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Rückblick auf ein Jahr inklusive Schule – wie Tivoli!

Vor ziemlich genau zwei Jahren standen wir noch ganz am Anfang unserer Odyssee und auf der Suche nach einer geeigneten Schule für Sonea. Wie gerne hätte ich mein Kind einfach an einer der drei nahegelegenen Schulen angemeldet. An der, die mir am besten für mein Kind gefallen hätte. Aber wenige Telefonate und einen Hospitationstermin später, kam die Ernüchterung – wenn wir die Inklusion wirklich wollen, müssen wir nehmen was kommt.

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Eine einzige Grundschule im Umkreis von 10 Kilometern war bereit das Abenteuer Inklusion auf sich zu nehmen und das zweite Jahr in Folge ein Kind mit dem Down-Syndrom zu beschulen.

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Unsere Alternative wäre die Förderschule gewesen. Insofern praktisch, weil sie direkt um die Ecke ist und somit fußläufig erreichbar. Mein Bauchgefühl sagte mir aber, dass das nicht unser Weg sein wird und wir zunächst einmal den steinigeren Weg ausprobieren.

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Dass uns so viele Steine in den Weg gelegt werden, bevor wir diesen Weg erst einmal betreten haben, hätte ich nicht gedacht. Es war kräftezerrend und es gibt nichts zermürbenderes als kurz vor Schulbeginn immer noch in der Luft zu hängen bezüglich der Bewilligung der Schulbegleitung etc.

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Immerhin in diesem Punkt hatten wir großes Glück gehabt, denn während andere ihre Schulbegleitung bis kurz vor Schulbeginn noch gar nicht kennen, war Sonea mit ihrer Inklusionshelferin schon sehr vertraut.

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Nachdem ich mir auch unsere Förderschule noch einmal genauer angeschaut habe, entspannte ich mich. Denn auch, wenn ich für unsere Tochter den inklusiven Weg bevorzugte, obwohl mir einige Stimmen davon abrieten, wusste ich, dass es ebenso diesen anderen Weg gibt und ich sehe trotz unserer Entscheidung dagegen auf jeden Fall die Vorzüge einer Förderschule.

Stramme Waden hat das Kind nach diesem ersten Schuljahr bekommen. Auch, wenn es streckenweise sicherlich beschwerlich für sie ist, kämpft sie sich hartnäckig durch, hat große Freude am Lernen, sowohl am Rechnen, als auch am Lesen.

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Oft ertappe ich sie, wie sie für sich im Stillen übt. Heimlich, denn wenn sie sich ihrer Sache noch nicht so sicher ist, zeigt sie es nicht gerne.

Gestern stand die Tür zum Arbeitszimmer offen, als Sonea nach Hause kam. In letzter Zeit schließe ich die Tür meistens ab, denn in den Sommerferien hat Sonea nicht nur den ersten Umgang mit dem PC gelernt, sondern huscht auch schnell ins Zimmer rein und kennt den direkten Weg zu Youtube. Sie lernen schnell, diese Kinder… und nicht immer ist das erfreulich.

Gestern saß sie vor dem Rechner und tippte ein „KIKANINZEN“… immer wieder wiederholte sie, was sie geschrieben hatte und war unüberhörbar frustriert, weil ihr kein kleiner. blauer Hase angezeigt wurde „Oooooaaaaarr! KIKANINZEN! Ich habe das doch geschrieben! Warum geht das nicht?“.

Sonea hat in ihrer Parallelklasse eine gute Freundin gefunden. Ihre Freundin Zara. Die beiden sind inzwischen unzertrennlich. Eigentlich kennen die beiden sich bereits seit ihrer Babyzeit, denn wir waren zusammen bei der Frühförderung. In der Kindergartenzeit war der Kontakt ein wenig eingeschlafen und nun wollen die beiden am liebsten auch jeden Nachmittag zusammen verbringen.

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Sonea ist in ihrem ersten Schuljahr ganz schön gewachsen und ich glaube, die Tatsache, dass sie nicht mehr eine von den Kleinen ist, dass da Kinder sind, die ganz von vorne anfangen, denen sie schon einiges an Wissen voraus hat, macht sie nochmal ein Stückchen größer und selbstbewusster.

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Sie geht gerne in die Schule und auch, wenn ich nicht mehr so nah am Geschehen dabei sein kann, wie damals in der Kita, denke ich, dass sie ihren festen Platz hat und sich sehr wohl fühlt.

Sonea lernt gerne und hat einfach das große Glück, dass sie motivierte und engagierte Fachkräfte um sich herum hat. Das fängt bei ihrer Schulbegleitung an und geht über die Sonderpädagogen, die Klassenlehrerin und bis hin zur Schulleiterin, deren Worte von vor zwei Jahren mir immer noch im Ohr hängen „ganz ehrlich, wir würden uns riesig freuen, wenn Ihre Tochter zu uns auf die Schule kommt. Ein Kind mit Down-Syndrom ist eine Bereicherung für uns ALLE!“.

Ich weiß, dass wir einfach Glück hatten. Meine Gespräche mit anderen Schulen im Vorfeld waren frustrierend und ernüchternd und ich bin froh, dass wir Soneas Schule eine Chance gegeben haben, obwohl sie nicht gerade um die Ecke war. Aber es war unsere einzige Chance und Hoffnung auf Inklusion.

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Auch der klassenübergreifende Unterricht und somit der individuelle Unterricht ist durch und durch positiv für Sonea, aber auch alle anderen Kinder.

Morgen veranstaltet die Schule einen Tag der offenen Tür und von 10 bis 12 Uhr kann man einmal in den Unterricht hinein schnuppern. Ich weiß noch, wie kritisch ich vor zwei Jahren war und wie klar Herr Sonnenschein und ich beide nach diesem Besuch in unserem Entschluss waren. Diese Schule war unsere einzige Hoffnung auf Inklusion und nach einem Jahr können wir sagen, dass Inklusion an dieser Schule erfolgreich gelebt wird.

Wer Interesse an einem Besuch der Schule hat, kann sich gerne über das Kontaktformular bezüglich genauerer Daten melden.

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Tivoli – das ganze Jahr war wie eine große Kirmes. Die Schulsuche war wie eine Achterbahnfahrt und manchmal auch wie eine Geisterbahn und der Schulbesuch ansich war bislang wie Karussell fahren, abenteuerlich, aber schön.

Tivoli, so heißt auch das neue, fröhliche Design von SUSAlabim, das Euch ab morgen bei lillestoff erwartet.

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6 Kommentare

  1. Editha Trapp sagt

    Das Thema Inclusion begleitet mich schon mehr als 25 Jahre ( ich war Lehrerin – damals an der Gesamtschule in Köln Holweide ) und meine Erfahrungen waren fast nur positiv. Kinder mit Downsyndrom sind wirklich eine Bereicherung für eine Klasse und alle, die sie eine Zeit lang begleiten dürfen. Ich erinnere mich, dass wir eine Schülerin hatten, die in der Berufsorientierung wg. ihrer starken Empathie in einem Krankenhaus einen Arbeitsplatz fand, sie hat Handreichungen gemacht und vor allem mit Patienten geplaudert z. B. Wenn diese auf OP oder Untersuchungen warten mussten und alle haben sie in ihr Herz geschlossen und sie war stolz auf die Anerkennung. Also: Mut auf dem eingeschlagenen Weg- sicher gibt es auch Enttäuschungen und Rückschläge aber diese tollen Kinder finden ihren Weg

  2. Ich freue mich echt immer total mit, wenn ich lese, dass es für Sonea so prima in der Schule läuft! Und dass sie dort eine beste Freundin gefunden hat, ist wunderbar!

    liebe Grüße
    Alex

  3. Saskia sagt

    Zum Glück war für uns die Schulwahl leichter. Die Kinder gehen in die nächstgelegene Grundschule. Dass diese Schule eine inklusive Schule ist, war mir für meine Kinder (ohne Extra) wichtig, aber eben nicht k.o.-Kriterium. Seit etwas über drei Jahren sind wir mit dieser Schule nun sehr sehr glücklich und alle Kinder in der Klasse profitieren von der bunten Mischung – Kinder aus unterschiedlichen Ländern, mit und ohne Förderbedarf, Kinder im Rolli, mit Down Syndrom, autistische Kinder etc.
    Nun ziehen wir um ins Rechtsrheinische und dort gibt es in der Nähe keine inklusive Grundschule. Das ist für uns zwar glücklicherweise kein Drama, aber äußerst schade. Meinen Kindern – vor allem der Kleinen, die gerade erst in die Schule gekommen ist – wird eine wie ich finde wichtige soziale Erfahrung im Schulalltag fehlen. Ich bin mal gespannt…
    Es ist schön zu lesen, dass ihr so eine tolle Schule für Sonea gefunden habt.
    LG Saskia

  4. Ani Lorak sagt

    Hallo. Schön zu lesen, dass es läuft, dass die Waden stramm aber nicht verkrampft. Weiterhin eine wunderbare Schulzeit und schön, dass sie eine beste Freundin hat. Jeder braucht einen besten Freund! Schönes Kleid, tolle Bilder. Vor allem die wirbelnde Sonea ist so voller Schwung. Herrlich!

  5. Knodel Inge sagt

    Herr Sonnenschein hat sich mal wieder so richtig mit den schönen Fotos ins Zeug gelegt. Einfach klasse diese Schulleiterin. Förderschulen sind besser als ihr Ruf. Ich kenne einen lieben Jungen der dieses Jahr auf eine Förderschule geht. Warscheinlich in 2 oder 3 Jahren durch diese spezielle Förderung zurück auf die Gesamtschule kann. Es sind nur sehr wenige Schüler in einer Klasse, Defizite können so besser aufgeholt werden. Gut ist, dass man heute als Eltern entscheiden kann auf welche Schule für ihre Kinder die Richtige ist. Liebe Grüße Inge

  6. Annika sagt

    Das sind einfach traumhafte Bilder! Also die Fotos – Kompliment an Herrn Sonnenschein – und das strahlende Kind sowieso😊. Ich freue mich so so sehr fuer euch, dass nach diesem steinigen und ungewissen Weg alles so gut gegangen ist!!! Liebe Grüsse von Annika

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