedacht, „Was hat sie denn bloß?, Klingt alles wie unsere wilde Große, anstrengend aber doch nicht „besondes“.“
    Gegen Ende hin habe ich dann verstanden, was dich belastet.
    Besonders unangenehm finde ich es, wenn andere (fremde) vom eigenen Kind abgewiesen, vor den Kopf gestoßen werden.
    Es tut mir sehr leid, dass es beginnt, dich in deinem Alltag einzuschränken und du dich für sie schämest.
    Es klingt vielleicht blöd, aber ich wünsche euch eine passende Diagnose, denn dass bringt viel Entlastung, für die Eltern und das Kind selbst auch.
    Ansonsten: Ich liebe Pippi Langstrumpf und es kann auf dieser Welt gar nicht genug starke Pippi-Mädchen geben!
    Viele Grüße!

  11. Steffi sagt

    Ich weiss nicht, ob es eurer Tochter hilft, wir haben gute Erfahrungen mit Neurofeedback gemacht. Euch wuensche ich, dass ihr etwas fundet, was euch allen hilft. Viele Gruesse, Steffi

  12. Silke sagt

    Ich kann mich dem ersten Kommentar nur anschließen….. Bitte schließt die Diagnose Autismus nicht ganz aus…. Ich dachte auch immer unser Kind kann das nicht haben, hält Augenkontakt, schmuste, ist aufgeschlossen , hat Freunde…… All die Dinge die man Autisten nicht zutraut…. Aber irgendwann nachdem die ADHS Diagnostik als “ kein ADHS“ geendet hat und der Kinderpsychologe meinte: keine Ahnung was es ist…. Können wir nicht erklären…. Habe ich auf eine Testung in einer dafür spezialisierten Einrichtung bestanden…. Und es gab keine Zweifel… Asperger…. Uns geht es alles besser mit der Diagnose…. Ich hoffe ihr findet eine Diagnose die zu euch passt, und Autismus ist nichts schlimmes, nur eine andere Form zu leben…. Es ist einfach ein anderes Betriebssystem… Alle laufen auf Windows und unser Kind ist halt ein Mac Book pro;)- und wer will das nicht😀

  13. Katrin sagt

    Jedes Kind ist anders – auch Kinder mit ADHS oder Autismus. Das macht die Diagnose auch so schwer und die Übergänge sind fließend. Mein Sohn war von Geburt an anders und das machte das Leben mit ihm sehr, sehr anstrengend. Außenstehende und selbst die eigene Familie machten mir das Leben auch nicht gerade leichter – jeder hatte gute Ratschläge und trotzdem kam keiner mit meinem Sohn zurecht. Auch nicht Erzieher im Kindergarten – und das als „Profis“. Ich war total hilflos und verzweifelt, denn ich gab mir die allergrößte Mühe und fühlte mich trotzdem als Versagerin. Kurz vor Schuleintritt erhielten wir die Diagnose ADHS, später in der sechsten Klasse die Diagnose Asperger. Auch wenn ich mich darüber nicht gerade gefreut habe, dass mein Sohn offiziell „anders“ ist, wurde in der Schule vieles leichter. Wir mussten den Lehrern nicht ständig sein Verhalten erklären, sondern konnten bestimmte Sonderbehandlungen (Nachteilsausgleich) vereinbaren, die ihm eine große Erleichterung verschafften. So durfte er z.B. im Klassenraum ganz vorn und allein sitzen und wurde vom Sportunterricht befreit. Das war aber auch nur eine für ihn individuelle Lösung. Bei anderen Kindern mag sie ganz anders aussehen.

    [Ich denke nicht, dass es das ist. Sie hält Augenkontakt, sie ist nicht stupide Stereotyp, sie liebt Nähe und Körperkontakt usw…]

    Mein Sohn kann auch den Augenkontakt halten, handelt nicht stereotyp und ist sehr kuschelig gewesen. Das legt sich jetzt, weil er in der Pubertät ist. So einfach ist es mit der Diagnose eben nicht. Ich möchte sie natürlich auch nicht für deine Tochter stellen, doch ich würde sie nicht kategorisch ausschließen. Lasst sie vernünftig testen und dann werdet ihr sehen. Mein Sohn würde übrigens zweimal auf Autismus getestet. Damals mit sechs Jahren schloss man Asperger aus, mit 12 Jahren fiel das Ergebnis positiv aus.

    Falls ihr am Ende eine Diagnose bekommt, müsst ihr natürlich entscheiden, ob ihr euch „outen“ wollt und wem gegenüber. Auch das ist individuell verschieden. Die Schule haben wir direkt nach Erhalt der Diagnose informiert, aber die Klasse wurde erst ein Jahr später aufgeklärt, denn wir mussten sie selbst erst verarbeiten. Dabei haben wir von der Beratungsstelle Autismus tolle Unterstützung erhalten. Meinem Sohn hat das Outing in der Klasse übrigens gut getan, weil die Mitschüler jetzt verständnisvoller mit ihm umgehen.

    Außerdem gehe ich auch regelmäßig in eine Asperger-Selbsthilfegruppe. Zuerst hatte ich Bedenken, ob mich die Leidensgeschichten von fremden Leuten nicht noch zusätzlich belasten. Das ist ganz und gar nicht der Fall! Es ist so schön, sich endlich mal mit anderen Menschen auszutauschen, die ganz genau wissen, wovon man redet und welche Ängste und Sorgen man hat. Wie schon gesagt, liegt jeder Fall anders und trotzdem ist das Verständnis für den Anderen da.

    Ich wünsche euch auf eurem Weg viel Kraft und vor allem Zuversicht! Leider weiß ich nur zu gut, wie schnell einem die Leichtigkeit des Lebens verloren geht.

    Alles Gute für euch!

  14. Ani Lorak sagt

    Danke dafür. Ich lese auch fleißig mit und kommentiere. Und ja – jede Geschichte ist es wert erzählt zu werden. Alle Kinder sind einzigartig und ich drücke die Daumen, dass Euch der Besuch beim Arzt was bringt und dass Du die Mitte in Dir behälst und nicht verunsichert wird. Nicht zurückziehen, aushalten und die Kraft wünsche ich Dir und Euch!

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